Geborgen unter der Kraft des Regenbogens

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Regenbogen über der Puschendorfer Gemeinschaft zu Beginn der Corona-Zeit. Foto: Privat
Regenbogen über der Puschendorfer Gemeinschaft zu Beginn der Corona-Zeit. Foto: Privat

Wie Andachtszeiten und Fürbittengebete in Bayerischen Communitäten weitergehen

„Es gab den Regenbogen zu Beginn der Coronazeit – das Zeichen der Treue Gottes über unserem Dorf.“ Das ist Schwester Evelyn Dluzak, der Vorsitzenden des Schwesternrates  in Puschendorf, wichtig. Auch die Corona-Zeit stand unter Gottes Schirm – auch wenn die Kirchen lange nicht mehr zu gemeinsamen Gottesdiensten einladen konnten.

Erst langsam und unter besonderen Schutzvorkehrungen laufen sie in Bayern wieder an. Gebetsgemeinschaften blieben indes in den evangelischen Communitäten erhalten. Ob auf dem Schwanberg, bei der Communität Christusbruderschaft Selbitz oder in Puschendorf: Die Schwesternschaften gelten als Hausgemeinschaft. „Das heißt, wir können – mit Abstand, aber immerhin – zu den Mahlzeiten und Andachten oder Gottesdiensten zusammenkommen“, so Evelyn Dluzak. 

Regelmäßig kamen die Puschendorfer Schwestern auch in den schlimmsten Corona-Zeiten vormittags um 9.30 Uhr zur Andacht und sonntags um 10 Uhr zum Gottesdienst zusammen. „Dabei sitzen wir selbstverständlich ‚auf Lücke‘ mit reichlich Abstand voneinander.“ Die Andacht bereitet immer eine Schwester vor.  „Ab und zu bekommen wir Andachten von Mitgliedern der Gemeinschaft, die nicht auf dem Gelände wohnen, als Lesepredigt.“ 

Doch nicht nur für sich selbst halten die Schwestern die Andachten und Gottesdienste: „Über Video sind wir mit den Bewohnerinnen und Bewohnern des Alten- und Pflegeheims verbunden. So können wir mit den Mitteln der Technik Kontakt zueinander halten.“ Den samstägliche Wochenschluss und weitere Gottesdienste können die Schwestern über Youtube ausstrahlen (Youtube.diakonie-puschendorf.org). „Wir staunen über die dankbaren Rückmeldungen, die uns dazu erreichen. Wir freuen uns, dass wir auf diese Weise mit unseren Freunden und Wegbegleitern verbunden sein können“, so Schwester Evelyn. Sie leben auch von ihrer authentischen Ansprache auch im Netz.

Auf dem Schwanberg halten die Schwestern ebenfalls gemeinsame Gottesdienste und Stundengebete, da sie auch eine Hausgemeinschaft sind. Besucher von außen konnten während der Corona-Zeit leider nicht wie üblich dabei sein, bedauert Schwester Dorothea Krauß. Aber außerhalb der Andachten hielt die Gemeinschaft die St. Michaels-Kirche geöffnet für Besucher. Sie fanden danach dort auch viele Zettel mit stillen Gebeten. Viele Menschen riefen an. Die Schwestern hielten telefonisch Kontakt mit der Oblatengemeinschaft oder Besuchern, die nun nicht kommen konnten.

Bei den Stundengebeten sind auch auf dem Schwanberg die Psalmen vorgegeben nach der Liturgie, die ebenfalls bei den Benediktinern von Münsterschwarzach gilt. Die Schwestern singen Lieder aus dem Kirchengesangbuch und halten die Lesungen nach der Ordnung des Kirchenjahres. „Die Fürbitten sind ganz stark thematisch gehalten“, erklärt Schwester Dorothea Krauß. 

