Post für Senioren

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Viel Post mit kleinen Geschenken für Seniorinnen und Senioren bekam Inge Wollschläger von der Kirchengemeinde St. Johannis.Foto: Privat
Viel Post mit kleinen Geschenken für Seniorinnen und Senioren bekam Inge Wollschläger von der Kirchengemeinde St. Johannis.Foto: Privat

Aktion während Corona für Altenheime

Würzburg. Es begann mit einer Mail: Eine Seniorin schrieb an die Seniorenreferentin Inge Wollschläger der Kirchengemeinde St. Johannis über eine gemeinsame Bekannte. Vor kurzem zog diese erst in ein Pflegeheim ein. Der Telefonanschluss würde noch ausstehen, Besuche dürfen nicht mehr empfangen werden. Die Seniorin würde sehr unter den Quarantänemaßnahmen wegen des Coronaviruses leiden.

Es ist bekannt, dass derzeit keine Besucher mehr in die Alten- und Pflegeheime zum Schutz der Bewohnerinnen und Bewohner gelassen werden. Anhand dieser Mail erkannte Wollschläger, dass es ein Unterschied ist, ob man es weiß, oder ob bei jedem Einzelnen eine Geschichte dahinter steckt. Doch wie könne mal dieses Dilemma beheben, Kontakt in diese Heime haben, ohne sie betreten zu können?
Wollschläger, seit Jahren in den Sozialen Medien beheimatet, schrieb an eine neu gegründete Facebook Gruppe „Corona-Hilfe Würzburg und Umgebung“ und startete einen Aufruf: Um die Langeweile in den Heimen zu durchbrechen, bat sie die Mitglieder, ihr Post für Senioren zu schreiben. Diese wolle sie dann in den Heimen verteilen.

Die Resonanz war überwältigend. „Jeden Tag trudeln Briefe, Postkarten, kleine Bücher, Reiseberichte und Süßigkeiten im Pfarramt ein. Einige Familien bastelten Girlanden zum Schmuck im Heim“, freut sich Wollschläger.

Jeden Tag erkundigen sich Menschen, ob sie auch mithelfen könnten. „Es ist auch ein Gewinn für uns“, kommentiere eine Frau auf Facebook. „Wir alle haben derzeit in der häuslichen Quarantäne sehr viel Zeit, die wir überbrücken und gestalten müssen. Die Kinder malen und sind beschäftigt. Sie finden die Idee spannend, Menschen, die man nicht kennt, Briefe zu schreiben und Bilder zu malen. Es hilft auch mit dieser momentanen sozialen Distanz umzugehen, wenn wir wissen, wir können einander doch helfen.“

Mittlerweile türmen sich die vielen Briefe und Karten auf dem Tisch im Büro der Seniorenreferentin. Sie selbst wird sie nicht persönlich verteilen dürfen. Auch für sie gilt ein Besuchsverbot. Jedoch kennt sie viele Mitarbeitende aus den fünf Seniorenheimen, die im Gemeindegebiet liegen. Sie ist überzeugt, dass die Pflege und Betreuungspersonen die Post an die Richtigen weiterleiten werden. „Der liebe Gott wird schon wissen, wem er die Rezeptsammlung schickt und welcher Senior Spaß an einem Reisebericht aus Indien hat!“, glaubt sie.

Diese Krise, in der alle auseinanderrücken, zeigt dennoch die starke Solidarität der Menschen untereinander.