Ende und Neubeginn

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Inge Wollschläger im Editorial für das Evangelische Sonntagsblatt aus Bayern

Editorial von Inge Wollschläger im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Das Editorial zum Hören:

Und zum Nachlesen:

Am Abend telefonierten wir noch miteinander. Über das freudige Ereignis, das bei ihr ins Haus stand: Ihre Enkelin sollte in den nächsten Tagen geboren werden. Diese Vorfreude half gegen die Angst im Hinterkopf. Am nächsten Tag stand ein Termin beim Facharzt an. Bei ihr hatte man „etwas“ gefunden, was an diese Stelle nicht hingehörte. 

In einem Moment ist alles wunderbar und aufregend und auf einmal nimmt das Leben eine schreckliche Wendung. Gerade noch in einem freien Land – kurz darauf hört man Sirenen und es fallen Bomben. Heute wird mit dem Liebsten ein Eis gegessen und morgen packt er seine Tasche und geht. Eben noch rannte man mit den Kindern und Enkeln durch den Regen. Nun freut man sich, weil die vertraute Eckbank doch mit ins Seniorenheim darf. 

In allen Schattierungen kommen solche Geschichten in unser aller Leben vor. In der Bibel sind solche Erzählungen des plötzlichen Wandels ebenfalls zu finden. Kurz vor Ostern können wir in die Geschichte von Jesus eintauchen. Da zieht er unter Jubel in Jerusalem ein – kurze Zeit später stirbt er einen Foltertod. 

In diesem Spannungsfeld von „ist doch alles gut“ zu „auf einmal ist alles fürchterlich“  bewegen wir uns Tag für Tag. Plötzlich bricht alles weg. Was einem lieb und teuer war, ändert sich von einer Sekunde auf die andere – scheinbar ohne Grund. Nichts ist sicher. 

Ob auch Jesus geahnt hat, was kommen wird? Denn tief in unserem Inneren spüren wir – wenn auch manches äußert überraschend kommen mag – mit unserem siebten Sinn einen Wandel. Gegen all das kann man sich auflehnen, zornig oder traurig sein. Aufhalten lässt sich nichts.

Jesus hat sich dem allen hingegeben. Vielleicht hat er seinen Einzug nach Jerusalem genossen. So viel Wertschätzung. So viel Applaus und Jubel. Wer hört das nicht selbst gerne? 

Wie so oft gilt es auch hier, diesen einen Moment zu leben und weder dem vergangenen hinterher zu trauen noch Angst vor der Zukunft zu haben. Das Eine war schon und das Neue wird erst entstehen. Schritt für Schritt wachsen wir in das Zukünftige hinein.

Bei der Freundin vom Anfang der Geschichte wurde – am Tag ihrer Diagnose „Brustkrebs“ – ihre Enkelin geboren. Beides wird nun Bestandteil ihres Lebens werden.