Rechthaberei ist gefragt!

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Susanne Borée Editorial in der Frühlingshoffnung

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Susanne Borée zum Sonntag „Judika“

Rechthaberei ist gefragt! Jedenfalls an diesem Sonntag Judika: Der fünfte Sonntag der Passionszeit – damit zwei Wochen vor Ostern – heißt nach seinem ursprünglichen Eingangsspruch „Judica“. Schließlich beginnt der Psalm 43 auf lateinisch: „Judica me, Deus, et discerne causam meam de gente non sancta!“ – „Verschaffe mir Recht, Gott, und führe meinen Rechtsstreit gegen ein unheiliges Volk!“

Ja, so oft fühlen wir uns ungerecht behandelt oder gar benachteiligt! Gerade, wenn die Mittel knapper werden und neue Wege beschritten werden sollen. Das steht jetzt an bei der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern: Wir sind schon mittendrin in dem Prozess „Profil und Konzentration“. Noch fließen die Kirchensteuern, aber immer mehr Menschen treten bekanntlich aus. Das erfordert schon langfristig ein Umdenken – um nicht von einer fortgeschrittenen Entwicklung überrascht zu werden.

Manches bleibt dabei auf der Strecke, was mit so viel Herzblut angegangen wurde. Manches scheint nicht anerkannt zu sein, was doch im Alltag vieler Gemeinden so viel Mühe erfordert hat. Es werden drei Kandidierende für das Bischofsamt der Bayerischen Landeskirche nicht gewählt sein.

Der Umgang mit Enttäuschungen scheint einer der wichtigsten Motoren zur inneren Reifung. Kränkungen können uns helfen, um neue Wege zu finden: „Verschaffe mir Recht, Gott“, gegen alle Verletzungen, gegen mangelnde Wahrnehmung und ungerechte Messlatten, denen ich ausgesetzt bin. Dass ich nicht die Anerkennung gefunden habe, die ich mir so sehnlichst wünsche. Im Streit mit kleinlichen Nachbarn, die gerne mal aus Nichtigkeiten ein großes Theater machen. Habe ich sie unbewusst vielleicht viel mehr gekränkt? 

„Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir?“, so endet dieser kurze Psalm 43. Innere Ruhe gewinnen – warum fällt mir das so schwer? Hm, Buddhismus wäre schon so nichts für mich. Meine Gedanken als ewig flatternde Vögelchen im Käfig der „Kompromisse mit der Wirklichkeit“? 

Ganz am Ende die Zusage im Psalm 43: „Denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist.“ Hoffentlich nicht erst ganz am Ende meines Weges. Nicht Rechthaberei ist gefragt, sondern gerade in der Passion Umkehr, Umdenken: Buße nicht als Leiden, sondern als „Besserung“.