Ehre sei Gott in der Höhe – und bitte Frieden

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt von Landesbischof Christian Kopp

Um Zions willen will ich nicht schweigen, und um Jerusalems willen will ich nicht innehalten, bis seine Gerechtigkeit aufgehe wie ein Glanz und sein Heil brenne wie eine Fackel, dass die Völker sehen deine Gerechtigkeit und alle Könige deine Herrlichkeit. Und du sollst mit einem neuen Namen genannt werden, welchen des HERRN Mund nennen wird. Und du wirst sein eine schöne Krone in der Hand des HERRN und ein königlicher Reif in der Hand deines Gottes. Man soll dich nicht mehr nennen „Verlassene“ und dein Land nicht mehr „Einsame“, sondern du sollst heißen „Meine Lust“ und dein Land „Liebe Frau“; denn der HERR hat Lust an dir, und dein Land hat einen lieben Mann.  Denn wie ein junger Mann eine Jungfrau freit, so wird dich dein Erbauer freien, und wie sich ein Bräutigam freut über die Braut, so wird sich dein Gott über dich freuen.

Jesaja 62, 1–5

Auch 2023 wird es Weihnachten werden. Am Berg Zion, mitten in Jerusalem, in Gaza, an unendlich vielen Orten und auch in München, an dem Ort, dem ich gerade lebe. Es wird Weihnachten werden und es muss Weihnachten werden. Christinnen und Christen brauchen den Weihnachtsfrieden. Jedes Jahr spüre ich wie sehr ich Weihnachten brauche. Ich freue mich auf die Tage mit dieser anderen Stimmung. Die Räume sehen anders aus. Schöner, festlicher, wärmer. Es duftet nach Tanne und nach Kerzen. Es gibt Gebäck, das es nur an Weihnachten gibt. Ich singe Lieder, die ich nur an diesen wenigen Tagen singe. Ich liebe diese besondere Zeit, die meine normalen Abläufe unterbricht.

Die Welt ist aus den Fugen geraten. Der innere Kompass ist verstellt. Der terroristische Überfall der Hamas nur 400 km von Jerusalem entfernt hat das Sicherheitsgefühl von Jüdinnen und Juden überall auf der Welt zutiefst erschüttert. Um Zions willen kann nicht geschwiegen werden. 

Der Prophet Jesaja ruft nach Gerechtigkeit, die aufgeht wie der Glanz der Sonne. Das Heil soll hell leuchten. Menschen leben angstfrei. Kinder kommen zur Welt. Überall ist Lachen zu hören. Christinnen und Christen lesen die prophetischen Worte als Hinweis auf den Juden Jesus, der die Welt mit seiner Botschaft vom Frieden und von der Liebe Gottes geprägt und verändert hat. An Weihnachten feiern wir die Geburt dieses Gotteskindes.  Mit poetischen Worten feiert Jesaja das Neue in der Welt:

Er zeigt eine schöne Krone, einen königlichen Kranz. Das Land Gottes heißt „meine Lust“ und „liebe Frau“. Alles ist einfach schön.

Nichts ist schön in Israel und in Palästina in diesen Tagen. Ich bete seit Wochen aus ganzem Herzen um Frieden im Heiligen Land, im Land Jesu. Ich bitte um Vernunft und den klugen Ausgleich der Interessen. Es braucht wie immer im Leben Kompromisse. In meinen Gebeten hat die Suche nach klugen Lösungen für ein gemeinsames Leben mit- und nebeneinander im Nahen Osten eine zentrale Rolle. Die Botschaft von Weihnachten wird in diesem Jahr tausendfach über die Erde gehen: Ehre sei Gott in der Höhe und – bitte, bitte – Friede auf Erden.

Christian Kopp, Landesbischof

Gebet: Wir suchen dich nicht, wir finden dich nicht. Du suchst und findest uns, ewiges Licht. Wir können dich, Kind in der Krippe, nicht fassen, wir können die Botschaft nur wahr sein lassen. Amen. (Albrecht Goes)

Lied 24: Vom Himmel hoch