Ostern – religionsübergreifend und weltumspannend

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Susanne Borée Editorial in der Frühlingshoffnung

Österliches Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Susanne Borée

Ostern wird wieder schwierig! Jedenfalls höchstwahrscheinlich das orthodoxe Osterfest. Wie Weihnachten steht zu befürchten, dass auch diesmal ein Kampf über die Deutungshoheit des Festes ansteht. Noch immer tobt der Krieg zwischen Russland und der Ukraine. Und damit die Frage, ob der russisch-orthodoxen Kirche weiterhin die Oberhoheit über Glaubensfragen dort zukommt?

Gut, dass es nicht ‚unser‘ Osterfest berührt – die orthodoxe Feier findet erst am 16. April statt. Nur alle paar Jahre treffen sich die Osterfeste der westlichen und östlichen Kirchen. Denn als Grundlage für die Berechnung des orthodoxen Termins dient der alte julianische Kirchenkalender aus der Zeit der alten Römer zu Zeiten Julius Caesars. In der westlichen Welt gilt dagegen der gregorianische Kalender aus dem 16. Jahrhundert.

Auch Weihnachten verlief für uns in Westeuropa friedlich, erst am 6. Januar als orthodoxem Weihnachtstermin wurde es stürmischer. Sollen uns solch irrlichternde Datierungsfragen irritieren? Sie weiten den Blick auf andere Perspektiven. Sie gibt es längst auch in den kleinsten Orten. 

Denn wohl nirgendwo herrschen statische und beschauliche Verhältnisse. Schon seit Jahr-
hunderten ist Franken Einwanderungsland. Protestantische Wanderbewegungen be-
gannen fast sofort nach der Reformation, wie das Projekt „Evangelische Migrationsgeschichte(n)“ zeigt.

Natürlich sind die Wanderbewegungen nun vielfarbiger – doch manche Vorbehalte kommen immer wieder, wie gerade auch die Ausstellung im Bad Windsheimer Kirchenmuseum zeigt. Aber auch, wie Menschen sich immer wieder in ihrer neuen Heimat ein neues Leben aufbauten – fast ein österliches Thema des Aufstehens wie das Leben Luise Metzlers. 

Da lohnt auch ein Blick auf die anderen Religionen um uns herum: Gleichzeitig mit unserem westlichen Ostertermin rund um den 9. April findet auch das jüdische Pessachfest statt. Dafür das islamische Fastenbrechen nach dem Ramadan ab dem 21. April. 

Inmitten aller dieser Zusammenhänge zeigt sich, was Ostern aktuell bedeutet und wie es einen neuen Blick auf das Leben bieten kann. Auch das zeigen Impulse auf unseren Seiten. Der Auferstandene setzt uns in Bewegung – Auch wenn es schwierig wird! Er hat die Oberhoheit über unser Leben! Frohe Ostern, im Namen der Redaktion.