Spontane Zeit für hilfreiche Gespräche

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Beratung der Evangelischen Cityseelsorge
Immer ein offenes Ohr – auch bei spontanem Gesprächsbedarf: Die Seelsorgestellen an der Nürnberger St. Jakobskirche und der „Münchner Insel“ sind verlässlich da. Foto: Cityseelsorge
 

Seelsorgestellen an der Nürnberger St. Jakobskirche und der „Münchner Insel“ sind für alle da

In der Serie „Mitten im Leben – Seelsorge und Beratung“ stellen wir je einen Bereich der Seelsorge der Evangelischen Kirche in Bayern vor.

Sie haben im Vorbeigehen den Aufsteller vor der Kirche gesehen: Offene Tür – Gespräch – Beratung – Seelsorge … Sie zögern kurz. Dann gehen sie rein. „Haben Sie einen Moment Zeit? Wir sind gerade auf dem Weg vom Krankenhaus nach Hause. Die Oma ist gestorben. Und jetzt überlegen wir die ganze Zeit, wie wir das unserer kleinen Tochter erzählen …“. 

Er kommt regelmäßig. Eigentlich will er nur in die Kirche. Will sich hinten hinstellen und ein Vaterunser beten. Und ein Avemaria. Aber laut. Und nicht alleine. „Beten Sie mit mir!“ Neulich hat ihn einer der Mitarbeitenden gefragt: „Sie haben schon eine Menge erlebt, oder?“ Da hat er sich zum ersten Mal hingesetzt und hat angefangen zu erzählen … . Das Vaterunser am Ende ist leiser geworden. Er weiß jetzt, dass er gehört wird. 

Sie kommt, obwohl ihr ja doch keiner mehr helfen kann. Die Ärzte, die Therapeuten, nicht mal die Geistheilerin. Irgendwas muss doch sein mit ihr, weil der Schmerz nicht weggeht und die dunklen Schatten vor ihren Augen. Aber alle anderen sagen: da ist nichts … . 

Er hat seine Frau verloren. „Ich bin schon lange in keine Kirche mehr gegangen“, sagt er zögerlich und schaut sich um. Aber wenn Sie jetzt da sind und Zeit haben … . 

So viel, so bunt, so lebendig und so unterschiedlich … Manche unserer Klienten und Klientinnen kennen wir gut, wir begleiten sie über Jahre, leiden mit ihnen, freuen uns mit ihnen über kleine Möglichkeiten und überraschende Veränderungen. 

Berührende Gespräche

„Es berührt mich immer wieder, wenn mir ein Mensch sein Herz ausgeschüttet hat, ich ihm nach dem Gespräch die Tür öffne, verabschiede und hinterher blicke. Ich frage mich dann, wie es wohl mit ihm weitergehen wird“, berichtet Sonja, eine Mitarbeiterin der Münchner Insel. Manche kommen ein einziges Mal und manchmal fragen wir uns, wie es mit ihnen wohl weitergegangen ist. „Besonders bewegt hat mich eine 21-Jährige, die von ihren Eltern statt Liebe und Unterstützung vor allem Anforderungen und Vorwürfe bekommt.“

Die „Offenen Türen“ – in München heißt sie „Münchner Insel“ , in Nürnberg „Offene Tür  Cityseelsorge an St. Jakob – sind offen für jeden, der reden will. Mitten in der Stadt. Unterm Marienplatz in München, in der Jakobskirche in Nürnberg. Ein paar kleine, geschützte Räume, leicht zu finden. Immer persönlich, ob bei direkter Ansprache oder am Telefon, verlässlich offen für alle, die spontan vorbeikommen wollen – und für die, die vorher anrufen und fragen, ob sie einen Termin haben können. Keiner muss sagen, wer er ist, wo er herkommt, nicht mal, warum er jetzt gerade hier ist. Das ist nämlich oft gar nicht so klar. Manchmal braucht es Raum und Zeit, um gemeinsam herauszufinden, worum es eigentlich geht. 

Herausfordendes Zuhören

Keiner kann so eine Arbeit alleine stemmen. Den ganzen Tag zuhören. Unerwartetes verdauen, Unverstehbares stehenlassen, Unangenehmes annehmen. „Offene Tür“ ist Teamarbeit. Wer mitarbeitet, muss gut ausgebildet sein. Er oder sie muss nicht nur was von Seelsorge verstehen und davon, was Menschen belastet, er muss sich selber gut kennen, die kleinen Fallen, die großen Verführungen: der erfolgreiche Helfer, die kluge Erklärerin, die tröstende Mutter sein zu wollen. Manchmal, meistens reicht es, da zu sein, zuzuhören, die Fragen zuzulassen, in einem selbst und bei dem anderen. Raum geben – darum geht es. 

Manchmal macht genau das den Weg leichter zu anderen, die sich besser auskennen, zu Beratungsstellen, die auf bestimmte Fragen spezialisiert sind, in eine Klinik oder zu einem Arzt. Und manchmal ist es genau umgekehrt. Da hat jemand schon alles, aber wirklich alles ausprobiert. Und hat x-mal gehört: „Da ist nichts.“ „Wir können nichts mehr für Sie tun.“ „Sie können nichts mehr tun.“ 

Und dann tut er doch was. Und kommt in die „Offene Tür.“ Und redet. Und findet ein Gegenüber, das sich interessiert. Ihn anschaut. Das er bewegen kann mit seiner Geschichte. Machen, dass einer zuhört – und sich dadurch selbst auf einmal wieder zugehörig erleben, darum geht es, immer wieder, von Montag bis Freitag, stundenlang. Dafür sind sie da – und verlässlich offen, die „Offenen Türen“! 

evso

Kontakt: 

Offene Tür Cityseelsorge an St. Jakob, Jakobsplatz 1, 90402 Nürnberg, 

Telefon: 0911/209702, E-Mail: cityseelsorge_nuernberg@t-online.de

Ansprechpartnerin: Pfarrerin Barbara Hauck, Sprechzeiten: Montag bis Donnerstag von 15 und 18 Uhr, mittwochs bis 19 Uhr in der Jakobskirche

Münchner Insel: Marienplatz Untergeschoss, 80331 München, evangelischer Leiter: Norbert Ellinger 

Tel. 089/22 00 41 oder 089/210 21 848, Fax 089 /22 31 30, E-Mail: info@muenchner-insel.de, Öffnungszeiten: werktags 9 bis 18 Uhr, donnerstags ab 11 Uhr.

Weiterführende Informationen: 

https://jakobskirche-nuernberg.de

https://muenchner-insel.de