Sehnsucht zwischen einsamen Horizonten und Massenbewegung

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Editorial von Susanne Borée, Redakteurin und Chefin vom Dienst beim Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Susanne Borée zur Suche und Sehnsucht 

Mehr als Morgenrot und Mondschein: Zwar spiegeln gerade in dem Frühwerk Caspar David Friedrichs viele Bilder das unverwechselbare Licht der Tages- und Nachtzeiten wider, doch er war mehr als ein Maler solcher Stimmungen. 

Und dies begeistert auch noch heute die Massen bei der Ausstellung des Malers im Schweinfurter Museum Georg Schäfer: Erweiterte Besuchszeiten und eine Bitte an Gruppen um rechtzeitige Anmeldung, um zu volle Räume zu vermeiden, das vermeldete das Museum bereits zur Halbzeit. Bei diesem Maler der Romantik besteht keine Verwechselungsgefahr: Eindeutig sind seine Werke.

Während noch kurz vor ihm die bearbeitete und geordnete Natur als besonders schön galt, trieb es Friedrich hinaus an wilde Steilküsten und Felsbrocken, die alles zu zermahlen drohen. Nicht Geborgenheit in der Natur fand er oder schien sie überhaupt zu suchen. Nein, die wenigen einsamen Menschen scheinen sich dort der Tiefe, der Weite, der Höhe zu stellen – mit allen Absturzgefahren. Die Sehnsucht treibt sie voran.

Ebenso wie viele Menschen zum Kirchentag in Nürnberg und Fürth. Sie werden wohl alles andere als einsam sein – ebenso wie auch die Menschen in der Ausstellung.

Doch Caspar David Friedrich veränderte vor 200 Jahren Sehgewohnheiten. Bis heute wirken seine Bilder besonders intensiv auf und in uns. Ein Gipfelkreuz, ein zerfallenes Kloster oder ein aufbrechender Himmel – Natur und Religion bilden offenbar bei ihm eine vollendete Einheit. Schließlich war er tief religiös. 

Dennoch empfanden seine Zeitgenossen es als Skandal – niemand zuvor hatte Kreuze wie trockene Äste gemalt oder die Einsamkeit des Mönchs am Meer eingefangen. Die ursprünglichen Segel hat der Künstler übermalt. Nur die Unendlichkeit des tiefen Horizontes trifft den Eremiten. 

Welche neuen Perspektiven erhalten wir bei diesem Kirchentag? Oder ist alles bereits gesagt? Hoffentlich nicht, so dass wir die Oberflächlichkeit mancher Lebensstationen überwinden und Impulse zu mehr Tiefe erfahren können!

Da zeigen die Bilder Friedrichs den Weg zu einer Tiefendimension unter der Oberfläche. Selbst denjenigen, die ihn nicht direkt kennen, hat er den Blick geweitet. Noch gibt es ihn großformatig zu entdecken. Und die Kirchentags-Impulse im hellen Sonnenschein auf uns wirken zu lassen.