In dreifacher Dankbarkeit

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zum Erntedank von Regionalbischöfin Gisela Bornowski

Denn der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Quellen sind und Wasser in der Tiefe, die aus den Bergen und in den Auen fließen, ein Land, darin Weizen, Gerste, Weinstöcke, Feigenbäume und Granatäpfel wachsen, ein Land, darin es Ölbäume und Honig gibt, ein Land, wo du Brot genug zu essen hast, wo dir nichts mangelt, ein Land, in dessen Steinen Eisen ist, wo du Kupfererz aus den Bergen haust. Und wenn du gegessen hast und satt bist, sollst du den HERRN, deinen Gott, loben für das gute Land, das er dir gegeben hat. So hüte dich nun davor, den HERRN, deinen Gott, zu vergessen, sodass du seine Gebote und seine Gesetze und Rechte, die ich dir heute gebiete, nicht hältst. Wenn du nun gegessen hast und satt bist und schöne Häuser erbaust und darin wohnst und deine Rinder und Schafe und Silber und Gold und alles, was du hast, sich mehrt, dann hüte dich, dass dein Herz sich nicht überhebt und du den HERRN, deinen Gott, vergisst, der dich aus Ägyptenland geführt hat, aus der Knechtschaft, und dich geleitet hat durch die große und furchtbare Wüste, wo feurige Schlangen und Skorpione und lauter Dürre und kein Wasser war, und ließ dir Wasser aus dem harten Felsen hervorgehen und speiste dich mit Manna in der Wüste, von dem deine Väter nichts gewusst haben, auf dass er dich demütigte und versuchte, damit er dir hernach wohltäte. Du könntest sonst sagen in deinem Herzen: Meine Kräfte und meiner Hände Stärke haben mir diesen Reichtum gewonnen. Sondern gedenke an den HERRN, deinen Gott; denn er ist‘s, der dir Kräfte gibt, Reichtum zu gewinnen, auf dass er hielte seinen Bund, den er deinen Vätern geschworen hat, so wie es heute ist.

5. Mose 8, 7–18

Unsere Sehnsucht ist trefflich beim Namen genannt! Gott führt in ein gutes Land: genügend Wasser, Brot für alle, blühende und fruchtbare Felder. Wir spüren in den Anfangsversen etwas von dem Sehrgut des Schöpfungsberichtes. Sehnsuchtsverse durch uralte Worte, die hochaktuell sind: Menschen auf der Flucht, die sich nach Frieden und Grundversorgung sehnen. Hungernde Menschen, die sich nach Wasser und Brot sehnen. Wir Menschen in einem noch reichen Deutschland, die sich eine sichere, versorgte und bezahlbare Zukunft wünschen.

Die Zukunftsgewissheit ist vielerorts mehr als wackelig geworden und der Schöpfungsreichtum ist schwer verwundet. Die Verwundungen schmerzen spürbar. So viel tut weh. Die lange verabreichte Wegseh-Narkose wirkt nicht mehr.         

Das Erntedankfest lenkt unseren Blick auf den Gott, der es gut mit uns meint und der mit uns seinen Schöpfungsreichtum erhalten will. Unsere Zeilen aus dem Mosebuch üben es mit uns neu: Dankbar und mit ausgestreckten Armen klammern wir uns an dem Gott fest,
der uns Leben schenkt. Dankbar und mit flehenden Augen blicken wir auf den Gott, der für und mit uns Neuanfänge möglich machen kann.

Dankbar und mit hörenden Ohren lauschen wir neu auf das, was Gottes Gebote uns sagen wollen. In dieser dreifachen Dankbarkeit werden wir Gott weiterhin als zuverlässigen Bündnispartner erleben, der in ein gutes Land führt. 

Gisela Bornowski, Regionalbischöfin Ansbach-Würzburg

Gebet: Lebensschaffender Gott, wir danken dir für alle Gaben, die wir geschenkt bekommen. Schenke du uns Herzen, Hände, Augen und Ohren, die mit deiner Hilfe die Wunden unserer Welt zu heilen beginnen. Amen.

Lied 649,4: Dank für alle Gaben