Zeit des Aufmerkens

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Adventliches Editorial von Susanne Borée im Rothenburger Evangelischem Sonntagsblatt aus Bayern

„Ich würde gerne Geschenktütchen für unsere Adventsfeier vorbereiten. Würdest Du etwas Kleines dazu beisteuern?“ Diese Nachricht versetzte mich alles andere als in Weihnachtsstimmung. Muss das sein? Da fühle ich mich unter Druck gesetzt, ja sogar fast fremdbestimmt 

Dabei ging es mir doch recht gut in den vergangenen zwei Jahren mit dem „schlankeren“ Festprogramm. Nun gut, Weihnachtsmarkt und Glühwein in froher Runde unter dem Lichterhimmel hat schon etwas – wenn es auch nicht wirklich fromme Gefühle weckt. Zumindest dachte ich das, bevor ich mich selbst in das Gedränge dort begab. Schnell ergriff ich wieder die Flucht – zu viel Gewühle!

Dieses Jahr kämpfe ich wieder mit all der Hektik und den Erwartungen, die zum Fest an mich herangetragen werden. Wie soll ich da mein Herz auf die Ankunft des Herrn der Welt ausrichten?

Natürlich ist es einfacher, wenn jeder und jede sich selbst beschenkt. Schließlich weiß doch jeder Mensch selbst am besten, was er oder sie sich wünscht. Und in einer Zeit des Überflusses geht man so allen Schwierigkeiten aus dem Wege, sich überlegen zu müssen, worüber der zu Beschenkende sich noch freut. Nur gegenseitige Aufmerksamkeit verliert da an Raum.

Advent ist aber die Zeit der Achtsamkeit, des Aufmerkens. Da konnte der Cursillo, also ein kleiner Glaubenskurs im Rothenburger Wildbad Akzente bieten. Er setzt mehr auf persönliche Erfahrungen als auf dogmatische Erkenntnisse. Beispielhaft zeigt er das segensreiche Wirken einer adventlichen Auszeit – wie sie so viele in christlichen Tagungshäusern stattfinden. Einander fremde Menschen, die in ganz verschiedenen Regionen verwurzelt sind und vollkommen unterschiedliche Erfahrungen mitbringen – finden da zueinander. Und sie begeben sich in fruchtbringende Formen des gemeinsamen Austausches.

Da geht es mehr um Inhalte als um eine Verpackung. Wie diese aber verantwortungsbewusst und nachhaltig gestaltet werden können, auch dazu lohnt es sich einige Gedanken zu machen.

Grundsätzlich halte ich schon Geschenktüten für die sinnvollste und nachhaltigste Form der Verpackung – sie sind gut wieder verwendbar. Mal sehen – vielleicht kann ich mich sogar mit dieser gemeinsamen Adventstüte meines Kreises engagierter Menschen anfreunden! Susanne Borée

Redakteurin + Chefin vom Dienst