„Die Lage ist ernst“

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Annekathrin Preidel im digitalen Gottesdienst der Landessynode
Die Präsidentin der Landessynode, Annekathrin Preidel, beim Eröffnungsgottesdienst in Geiselwind.Foto: epd/M

Die Herbstsitzung der Landessynode fand wieder digital statt – Beginn der Beratungen

Geiselwind. „Niemand, an dessen Leib und Seele das Virus rüttelt, ist allein. Niemand ist verloren.“ Mit diesen Worten aus ihrer Eröffnungsansprache wandte sich die Präsidentin der Landessynode, Annekathrin Preidel, an die verunsicherten Menschen in Bayern. „Mag es auch keine absolute Sicherheit vor einer Erkrankung an dem Virus geben, so leben wir doch aus der Gewissheit heraus, dass Gott auch in dieser Zeit unser Heiland ist.“

Mit einem live gestreamten Gottesdienst aus dem Event-Zentrum des Autohofs Strohofer in Geiselwind begann die Herbsttagung der bayerischen Landessynode. Die über hundert Kirchenparlamentarier hatten eine Woche zuvor beschlossen, die Synode, die dort in Präsenz tagen sollte, wegen der hohen Corona-Infektionszahlen zum dritten Mal digital abzuhalten.

„Die Lage ist ernst, auch die unserer Kirche“, sagte Preidel. Es sei nicht einfach, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Als die Corona-Pandemie über die Kirche hereinbrach, schien eine Bewältigung schier unmöglich. Heute würde sie  eher sagen: Die Mission sei dank des Reformprozesses „Profil und Konzentration (PuK)“ möglich, denn gerade durch Corona habe man Fantasie und Kreativität entwickelt. 

Der PuK-Beschluss der Frühjahrssynode 2019 in Lindau führe weg vom Bild des gespitzten Rotstifts und führe hin „zum bunten Farbspektrum der Möglichkeiten im Horizont Gottes.“ Damit leitete die Synodalpräsidentin hin zum Thema Haushalt. Die Herbstsynode ist traditionell die Haushaltssynode. „Gibt es überhaupt einen Zusammenhang zwischen der Ökonomie des Evangeliums und der Ökonomie der Geldwirtschaft?“, fagte Preidel.

Sie gab sogleich ihre Antwort darauf: „Viel Geld verhindert Kreativität. Aber vielleicht ist es ja gerade der ökonomische Mangel, der uns neu fragen lässt, was wirklich zählt.“ Bei vollen Kassen erliege man vielleicht der Gefahr, nichts von dem, was Kirche alles biete, wertschätzen zu können.

Genau diese Gefahr sprach Joachim Pietzcker in seinem Bericht aus dem Landessynodalausschuss (LSA) an. Die Synode müsse auf der Basis von PuK auch Entscheidungen treffen, die zur Aufgabe oder Einschränkung von Arbeitsbereichen führen. Er nannte das Predigerseminar, Evangelische Bildungszentren, Zuschüsse an die Diakonie, die Nichtgewährung von Mitteln zu einem Umbau des Schwanbergs, die Schließung von Tagungshäusern, die Zusammenlegung landeskirchlicher Einrichtungen. Immer gäbe es Menschen, die für dieses Thema stünden und die geringere Ausstattung mit finanziellen Mitteln als mangelnde Wertschätzung der von ihnen in der Vergangenheit geleisteten Arbeit, bis hin zu einer persönlichen Abwertung verstehen können. „Hier muss es uns gelingen, Entscheidungsprozesse so zu strukturieren, dass wir die sachlichen Notwendigkeiten und die persönliche Betroffenheit voneinander trennen“, rief er die Synodalen auf.

Reduzieren von Pfarrstellen

Vor dem Horizont des Rückgangs von Pfarrerinnen und Pfarrern sagte Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in seinem Bericht vor der Synode, die Pfarrstellendichte müsse unbedingt dem Personalangebot angepasst werden. Ländlichen Regionen gegenüber wäre es verantwortungslos, die Pfarrstellen nicht zu reduzieren. „Niemandem nützt eine verteidigte Pfarrstelle, wenn sie nicht besetzt werden kann.“ Die Folge wären Vakanzquoten, „die jedes erträgliche Maß überschreiten“. 

