Blindes Vertrauen in guten Händen

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Angebote der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge
Die Angebote der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge stehen allen Menschen zur Verfügung. Foto: BSS

 

 

Viel Zeit zum Gespräch: Die Blinden- und Sehbehindertenseelsorge in der Landeskirche 

 

 

In der Serie „Mitten im Leben – Seelsorge und Beratung“ stellen wir je einen Bereich der Seelsorge der Evangelischen Kirche in Bayern vor.

=> Zum letzten Teil

„Ich will nicht immer erklären, wie das mit meinen Augen ist“, meint Herr M. im Gespräch mit der Referentin Katrin Biendl. „Hier kann ich so ankommen wie ich bin. Ohne meine ganze Geschichte erzählen zu müssen.“ Er schätzt das Angebot der Blinden- und Sehbehindertenseelsorge (BSS). Es tut seiner Seele gut, dass seine Bedürfnisse aufgrund der Seheinschränkung dort berücksichtigt werden.

Die Angebote der BSS stehen allen zur Verfügung, die Probleme mit dem Sehen haben. Es kommen ganz unterschiedliche Menschen, manchmal auch die Angehörigen. Die einen sind schon seit ihrer Geburt sehbehindert oder blind und kommen gut im Alltagsleben zurecht, leben mit Sehenden Tür an Tür. Die anderen haben erst im höheren Alter mit der Sehbehinderung zu kämpfen und sind mit der Situation überfordert.

Häufig haben sie den Kontakt zur eigenen Kirchengemeinde verloren, weil sie nicht mehr regelmäßig teilnehmen können. Selbst vertraute Wege werden mit einem grünem Star (Glaukom) oder einer Makuladegeneration zu Herausforderungen. Bordsteinkanten, Treppen, öffentliche Verkehrsmittel, Dunkelheit, können zu einer Hürde werden, die die Mobilität einschränkt.

Ältere tun sich schwerer

Der Großteil der Augenerkrankungen tritt erst im Seniorenalter auf. Das merkt auch die BSS. Die meisten Veranstaltungsgäste und Seelsorgesuchenden sind schon im vorgerückten Alter. Ältere Menschen tun sich schwer, die nötigen Kenntnisse der Brailleschrift zu erlernen. Auch technische Fähigkeiten wie das Bedienen eines Smartphones mithilfe der Sprachsteuerung bringen sie an ihre Grenzen.

Die Teilnehmerinnen sind sehr froh darüber, dass Religionspädagogin Katrin Biendl von der Nürnberger Zentrale der BSS die Veranstaltungen weitgehend barrierefrei organisiert. Ebenso steht ein Kreis ehrenamtlicher Mitarbeiter bereit, die die Besucherinnen und Besucher an den Haltestellen abholen und ihnen auch bei der Veranstaltung assistieren.

Die Gäste wünschen sich viel Zeit zum Gespräch untereinander oder mit den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen. Stimmt hier „die Chemie“ und das Vertrauensverhältnis, können sich daraus weitere Anknüpfungspunkte entwickeln, zum Beispiel ein Anruf in der Dienststelle, um sich das ein oder andere von
der Seele zu reden oder um Rat zu fragen.

Intensive Gespräche

Das Team der BSS kennt viele der Teilnehmer aus ganz Bayern und begleitet sie schon über Jahre. Die Geburtstagskarten, die je nach Wunsch in Großdruck oder Brailleschrift verschickt werden, sind häufig ein Anlass für die Anrufe seitens der Betroffenen. „Gerade bei Geburtstags-anrufen passiert es oft, dass sich ein anfänglich oberflächlicher Austausch zu einem intensiven seelsorgerlichen Gespräch entwickelt. Manchmal auch mit den Angehörigen“, beobachtet der landeskirchliche Beauftragte Kirchenrat Gerald Kick.

Dann heißt es seitens der Betroffenen nicht selten: „Man will ja nicht immer die andern volljammern. Aber das Gespräch hat jetzt doch gut getan. Es ist so schön, dass Ihr immer an mich denkt. Grüßen Sie Pfarrer Kick ganz herzlich“ – ein
Satz den Religionspädagogin Katrin -Biendl als Referentin der BSS regelmäßig zu hören bekommt.

Die Gespräche drehen sich häufig um die Themen: Einsamkeit,
Probleme in der Familie, Partnerschaft und der Arbeit, manchmal verschärft durch die Behinderung. Auch Glaubensfragen wie „Warum habe gerade ich das Augenleiden?“ oder „Warum tut Gott mir das an?“ hören Katrin Biendl und Gerald Kick oft. „Es geht darum, da zu sein und ein offenes Ohr zu bieten. Dabei ist es wichtig, die Erfahrungen und Selbstheilungskräfte der Betroffenen zu würdigen“.

Pfarrer Peter Kocher, Blinden- und Sehbehindertenseelsorger im Dekanat München, entwickelte daher die Idee, wöchentliche Andachten am Telefon anzubieten. Damit wird Menschen ohne Internetkenntnissen die Teilnahme an stärkenden biblischen Impulsen ermöglicht, gesprochen von vertrauten Stimmen. Seit fast zwei Jahren wechseln sich er und Pfarrer Kick ab, um den jeweiligen Predigttext auszulegen. Die Telefonandacht hat inzwischen über den Kreis blinder und sehbehinderter Menschen hinaus bei älteren Menschen einen großen Anklang gefunden. evso

Kontakt: 

Blinden- und Sehbehindertenseelsorge in der ELKB, Georgstraße 10, 90439 Nürnberg, Telefon: (09 11) 81 00 54 55, E-Mail: info@bss-bayern.de, Ansprechpartner: Kirchenrat Gerald Kick.

Blinden- und Sehbehindertenseelsorge im Dekanat München, Pfarrer Peter Kocher, Landwehrstraße 15, Rückgebäude 1. Stock, Telefon: (089) 538 86 86-12, E-Mail: blindenseelsorge.muenchen@elkb.de

Aktueller Hinweis: Der Juni wurde zum ökumenischen Sehbehindertenmonat ausgerufen. Näheres und Veranstaltungen finden Sie unter: www.sehbehindertensonntag.de

Weiterführende Informationen: 

https://handlungsfelder.bayern-evangelisch.de/handlungsfeld4.php