Nun können endlich wieder Gottesdienste und Gebetszeiten mit Besuchern stattfinden – mit Mundschutz, Abstand und selbst mitgebrachten Gesangbüchern. „Wir vermissen weiterhin unsere Tagungsgäste“, so die Schwester.

Genauso ist in Puschendorf das Fürbittengebet fester Bestandteil der Andachten. „Das tun wir auch ohne Corona.“ Es geschieht reihum für Mitglieder der Gemeinschaft, Mitarbeitende und Ehrenamtlichen. Daneben beten die Schwestern namentlich für die Landeskirchliche Gemeinschaft und den Christlichen Jugendbund Bayern am Ort. „Es versteht sich von selbst, dass nun gerade die Mitarbeitenden im Pflegedienst im Blick sind.“

Weitere Gebetszeiten sind „seit Jahren fester Bestandteil unseres gemeinsamen Lebens“ in Puschendorf. Mittags versammeln sich die Schwestern zum Lob, „eine kurze, liturgisch gehaltene Gebetszeit.“ Abends gibt es in den Wohnbereichen der Schwestern Tagesschlussgebete. „Die Themen sind vielfältig. Die Schwestern erbeten Hilfe für Frauen in Schwangerschaftsproblemen, denken an den Dienst verschiedener Missionen oder an Geschwister, die nicht vor Ort leben. 

Seit März gibt es in Puschendorf wie in anderen Dörfern mit Posaunenchören um 19 Uhr einen musikalischen Gruß: „Auf dem Flachdach des Schwesternhauses spielt eine unserer Schwestern ihre Trompete und einige Schwestern sind dabei und singen mit. Ein kleiner Hoffnungsgruß ins Dorf ist das.“ Sie begannen mit dem Abendlied „Der Mond ist aufgegangen“. Passions- und später Osterlieder kamen hinzu. 

Doch die üblichen bewährten Gebetsformen sind geblieben: „Es gibt in der Diakonie-Gemeinschaft Puschendorf keine extra Corona-Gebetszeiten“, so Evelyn Dluzak. „Der Dank für die bisherige gnädige Verschonung und Mitarbeitenden in der Betreuung, die sich herzlich und fantasievoll um die Bewohner annehmen“, dies spielt genauso eine Rolle wie die „Fürbitte für die Mitarbeitenden in der Pflege und für die Bewohner“. Die anderen Anliegen der Gebetsverantwortung fallen jedoch nicht weg.

Wichtig ist er Schwester: „Ostern ist nicht ausgefallen: es gab über Nacht Ostergrüße. Auf dem Straßenpflaster, am Osterbrunnen vor dem Alten- und Pflegeheim, in den Büschen vor dem Andachtssaal.“ So konnten sie gemeinsam und jede für sich das Auferstehungsfest begehen. 

Auch auf dem Schwanberg hat „jede Schwester ihr persönliches Gebetsleben“. Bei 30 Schwestern „kommt eine große Kraft zusammen. Ich hoffe, dass Gott darauf aufpasst“, so Dorothea Krauß. Jede Schwester kann selbst mit ihren Gebete etwa in eine eher liturgische oder meditative Richtung gehen.

„Neben den Fürbitten ist es aber auch Zeit für die Stille, um darauf zu hören, was uns diese Zeit zu sagen hat“, ergänzt Priorin Birgit-Marie Henniger aus der Communität Christusbruderschaft Selbitz. Auch sie halten Gebetsgemeinschaft. Doch der Platz ist bei ihnen noch nicht gegeben für eine Öffnung gegenüber Besuchern. Aber digital sind auch hier Gottesdienste abrufbar. Die Priorin fragt ferner: „Ist Corona unser Herr oder Gott?“

Solche Fragen zeigen doch eine ganz neue Richtung auf. Dabei hatte Evelyn Dluzak am Anfang betont, ihr Gebetsdienst sei „recht unspektakulär. Wir beten so wie zu anderen Zeiten auch.“ Doch es trägt bislang durch diese Zeiten.