Ein Haus, das guten Geist ausstrahlt

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Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Oberbürgermeister Marcus König legen die beiden Zeitkapseln in den Grundstein des Evangelischen Campus Nürnberg. Im Bild von links: Projektleiter Stefan Ark Nitsche, Finanzreferent der Landeskirche Patrick de La Lanne, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Wissenschaftsminister Markus Blume, Oberbürgermeister Marcus König, Präsidentin der Landessynode Annekathrin Preidel sowie Gudrun Schreiner-Petry, Leiterin des Amts für Gemeindedienstes und Thomas Popp, Präsident der Evangelischen Hochschule Nürnberg. Foto: Bek-Baier
Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Oberbürgermeister Marcus König legen die beiden Zeitkapseln in den Grundstein des Evangelischen Campus Nürnberg. Im Bild von links: Projektleiter Stefan Ark Nitsche, Finanzreferent der Landeskirche Patrick de La Lanne, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Wissenschaftsminister Markus Blume, Oberbürgermeister Marcus König, Präsidentin der Landessynode Annekathrin Preidel sowie Gudrun Schreiner-Petry, Leiterin des Amts für Gemeindedienstes und Thomas Popp, Präsident der Evangelischen Hochschule Nürnberg. Foto: Bei-Baier

Festakt zur Grundsteinlegung für den Evangelischen Campus Nürnberg

Der Evangelische Campus am Rathenauplatz in Nürnberg (ECN) soll eine neue Heimat für Bildung und Wissen werden, so die Planung der Landeskirche. Die Evangelische Hochschule Nürnberg und die Fachakademien der Rummelsberger Diakonie, dazu weitere zwölf Einrichtungen werden hier einziehen. Nun wurde in einem Festakt der Grundstein gelegt.

Das Gelände am Rathenauplatz ist groß. Wie groß, wird einigen Gästen, die zur Grundsteinlegung eingeladen sind, im Vorfeld ungefragt klar. Der Eingang zur ehemaligen Oberpostdirektion, zum Ort, wo die Grundsteinlegung stattfindet, ist schwer zu finden. Als einige Gäste kurz vor dem Termin noch am schier unendlich langen Bauzaun umherirren, kommt Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König ihnen entgegen, ebenfalls auf der Suche. Gemeinsam umrundet man eineinhalb mal den festungsartigen Komplex. 

Der Oberbürgermeister wird immer wieder von Bürgern auf der Straße angesprochen, zu Problemen, die diese Großbaustelle mit sich bringt. „Wie lange dauert es mit der Baustelle noch?“, fragen Anwohner als der OB mit Gefolge auf der Suche vorbeikommt. „Wir finden ja nicht mal die Baustelle“, so die Antwort. 2026 wäre die genaue Antwort gewesen. Einer, der sie genau weiß, Stefan Ark Nitsche, der Leiter der zuständigen Lenkungsgruppe zum Evangelischen Campus Nürnberg (ECN) und früherer Regionalbischof, ist der willkommene Retter. Er holt die Gruppe ab. Der OB ist erleichtert und macht einen Scherz, der etwas nachdenklich stimmt: „Endlich weiß ich, warum immer mehr Menschen Schwierigkeiten haben, zur Kirche zu finden.“

Genau das will die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern (ELKB) mit dem Umbau der früheren Oberpostdirektion ändern und in das Gegenteil verkehren. Aus einem unfreundlichen und nach außen abgeschotteten Beton-Komplex soll ein zur Stadt hin offenes Gebäude entstehen, sowohl in Architektur  als auch im inhaltlichen Angebot. Man lege Wert auf nachhaltiges Bauen, sagte Nitsche. So wird viel umgebaut, ohne abreißen zu müssen. „Trotz aller Herausforderungen sind wir gut unterwegs!“

In das Großprojekt ECN steckt die evangelische Landeskirche etwa 111 Millionen Euro. Gekauft hat sie den ehemaligen Sitz der Oberpostdirektion 2017. Seit 2021 wird der ehemalige Betonriegel zu einem modernen Zentrum umgestaltet.

