Seine Wünsche und Sorgen sortieren

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Bei der Diakonie Bayern für Schwangerschafts-, Ehe-, Familien-, Lebens-, Erziehungsberatung, hat sich ein Paar zur Beratung angemeldet. Foto: Privat
Bei der Diakonie Bayern für Schwangerschafts-, Ehe-, Familien-, Lebens-, Erziehungsberatung, hat sich ein Paar zur Beratung angemeldet. Foto: Privat

 

 

Die Ehe-, Familien- und Lebensberatung der Diakonie in Bayern bietet vielfältige Hilfe

 

In der Serie „Mitten im Leben – Seelsorge und Beratung“ stellen wir je einen Bereich der Seelsorge der Evangelischen Kirche in Bayern vor.

=> Zum letzten Teil

Dienstagabend, 18 Uhr. Bei Elisabeth Simon, Referentin in der Diakonie Bayern für Schwangerschafts-, Ehe-, Familien-, Lebens-, Erziehungsberatung, hat sich ein Paar zur Beratung angemeldet. „Geht das auch nach der Arbeit? Mein Mann würde gerne mitkommen.“ – Selbstverständlich ist das möglich. Der Anfang ist ähnlich wie in vielen anderen Beratungsgesprächen: „Wir wollten uns einfach mal informieren, was man so beachten muss, das letzte Mal ist ja schon zehn Jahre her, da hat sich sicherlich viel geändert.“

Und dann redet das Paar über Elterngeld und Kindergeld und so langsam wird klar, bei aller Freude auf das Kind mischen sich auch ganz schön viele Sorgen. Eigentlich war geplant, dass die Frau nun wieder mehr Stunden arbeitet, nachdem die ersten beiden in die Schule gehen. So war die Finanzierung für das Eigenheim berechnet. Wie soll das jetzt gehen mit dem ungeplanten Nachzügler? Der Partner überlegt einen Nebenjob, die Beraterin bringt staatliche Hilfen ins Spiel. Kinderzuschlag, Lastenausgleich, Leistungen für Bildung und Teilhabe, Familiengeld – gemeinsam kämpfen sich die drei durch den Bürokratiedschungel. „Aber eigentlich“, sagt die Frau, „eigentlich habe ich total gern gearbeitet. Ich hab mich echt drauf gefreut, mal wieder etwas anderes als Haushalt und Kinder zu haben. Und jetzt geht das wieder von vorne los.“

Es wird klar, da hängt noch viel mehr dran. Die Sorge, es in ihrem Alter nervlich nicht mehr zu packen. Beruflich völlig den Anschluss zu verlieren. Die Angst des Partners, seine Familie nicht versorgen zu können, ihnen nichts bieten zu können. Wie gut, die ganzen Nöte einfach einmal auszusprechen. Und wie gut zu hören, dass die Schwangerschaftsberatungsstellen bis zum dritten Lebensjahr zuständig sind. Und nicht selten fällt dann am Ende der Satz „wenn ich das mal schon in der ersten Schwangerschaft gewusst hätte, dass es sie gibt“.

Jeder ist willkommen

Elisabeth Simon, Referentin in der Diakonie Bayern für Schwangerschafts-, Ehe-, Familien-, Lebens-, Erziehungsberatung, verweist darauf, dass die Angebote kostenfrei und vertraulich sind und der Schweigepflicht unterliegen. „Zu uns kann jeder kommen unabhängig von Nationalität, Weltanschauung, geschlechtlicher Identität und sexueller Orientierung“, stellt sie klar.

Ortswechsel: In der Erziehungs-, Jugend- und Familienberatungsstelle der Diakonie für den Landkreis Fürth sitzen sich zwei Menschen gegenüber, die einander so nah waren und inzwischen kein gutes Wort mehr für den anderen übrighaben. Dazwischen: Kinder, für die eine Welt zusammenbricht. Die Trennung von Eltern ist einer der häufigsten Anmeldungsgründe bei der Beratungsstelle. „Der Prozess, wenn sich Eltern trennen, ist eine emotionale Ausnahmesituation, die häufig von vielen Streitigkeiten und starken Gefühlen wie Ängsten, Wut und Trauer begleitet wird“, sagt die Beratungsstellenleiterin.

So erlebt es auch Anna (Name geändert). Die Fünfjährige kann nicht verstehen, dass Papa sie abends nicht mehr mit ins Bett bringt, sondern in sein neues Zuhause geht. Anna ist traurig, dass es keine gemeinsamen Tiergartenbesuche mehr gibt. Sie ist verzweifelt, weil Mama und Papa nicht mehr zusammen mit ihr lachen. Besonders schlimm ist es für sie, wenn ihre Eltern vor ihr in Streit geraten. 

Manchmal denkt Anna, sie sei schuld daran, dass sich ihre Eltern getrennt haben. Immer wieder gerät sie in Loyalitätskonflikte: Ist Anna bei ihrer Mama, hat sie Sehnsucht nach ihrem Papa. Ist sie beim Papa, vermisst sie ihre Mama. Und dann ist da noch eine andere Sache: Immer öfter redet ihre Mama schlecht über ihren Papa. Anna weiß nicht mehr, was sie glauben soll.

Das Wesentliche im Blick

Eine fast aussichtslose Situation. Denn auch ihre Eltern laufen Gefahr, wegen ihrer eigenen Probleme Anna aus dem Blick zu verlieren. Finanzielle Probleme und Konflikte mit dem anderen Elternteil kosten Zeit und Kraft. Hier hilft die Beratungsstelle der Diakonie Fürth mit Gesprächen und mit Kursangeboten, damit diese Lebensphase für die Familie und die Kinder bewältigt werden kann.

Auch Paare jenseits der 60 suchen zunehmend Beratung. Wenn zwei Menschen lange in einer Ehe zusammengehalten haben, wenn sie sich gemeinsam an der Ernte ihres Lebens freuen könnten – dann kann es trotzdem schwierig werden zwischen ihnen.

Im Beratungsgespräch können die Ratsuchenden ihren eigenen Wünschen und Erwartungen nachspüren, diejenigen ihres Partners aufnehmen und festgefahrene Reaktionsmuster erkennen. Sie werden ermutigt, neue Formen der Kommunikation auszuprobieren, einander Freiraum zu geben und zugleich in Austausch miteinander zu gehen.

Kontakt und Infos:

https://www.beratung-in-bayern.de

Elisabeth Simon, Schwangerschafts-, Ehe-, Familien-, Lebens- und Erziehungsberatung, Telefonseelsorge,

Email: simon@diakonie-bayern.de

Web: www.diakonie-bayern.de evso

Weiterführende Informationen: 

https://handlungsfelder.bayern-evangelisch.de/handlungsfeld4.php