„Tillsammans“ – „Zusammen“

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Michael Martin vor der digitalen Bayerischen Landessynode
Oberkirchenrat Michael Martin bei der Einbringung der Vorlage zum Kirchengesetz über die Verlängerung der Partnerschaft zwischen der bayerischen Landeskirche und der Schwedischen Diözese Skara.Foto: ELKB/MCK

Synode beschloss Fortführung der Kirchenpartnerschaft mit schwedischer Diözese Skara und will Verantwortung der Jugend stärken

Geiselwind. Der für Ökumene und Kirchliches Leben zuständige Oberkirchenrat Michael Martin hat bei der Herbsttagung der bayerischen Landessynode für eine Verlängerung der Partnerschaft der bayerischen Landeskirche mit der Schwedischen Diözese Skara geworben. „Zwei Kirchen mit ähnlichen Herausforderungen, die in der Gemeinschaft des Lutherischen Weltbundes miteinander verbunden sind, haben sich auf einen gemeinsamen Weg gemacht“, sagte Martin. Auf der Synode in Schweinfurt war 2015 ein Gesetz zu einer Kirchenpartnerschaft mit Skara beschlossen worden. Diese Vereinbarung wird nun, nach Willen der Synode um fünf Jahre verlängert. 

Zahlreiche Kirchengemeinden haben Besuche in Schweden gemacht und der Personalaustausch wurde intensiv in beide Richtungen gepflegt, berichtete Martin. Es ging darum, voneinander zu lernen und das habe zahlreiche Früchte getragen: Es seien wertvolle Impulse entstanden, wie die Zusammenarbeit in berufsübergreifenden Teams. „Tillsammans“ – Zusammen – heißt die selbstverständliche Zusammenarbeit der verschiedenen Berufsgruppen in Teams innerhalb kirchlicher Gruppen und Gremien auf schwedisch. So können die Herausforderungen angegangen werden. Parallelen zum bayerischen Projekt Profil und Konzentration (PuK) wären erkennbar. „Wir haben da schon viel von den Schweden gelernt und unser Lernweg ist längst noch nicht abgeschlossen“, bekannte der Oberkirchenrat. Ein zweiter Impuls sei der hohe Wert der Kirchenmusik in der Kirche von Schweden. Als dritten Impuls könne man den Umbau von Kirchen zu integrierten Gemeindezentren aufnehmen.

Begegnung und Austausch

Zentral für die Partnerschaft sei die Begegnung und der Austausch. Aktuell fände ein Austauschprogramm statt: Vier Hauptamtliche der bayerischen Kirche aus unterschiedlichen Berufsgruppen fahren zehn Tage in ein Pastorat der Kirche von Skara und schauten dem dortigen Team über die Schulter, wie die Aufgaben dort angepackt werden; mit welchen anderen Strukturen und welcher anderen Mentalität wird dort gearbeitet? 

Die Evangelische Jugend in Bayern habe eine Brücke zur Jugend in Skara gebaut. Jugendliche aus Skara, aus Bayern, Palästina und Südafrika pilgerten gemeinsam zehn Tage in Schweden und im folgenden Jahr zehn Tage in Palästina, berichte Martin von einem Projekt. Die Evangelische Hochschule für Kirchenmusik in Bayreuth habe einen intensiven Kontakt mit einer schwedischen Volkshochschule gepflegt. Die Partnerschaft sei mit Leben gefüllt und soll in den nächsten Jahren fortgeführt werden. 

Beteiligung junger Menschen verbessern

Die Beteiligung junger Menschen in verschiedenen Gremien der Kirche vom Kirchenvorstand über Dekanatssynoden bis zur Landessynode sollte verbessert werden, sagte Oberkirchenrat Michael Martin. Änderungen und die Förderungen der Gremienbeteiligung wäre ein elementares Mittel auf dem Weg zu einer generationengerechten Kirche. Viele Entscheidungen, die heute getroffen werden, seien zukunftsweisend und würden sich in der Zukunft auswirken, so Martin. Beteiligung sei aber mehr, als nur in Gremien vertreten zu sein. Eine Arbeitsgruppe „Jugend in Verantwortung“ (AG) habe Vorschläge dazu erarbeitet. „Ich bin sicher, es lohnt sich für diese Kirche, intensiv an den Maßnahmen  dranzubleiben und umzusetzen, die die AG vorschlägt.“, sagte Martin eingangs zum Bericht.

Hans Stiegler, Vizepräsident der Synode und Mitglied der AG, sagte, man sei „tief in das Thema Gremienarbeit in der Kirche und die Beteiligung junger Menschen eingedrungen.“ Gemeindepfarrerinnen und Pfarrer, Dekaninnen und Dekane hätten immer wieder auf die reale Situation der Gremien vor Ort verwiesen. Die Vertreterinnen und Vertreter aus dem Amt für Jugendarbeit, aus dem Amt für Gemeindedienst und dem Landeskirchenrat hätten fachliches Wissen eingebracht. Auch Synodale saßen mit am Tisch. „Wenn Gremien für unsere jungen Menschen attraktiver werden sollen, dann muss sich manches verändern“, so Stieglers Fazit: Länge der Sitzungen, Gestaltung der Tagesordnung und Arbeitsweisen seien ausbaufähig. 

„Natürlich müssen Gremien sich mit scheinbar trockenen Themen befassen. Jungen Menschen müssen das wissen, worauf sie sich einlassen.“ Sie seien aber auch dazu bereit. Konkret kämen Veränderungen in Kommunikation und Arbeitsweise den jungen Menschen entgegen. Man dürfe sie aber nicht auf das Thema Jugendarbeit reduzieren. „Wo sich junge Menschen zu Wahl stellen, haben sie auch große Chancen gewählt werden“, sagte Stiegler. 

„Auf den Dekanatssynoden ist die erhöhte Mitwirkung von jungen Menschen besonders notwendig, denn hier spielt seit PuK die Musik.“ Daher soll bald die Möglichkeit der Berufung erweitert werden. In Kirchenvorständen, Dekanatssynoden und dem Dekanatsausschuss sollte mindestens ein Mitglied unter 30 Jahre sein. Der Jugendausschuss oder die Dekanatsjugendkammer sollte das Vorschlagsrecht bekommen. 

Die Haltung ist wichtig

Es brauche mehr als Struktur, sondern auch eine inhaltliche Haltung, die junge Menschen ernst nimmt, forderte Katrin Vogelmann, Vorsitzende der Evangelischen Jugend in Bayern (EJ). „Wir sollten den jungen Menschen die Türen zu Gremien öffnen, denen die dafür brennen, Kirche aktiv und verantwortlich mitzugestalten.“ Flankierende Maßnahmen im Kommunikativen Bereich wären wichtig: Das Amt für Gemeindedienst kann in Publikationen für die Kirchenvorstandsarbeit flankierend mithelfen, junge Menschen anzusprechen. Das Amt für Jugendarbeit böte auch fachliche Begleitung. Für mehr Vernetzung und Beteiligung seien alle in der Landeskirche gefragt. 

Als weitere Vorschläge nannte sie ein „Forum U30“ beim KV-Tag 2025. Es geht ihr auch um Gemeindeversammlungen mit Jugendfokus und Treffen von Synodalen mit jungen Menschen. Auch Informationen zur Konfirmandenarbeit wird gewünscht. Bezogen auf die Landessynode sei es begrüßenswert, dass so viele junge Leute Mitglied der Synode geworden sind. Die Synodalen berieten im Folgenden die Vorschläge aus dem Bericht.