Andacht: Zachäus oder die Sehnsucht nach Glück!

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Und Jesus ging nach Jericho hinein. Da war ein Mann mit Namen Zachäus, der war ein Oberer der Zöllner und war reich. Und er begehrte, Jesus zu sehen, wer er wäre, und konnte es nicht wegen der Menge; denn er war klein von Gestalt. Und er lief voraus und stieg auf einen Maulbeerbaum, um ihn zu sehen. Und als Jesus an die Stelle kam, sah er auf und sprach zu ihm: Zachäus, steig eilend herunter; denn ich muss heute in deinem Haus einkehren. Und er stieg eilend herunter und nahm ihn auf mit Freuden. Als sie das sahen, murrten sie alle und sprachen: Bei einem Sünder ist er eingekehrt: Zachäus aber trat vor den Herrn und sprach: Siehe, Herr, die Hälfte von meinem Besitz gebe ich den Armen, und wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück. Jesus aber sprach zu ihm: Heute ist diesem Hause Heil widerfahren, denn auch er ist Abrahams Sohn. Denn der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und zu retten, was verloren ist.

Lukas 19, 1–10

Diese Sehnsucht nach Glück steckt ganz tief in uns drin! Doch – was ist Glück? Eine gute Arbeit und nette Kollegen? „Trautes Heim, Glück allein“? Anerkennung, Liebe und Freundschaft? Zumindest streben wir danach. Genauso wie Zachäus. Aber zunächst ist seine Geschichte eine Anleitung zum Unglücklichsein 

„ …denn er war klein von Gestalt!“ Er war buchstäblich zu kurz gekommen. Vielleicht wurde er wegen seiner geringen Körpergröße gehänselt. Und wie reagiert Zachäus darauf? Als kleiner Mann versucht er mit großer Energie zu verarbeiten, dass er „zu kurz gekommen ist“. Er will seinem Leben eine Größe geben, die die anderen Menschen achten, nämlich Geld und Macht. Und er schafft es. Er bekleidet eine Leitungsposition unter den Zollbeamten in Jericho. Und jetzt müssen ihn die Leute achten, aber sie mögen ihn nicht, denn er arbeitet mit den Römern zusammen. Diese Ablehnung durchbricht Jesus, geht in das Haus von Zachäus und isst mit ihm und sagt: „Diesem Haus ist heute Heil widerfahren“. Zachäus fühlt sich angenommen und glücklich.

Zu Beginn der Geschichte stehen sich Zachäus und die Pharisäer unversöhnlich gegenüber. Hier geht es um den Zolleinnehmer und die Steuer-Geschädigten. So ist keiner glücklich. Jesus durchbricht den Kreislauf der Unversöhnlichkeit und des Hasses. Zachäus ist überwältigt von dieser Annahme und möchte zur Versöhnung beitragen. Er begleicht nicht nur einfach, sondern vierfach. Dietrich Bonhoeffer formulierte es so: „Es gibt kaum ein beglückenderes Gefühl, als zu spüren, dass man für andere Menschen etwas sein kann.“ Diese Orientierung gibt der christliche Glaube im Gebot der Nächstenliebe: „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ – und du wirst glücklich. 

Die Geschichte endet mit einer großen Feier: Jesus feiert mit Zachäus die neue Sicht auf das Leben. „Diesem Haus ist Heil widerfahren“. Es braucht nicht viel, um glücklich zu sein. Jesus schenkt Zachäus nicht Geld, Status, Karriere. Nein, Dinge, die nichts kosten und doch viel wert sind:  Gemeinschaft und Versöhnung, Wertschätzung und Heil, einen Sinn und eine Aufgabe. Das brauchen wir, um glücklich zu sein. Ja – der christliche Glaube ist eine ganz starke Anleitung zum Glücklichsein. Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Woche

Dekan Friedrich Schuster

Dekanat Fürth Region Nord

Lied 334: Danke für diesen guten Morgen