Neue Wege statt altbackene Werbung

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Chefredakteurin Susanne Borée, Hintergrundbild von Erich Kraus

Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Chefredakteurin Susanne Borée

Dümmlich und altbacken – so stehen sie gerade überall am Wegesrand: Gemeint sind die Plakate zur Europawahl, und zwar durch die Bank aller Parteien. Es ist, als würden sie darum wetteifern, wer das einfallsloseste Plakat mit nichtssagenden Parolen und schlechten Fotos hat. 

Die Fernsehwerbung der Parteien erscheint auch nicht besser. Doch im Gegensatz zu den Wahlplakaten kann man ihr wenigstens aus dem Weg gehen. Da mir meine Lebenszeit zu schade ist, zumindest eine repräsentative Auswahl davon anzusehen, halte ich es für wahrscheinlich, dass ich einfach die ein oder zwei guten Spots nicht erwischt habe.

Die Werbung in den Sozialen Medien schaue ich mir noch nachlässiger an: Da habe ich nicht verstanden, warum die Spots auf TikTok immer mit deutschen Untertiteln zum gleichlautenden deutschen Text unterlegt sind. Ich kenne einige ältere schwerhörige Menschen, die genau das beim Fernseher anschalten, um alles zu verstehen. Gut, ich weiß, dass ich wahrscheinlich zu alt bin, um das zu verstehen.

Stattdessen gebe ich mich Tagträumen hin: Wie wäre es, wenn zumindest die demokratischen Parteien übereingekommen wären, das Geld für ihre Werbekampagnen (das letztlich meist unser Steuergeld ist) für ein sinnvolles Projekt auszugeben: für den Erhalt eines Krankenhauses in ländlicher Region, für die Stellen freiwilliger sozialer Helfender, die gerade gestrichen werden? Für den Kampf gegen Drogen oder Kinderarmut? Oder auch für einen Panzer oder Flugabwehrwaffen für die Ukraine. Das wäre dann mal ein Kampf um die besten Ideen!

Obwohl dies noch lange ein Traum bleiben wird, freut sich mein Sohn, der gerade seinen 16. Geburtstag feiern konnte, auf die Wahl. Nur leider darf er bei der nächsten Bundestagswahl noch nicht weiter wählen – es sei denn, sie findet später statt als geplant. Das halte ich für unwahrscheinlich! Und dies, obwohl es dann wohl darum geht, ob er Wehrdienst leisten muss – von weiteren Zukunftsfragen ganz zu schweigen. 

Halt! Jetzt tun wir mal nicht so, als wenn die Europawahl unwichtig wäre! Da geht es in den nächsten Jahren um grundlegende Entscheidungen, in welcher Welt wir auf welche Weise zusammenleben wollen. Es sind verantwortungsvolle Ideen und Wege gefragt. Da könnten uns Extremisten die Zukunft verbauen!