„Ernte“ an gepflegten Beziehungen

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Editorial von Inge Wollschläger im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über ein Urlaubsgeschenk

Es war reiner Zufall, dass wir bei „Nada“ gelandet waren. Im Urlaub in den Bergen gab es viel Landschaft und wenig Menschen. Zwei Kilometer weiter vom Ferienhaus – so hieß es auf der Karte von Google – würde es einen Bauernhof geben, wo man auch Essen gehen könne. Zwei Kilometer erschienen meiner Freundin und mir geradezu um die Ecke. Jedes Einkaufen im Supermarkt war eine kleine Weltreise über viele, viele Serpentinen hinweg durch die Berge Norditaliens. 

So machten wir uns auf, die Lage zu sichten. Die Tür war an diesem Abend schon zu, aber es brannte noch Licht. „Nein“, so sagte uns die ältere Frau hinter der Tür. „Heute ist schon geschlossen. Morgen um 13 Uhr könnt ihr kommen.“ Am nächsten Tag machten wir uns pünktlich mit Vorfreude auf ein hoffentlich leckeres Mittagessen auf. 

Die Frau vom Abend begrüßte uns, wir sprachen alle Sprachen durcheinander und verstanden uns dennoch bestens. Sie legte ein Papiertischdecke auf das rote Tischtuch, der Hund bekam ein Schüsselchen Wasser und wir Getränke unserer Wahl. Es schepperte und rumpelte in der Küche und nach einiger Zeit kamen die Vorspeisen. Rustikal serviert – lecker zum Verlieben. Das Essen war eine Wucht. Immer mal wieder kamen Autos in diese einsame Gegend und hielten an. Menschen begrüßten unsere Köchin aufs Herzlichste. Wir hörten Gekichere und Geplaudere und irgendwann fuhren sie wieder ab. 

Einer dieser Gäste freute sich, endlich mal wieder seine brachliegenden Deutschkenntnisse aufzufrischen. Und so erfuhren wir vom einsamen Berghof. Dass Nadas Mann verstorben wäre und sie nun alles alleine mit ihren fast 80 Jahren bewirtschaften würde. „Und all die Menschen, die sie besuchen?“ „Alles Freunde. So wie ich!“ Heute sei er gekommen, weil die Spülmaschine kaputt wäre. „Viel zu spülen!“, grinst er und deutet auf unsere leeren Teller. 

Was für ein Leben muss man gelebt haben, dass – egal wie mühevoll die Anreise auch sein mag – Freunde kommen und einen nicht alleine lassen? 

Erntedank wurde vor kurzem gefeiert. Beziehungen können auch zu einer Art „Ernte“ dazugehören. Was einmal auf fruchtbarem Boden der Liebe gesät wurde, zahlt sich aus. Nada in den Bergen erinnerte uns daran, wie wichtig es ist, welchen Samen wir verteilen.