Was wir vom dankbaren Samariter lernen

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zur Dankbarkeit

Und als Jesus in ein Dorf kam, begegneten ihm zehn aussätzige Männer; die standen von ferne und erhoben ihre Stimme und sprachen: Jesus, lieber Meister, erbarme dich unser! Und da er sie sah, sprach er zu ihnen: Geht hin und zeigt euch den Priestern! Und es geschah, als sie hingingen, da wurden sie rein. Einer aber unter ihnen, als er sah, dass er gesund geworden war, kehrte er um und pries Gott mit lauter Stimme und fiel nieder auf sein Angesicht zu Jesu Füßen und dankte ihm. Und das war ein Samariter. Jesus aber antwortete und sprach: Sind nicht die zehn rein geworden? Wo sind aber die neun? Hat sich sonst keiner gefunden, der wieder umkehrte, um Gott die Ehre zu geben, als nur dieser Fremde? Und er sprach zu ihm: Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.

Lukas 17, 11–19

Zahlen, Daten, Fakten – häufig abgekürzt mit „ZDF“. Wie eine Textaufgabe aus dem Mathematik-Unterricht steht da: Zehn Kranke erhalten von Jesus den Auftrag, sich auf den Weg zu den Priestern zu machen und sich von ihnen bestätigen zu lassen, dass sie geheilt sind. Alle 10 sind nach eingehender Prüfung als geheilt zu bezeichnen, kein Kranker mehr übrig: 10 – 10 = 0. Tolle Heilungsquote von 100 %! Ein einziger Geheilter kommt zurück zu Jesus, um sich zu bedanken. 90 % der Geheilten gehen ihrer Wege, ohne nochmals zurückzukehren. Wie lautet die Rechnung? 10 – 9 = 1! Schlechte Umkehr-Quote! Soweit ZDF – Zahlen, Daten, Fakten. 

Wie wäre es, wenn man die Geschichte in der ARD „ausstrahlt“, wenn man sie mit „A-R-D“ buchstabiert? 

A steht in dieser Geschichte für Aussatz, ausgesetzt, ausgegrenzt sein. A steht aber auch für Aufmerksamkeit, Achtung, Anerkennung. Diese ermöglichen die Veränderung und Heilung. Diese setzen in Bewegung und im Fall des Samariters bewegen sie auch zur Umkehr zurück zum Ausgang der Heilung – die Augenhöhe mit Jesus. 

R steht in der Geschichte für Regeln im Umgang mit den Kranken, die Ratlosigkeit und Ressentiments ihnen gegenüber. Jesus bietet dem gegenüber Resonanz und Richtung. Und einer antwortet darauf mit Rückkehr und Re-Aktion.

D steht in der Geschichte für Demütigung und Drangsal durch die Krankheit. Und gleichzeitig auch für Demut und Dankbarkeit – ausgelöst durch den Dialog mit Jesus. Alle Kranken erleben von Jesus die heilende Wirkung von „ARD“. Nur einer, der Samariter, gibt das auch zurück an Jesus.

Wie wäre es, wenn wir neben „ZDF“ auch „ARD“ pflegen: A wie Aufmerksamkeit, R wie Resonanz und D wie Dialog? Dann ist die Geschichte von den 10 Aussätzigen nicht nur eine Heilungsgeschichte mit einer anschaulichen Mathematik. Der dankbare Samariter könnte so zum Modell für uns werden. Wie sich „ARD“ bei uns zeigen könnte? „Steh auf, geh hin; dein Glaube hat dir geholfen.“

Christine Ursel ist Religionspädagogin und arbeitet als Pädagogische Leitung und Geschäftsführung im Evangelischen Bildungswerk Nürnberg – forum erwachsenenbildung.

Gebet: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er Dir Gutes getan hat: der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen, der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit. 

Psalm 103, 2–4 

Lied 303: Lobe den Herrn, meine