„Es ist ein großer Tag“, ruft Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seinem Wort, stellvertretend für die Bauherrin, die ELKB aus. „Viele gründliche Überlegungen, Sitzungen, Planungen, Umplanungen, Kontroversen um Geld – aber auch Leidenschaft und Herzblut – stecken hinter dem Projekt“.

Investition in die Zukunft

Die Investition, die die Kirche in diesem Projekt leiste, könne man nicht alleine in Euro berechnen, sagte Bedford-Strohm. In die Ertragsanalyse gehöre auch eine andere Dimension der Investition. Mit dem Campus stelle die Kirche die Frage, „Was brauchen die Menschen.“ Im Frühjahr 2026 sollen die Evangelische Hochschule Nürnberg und zwölf weitere Bildungseinrichtungen dort einziehen. „Eine bessere Investition als in die Bildung gibt es nicht“, sagte der Landesbischof.

„Wir erfinden uns als Kirche neu“, so Bedford-Strohm. „Wir fragen danach, was können wir tun, damit die Menschen die Liebe Gottes spüren können?“ Der ECN werde daher eine neue Heimat für Bildung und Wissen. Hier finden die Evangelische Hochschule Nürnberg und die Fachakademien der Rummelsberger Diakonie mit mehr als 2.000 Studierenden, Schülern und ihren Lehrkräften ein modernes Zuhause, dazu weitere zwölf kirchliche und kirchennahe Einrichtungen mit dem Schwerpunkt Bildung und Beratung, wie auch eine Kita und eine Krippe. Das alles „wird dieses Haus mit einem guten Geist füllen und den Geist der Evangelischen Kirche ausstrahlen. Eine bessere Investition in die Zukunft kann es nicht geben“, so der Bischof. 

„Es ist kein Campus wie jeder andere! Es ist ein evangelischer Campus, der ausschließlich einen Dienst am Menschen leistet“, sagte Wissenschaftsminister Markus Blume. Aus dem einst „hässlichsten Gebäude“ werde eine zur Stadt hin offene und wichtige Bereicherung für Nürnberg und alle seine Bildungseinrichtungen. Mit 31,2 Millionen Euro unterstütze der Freistaat das Vorhaben.

Von einem Campus des Glaubens am sichtbarsten Ort der Stadt, dem Verkehrsknotenpunkt Rathenauplatz, sprach Oberbürgermeister Marcus König. In Zeiten, in denen manche in Deutschland die Demokratie hinterfragen würden, müsse man zusammenhalten, Stadt, Kirche und Campus. Mit dem ECN werde die Kirche in Nürnberg, als Stadt der Wissenschaft, als Stadt Philipp Melanchthons und Friedrich Hegels, sichtbar, so König.

Begonnen habe es mit einer Vision davon, wie sich bis zu 2.000 junge Menschen auf einem evangelischen Campus begegnen und auch Kinder in Krippe und Kita einen Ort zum Leben und Lernen haben, sagte Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel nach der Grundsteinlegung. Es würde ein Gebäude, in dem Kirche glaubhaft mit Menschen in Kontakt kommen, an dem Kirche präsent ist und zukunftsgerichtet und mit hoher Kompetenz ihren Auftrag erfülle. Der ECN gelte als ein Zeichen für den Reformprozess der Landeskirche „Profil und Konzentration“ (PuK). 

Unter den vielen, zum Teil prominenten Gästen der Grundsteinlegung, sind auch Anwohner der Großbaustelle. Jürgen Pfaffenritter ist dankbar für die Einladung. Im Gespräch mit dem Sonntagsblatt äußert der gebürtige Nürnberger Verständnis, dass man in der Bauphase viele Einschränkungen und Belastungen hinnehmen müsse, wie die Sperrung vieler Parkplätze, stärkere Verkehrsbehinderungen und großen Baulärm. „Wir Anwohner erhoffen uns von der Kirche aber auch ein Entgegenkommen“, formuliert er bescheiden. „Wir hätten nach Fertigstellung des Campus  gerne auch Zugang zum Gelände, und würden zum Beispiel gerne die Skylounge (Dachterrasse) und die Tiefgarage nutzen dürfen.“  

Martin Bek-Baier