Bedford-Strohm bezweifelte, dass die allgemeine Impfpflicht geeignet wäre, um die notwendige Impfmotivation herbeizuführen. „Mir macht der gegenwärtige Graben zwischen Geimpften und Ungeimpften in unserer Gesellschaft große Sorgen.“ Dennoch dürfen die wissenschaftlichen Befunde nicht einfach zur Seite geschoben werden. Die wichtigste Aufgabe der Kirche zurzeit sei, Menschen davon zu überzeugen, sich impfen zu lassen. „Denn das ist das mit Abstand wirksamste Mittel, um die Intensivstationen und die erschöpften Menschen, die dort arbeiten, zu entlasten und dem Sterben etwas entgegenzusetzen.“ 

Zum Thema sexualisierte Gewalt in der Kirche, bekannte der Landesbischof, „dass Menschen das anderen in unserer Kirche antun, macht mich zornig.“ Die Kirche würde seit vielen Jahren dieses Thema bearbeiten. Die Verpflichtung, sich als Kirche diesem Thema immer wieder von Neuem zu stellen, sei weiterhin groß. Als Beispiele nannte er Präventionsmaßnahmen, aber auch besonders das Zuhören und Reden mit den Betroffenen. 

Beim Thema Klimawandel gehe es für ihn auch um wesentliche Grundorientierungen der Bibel. Die Kirche dürfe nicht unter Verweis auf die Kosten die notwendigen Maßnahmen zur Klimaneutralität versäumen. „Ich sage in vollem Ernst – versündigen wir uns nicht an unseren Kindern und Kindeskindern.“ Die Sorge um die kommenden Generationen müsse Konsequenzen für kirchliche Haushalte haben. Er begrüßt einen Dringlichkeitsantrag zu einem Klimaschutzgesetz der ELKB, der aus der Synode zu diesem Thema eingebracht werden wird (Bericht folgt).

Sparen trotz Lichtblick

Oberkirchenrat Patrick De La Lanne, der neue Leiter der Abteilung Finanzen im Landeskirchenamt, nannte vor Journalisten auf der digitalen Synode zwei Grundsätze, die für ihn gelten: Zum einen will er offen, verlässlich und verständlich agieren und zweitens lege er an sich und seine Arbeit den Maßstab des vorsichtigen Kaufmannes. „Der oberste Grundsatz unserer Finanzpolitik müsse auch in Zukunft ein ausgeglichener Haushalt sein. Wir dürfen keine nennenswerten Schulden anhäufen“, sagte er.

Die Gesamterträge für das Haushaltsjahr 2022 belaufen sich auf 962,1 Millionen Euro. Mit 81 Prozent sei die Kirchensteuer der Haupt-einnahmeposten der Kirche. Die Aufwendungen des Haushaltsplanes 2022 betragen 927 Millionen Euro. Damit könne die Kirche voraussichtlich Überschüsse von 35 Millionen Euro erwirtschaften. Hauptausgabebereich mit 52,5 Prozent sind Ausgaben für Pfarrdienst und Leben in den Gemeinden. Durch die Verbesserung der Kirchensteuer ergibt sich eine Verbesserung des Jahresergebnisses von 2021 auf 2022 von 32,5 Millionen Schulden auf 35,1 Millionen im Plus, also um 67,6 Millionen Euro. Ausgaben wurden um zehn Millionen reduziert.

Die erwarteten Überschüsse seien ein Lichtblick, aber man müsse weiterhin Maß halten. Corona sei finanziell für die Kirche nicht ausgestanden. Auf der jetzt begonnenen Herbstsynode müssen für die Zukunft Lösungen erarbeitet werden, so der Finanzreferent (Bericht folgt).