Der perfekte Moment

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zur Verklärung Jesu

Und nach sechs Tagen nahm Jesus mit sich Petrus und Jakobus und Johannes, dessen Bruder, und führte sie allein auf einen hohen Berg. Und er wurde verklärt vor ihnen, und sein Angesicht leuchtete wie die Sonne, und seine Kleider wurden weiß wie das Licht. Und siehe, da erschienen ihnen Mose und Elia; die redeten mit ihm. Petrus aber antwortete und sprach zu Jesus: Herr, hier ist gut sein! Willst du, so will ich hier drei Hütten bauen, dir eine, Mose eine und Elia eine.

aus Matthäus 17, 1–9

Der perfekte Moment. Wenn man am liebsten die Zeit anhalten möchte, den Moment einfrieren, weil alles einfach so schön ist. „Besser kann es nicht werden, hier und jetzt will ich bleiben!“ In Filmen wird jetzt auf Zeitlupe gestellt, vielleicht ertönt Musik mit viel Geigen. Ganz großes Kino, das uns diese Momente zeigt. 

Damals mit Jesus erlebten die Jünger auch großes Kino: Sie sehen sofort, dass hier gerade etwas ganz besonderes passiert: Jesus wird „verklärt“ – so heißt es bei Luther. Man sieht ein Strahlen, ein Leuchten um ihn herum – und er bekommt himmlischen Besuch, dort oben auf dem Berg, er spricht mit Mose und Elija. Petrus hat den perfekten Moment erkannt und will Hütten bauen für Jesus und gleich noch für Mose und Elija. Hier ist gut sein. Hier wollen wir nicht mehr weg. 

Was wir heute vielleicht nicht mehr so gut erkennen, sind die innerbiblischen Bezüge dieser Geschichte. Die Verklärung Jesu nimmt Bezug auf Mose. Auch Mose ging auf einen Berg, ebenfalls mit drei weiteren, namentlich bekannten Personen; Mose erhält dort ein Leuchten, das ihm bleibt; Mose bekommt auf dem Berg das Gesetz – verdichtet in den 10 Geboten, die er auf eine Steintafel schreibt. 

Mit dieser Geschichte sagt uns das Matthäusevangelium also: Jesus ist wie Mose, genauso wichtig, genauso nah dran an Gott und seinem Willen. Das ist mein lieber Sohn, den sollt ihr hören. Die himmlische Stimme ertönte schon einmal, bei Jesu Taufe (Mt 3). Hier nun wieder, aber mit einer wichtigen Ergänzung: Den sollt ihr hören! In der Wiederholung wird das deutlich: Es geht auch um das Gehorchen, um das Tun dessen, was Jesus und Gott von uns wollen. 

Wir müssen uns zwar genauso wenig die Erlösung im Gericht mit guten Taten verdienen, wie das Volk Israel durch die Erfüllung der Gebote des ersten Testaments. Aber wir sollen schon drauf hören, was Jesus von uns will, was Gottes Wille für unser Leben ist. Hierin sehe ich eine wichtige Botschaft dieses Predigttextes: Jesus steht ganz in der Tradition des Mose und damit stehen wir in einer Kontinuität und bleibenden Beziehung mit der Religion Jesu, dem Judentum. Gerade in diesen Tagen, wo wir der Vernichtung von sechs Millionen Juden in der Shoah gedenken, eine wichtige Erinnerung daran, wie sehr wir Christen mit dem Judentum verbunden sind!

Und der perfekte Moment? Was ist eigentlich aus ihm geworden? Er ist vorüber gegangen. Petrus konnte ihn nicht einfrieren und die himmlischen Gestalten samt der Stimme Gottes sind wieder verschwunden. Jesus verlangt von den Jüngern sogar, dass sie niemandem davon erzählen – bis nach seiner Auferstehung. 

Aber für uns heute ist es kein Geheimnis mehr: Es gibt solche Momente des Strahlens, wo wir anfangen zu leuchten und alles einfach himmlisch ist. Und wenn wir uns auf den Weg machen, auf einen hohen Berg, oder eine Anstrengung unternehmen, um den Willen Gottes zu tun, Gott zu lieben und unseren Nächsten wie uns selbst – dann können wir ihn vielleicht auch erleben. Diesen perfekten Moment, wo einfach alles passt.  

Pfarrer Johannes Herold, Selb