Das Klingeln, das Unabhängigkeit bedeutet, II

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Lena Pechar (links), Projektkoordination, und Kollegin Heidi Schröter-Scherm koordinieren gfi.Foto: gfi
Lena Pechar (links), Projektkoordination, und Kollegin Heidi Schröter-Scherm, Fachkraft für Alltagsbegleitung, die zusammen die Arbeit von „proSenio – Service für Senioren“ der gfi koordinieren.Foto: gfi

Teilhaben am Leben

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Neben dem Bereich der Haushaltshilfe gibt es die Möglichkeit der Freizeitgestaltung oder derAlltagsbegleitung: Gemeinsam auf den Friedhof gehen, einen Kaffee trinken gehen, Zeitung lesen, Karten spielen, den Tisch eindecken, bevor Besuch kommt. Das soll gegen die Vereinsamung helfen und die Senioren im sozialen Leben halten.  

Das Projekt läuft mit Einschränkungen auch während des Lockdowns. „Wir haben ein Hygienekonzept. Unsere Mitarbeitenden sind ausgestattet mit Mund-Nasenschutzmasken, Handschuhen. Die Mitarbeitenden lassen sich freiwillig zweimal die Woche testen.“ Die Hygienevorgaben werden von den Senioren auch gut angenommen. Pechar selber arbeitet zur Zeit von zuhause im Homeoffice aus.

Die Schulungen laufen im Moment digital. Die Einsatzkräfte arbeiten aber persönlich mit den Senioren. Auch die Sozialpädagogische Kraft, die Erstgespräche führt geht nach wie vor zu den Senioren.

Kontaktprobleme

„Im Moment ist in Nürnberg ein großes Thema, dass alle Ämter nur online zu erreichen sind. Nicht einmal telefonisch kann man jemanden erreichen. Da wird gerne von Seniorinnen und Senioren Unterstützung angefordert“, berichtet Pechar. Durch Corona und die Auswirkungen ist eine Bevölkerungsgruppe, die sehr auf Unterstützung angewiesen ist, plötzlich von der Unterstützung durch Ämter und Einrichtungen abgekoppelt, gibt Pechar zu bedenken. Für das Internet fehlt den Senioren oft die Infrastruktur und das Können.

Projektkoordination

Worin besteht nun genau die Arbeit von Lena Pechar? „Ich bin die Projektkoordination. Das heißt, ich mache die Verwaltung. Aktuell heißt  das vor allem Corona- und Coronasicherheit. Ich kümmere mich darum, wie testen wir unsere Mitarbeitenden, wie sorgen wir für Sicherheit? Ich betreibe Personalakquise und vor allem auch Kundenakquise. Ich halte Kontakt zwischen  Seniorennetzwerken, Kontakt zur Stadt und zu den Pflegekassen“. Oft ist Pechar  und ihre Kollegin die erste Ansprechpartnerin. „Meine Kollegin Heidi Schröter-Scherm und mich sprechen sowohl Kunden, wie auch Betreuer und andere Personen an und wir klären ab, ob man einen ersten Termin machen kann.“ 

Das Projekt „proSenio“ wendet sich an Menschen, die einen Pflegegrad haben, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind oder deren Angehörige bei der Betreuung entlastet werden sollen. „Ich habe den Eindruck, dass wir dann in die Familien gerufen werden, wenn die Angehörigen am Limit sind“, sagt Koordinatorin Pechar. Es sind oft die erwachsenen Kinder von Senioren, die selbst überlastet sind, die sich an Pechar und ihre Kolleginnen wenden. Es sind Familien, die auf der einen Seite die betagten Eltern versorgen, aber auf der anderen Seite noch eigene Kinder haben. „Oder es sind Seniorinnen und Senioren, die ihren Kindern nicht mehr zur Last fallen möchten und die mich dann kontaktieren“. Die erste Aufgabe ist dann, die Situation zu klären.

Die Menschen rufen an und erkundigen sich was die ersten Schritte sind. Ob man eine Pflegestufe beantragen sollte, oder ob ein Betreuer angefragt werden sollte, ob die Angebote überhaupt das richtige für die betreffende Person im Moment sein können. Oft sind es Detailfragen. „Neulich wurden wir gefragt, ob wir auch für jemanden zur Bank gehen. Jemand aus unserem Team kann zur Bank gehen und Überweisungen einwerfen. Aber das Überweisungsformular ausfüllen oder gar Geld abheben das können wir nicht.“ Das wäre Aufgabeeines gesetzlich bestellten Betreuers.

Betreuung optimieren

Manchmal leben Senioren in schlimmen Verhältnissen und man müsste einen Betreuer bestellen. „Wir würden aber niemals gegen den Wunsch der betreuten Person arbeiten“, versichert Pechar. „Wenn wir klingeln und die Tür bleibt zu, oder jemand ausdrücklich sagt, er wünscht keine Hilfe, dann respektieren wir das.“

„Ich bereite auch die Schulungen für unsere Mitarbeiterinnen vor. Jeder der bei uns mitmacht, muss geschult werden. Die Teilnehmer werden geschult in Arbeitssicherheit, Ansprache mit den Senioren, Kommunikation mit Pflegediensten und Angehörigen. Außerdem wird geschult, wie man mit den Senioren spricht und wie man die Zeit bei ihnen sinnvoll füllt. 

„Aber es gibt auch Grenzen, die unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfahren. Wenn man die ganze Woche über  in Haushalte geht, in denen Menschen im letzten Lebensabschnitt leben mit allem, was einem da begegnen kann, lässt das einen nicht unberührt.“ Darauf soll in den Kursen vorbereitet werden.

Was das Besondere bei „proSenio“ ist

Natürlich, so Pechar, gibt es andere Organisationen, die auch ähnliche  Dienste anbieten. „Aber ich finde gut, dass wir keine Ehrenamtlichen beschäftigen, sondern fest angestellte Kräfte haben.“ Sie kritisiert auch Pflegevermittler, die Kräfte aus Osteuropa importieren, die dann acht Stunden bezahlt bekämen, aber in Wirklichkeit 24 Stunden am Tag arbeiten müssten. Die Kräfte des Projektes proSenio haben geregelte Arbeitsstunden und Arbeitswochen. „Es ist ja eine Frauentätigkeit. Alte Menschen betreuen meistens Frauen“, so Pechar. „Jetzt bieten wir die Möglichkeit, dass diese Tätigkeit ordentlich entlohnt wird. Das finde ich gut!“

„Meine derzeitige Arbeit ist eine Tätigkeit, die ich wirklich richtig gerne mache. Dass ich damit Geld verdiene, kann ich zwar nicht leugnen, das ist aber bei anderen gemeinwohlorientierten Arbeiten, die ich gemacht habe, auch so. Es ist eine richtig gute Sache“, bekennt Pechar.  „Man hat es mit furchtbar netten Menschen und reizenden Familien zu tun.“ Manchmal sei es auch tod-traurig, dann nämlich, wenn jemand von den Seniorinnen oder Senioren stirbt oder wenn der Kontakt zum Kunden ganz verloren geht. „Aber das alles ist das pralle Leben“, betont sie. Und sie wiederholt: „Es ist eine wichtige Tätigkeit, denn so wie es bisher in der Pflege ist, kann es in Deutschland nicht weitergehen!“

Kontakt zu „proSenio“ in Nürnberg: Lena Pechar, Projektkoordination,  Fürther Str. 212, 90429 Nürnberg, Telefon: 0911/93197-940, E-Mail: lena.pechar@die-gfi.de

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