„Die Moll runter, die Dur rauf“

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zur Ambivalenz des Königs David

Da sprach Nathan zu David: Du bist der Mann! So spricht der Herr, der Gott Israels: Ich habe dich zum König gesalbt über Israel und habe dich errettet aus der Hand Sauls und habe dir deines Herrn Haus gegeben, dazu seine Frauen in deinen Schoß, und habe dir das Haus Israel und Juda gegeben; und ist das zu wenig, will ich noch dies und das dazutun. Warum hast du denn das Wort des Herrn verachtet, dass du getan hast, was ihm missfiel? Uria, den Hetiter, hast du erschlagen mit dem Schwert, seine Frau hast du dir zur Frau genommen, ihn aber hast du umgebracht durch das Schwert der Ammoniter. 10 Nun, so soll von deinem Hause das Schwert nimmermehr lassen, weil du mich verachtet und die Frau Urias, des Hetiters, genommen hast, dass sie deine Frau sei. (…)

aus 2. Samuel 12

Ein besonderer Liedwunsch für den Hochzeitsgottesdienst? Das „Hallelujah“ von Leonard Cohen liegt da ganz vorne. Immer wieder wird der Song als Hochzeitsmusik gewünscht, auch wenn der Song-Text doch so gar nicht zum Anlass einer Trauung passen mag. Biblische Motive werden aneinandergereiht, die sich vor allem um König David drehen: Der musikalische David als Harfenspieler, der machtvoll begehrende David, der auch vom kalkulierten Tod von Batsebas Ehemanns Uria nicht Halt macht.

So heißt der eingängige „Hallelujah“-Song von Leonard Cohen auf Deutsch: „Ich habe gehört, dass es ein geheimer Akkord war, den David spielte und der Gott gefiel. Aber du machst dir nicht wirklich viel aus Musik, oder? Es geht so: Die Vierte, die Fünfte, die Moll runter, Dur rauf. Der verwirrte König komponierte: Halleluja. Dein Glaube war stark, doch du brauchtest Beweise. Du sahst sie baden auf dem Dach. Ihre Schönheit und das Mondlicht überfluteten dich. Sie band dich an einen Küchenstuhl. Sie zerbrach deinen Thron, sie schnitt dir das Haar ab. Und entlockte deinen Lippen das Halleluja. Du sagst, ich habe den Namen Gottes missbraucht, dabei kenne ich den Namen noch nicht einmal. Aber wenn es denn so ist, welche Bedeutung hat das für dich? In jedem Wort flammt eine gewisse Glut. Es ist egal, welches du gehört hast: Das heilige oder das gebrochene Halleluja. Ich gab mein Bestes, doch es war nicht viel. Ich konnte nichts fühlen, deshalb versuchte ich zu berühren. Ich sagte die Wahrheit, ich bin nicht gekommen, um dir was vorzumachen. Und auch wenn alles schief gegangen ist, werde ich vor dem Gott des Gesangs stehen, mit nichts auf meiner Zunge, als ein Halleluja.“

Leonard Cohens Song „Hallelujah“ hat bereits im Text die Harmonien des Songs angedeutet. Das ergibt die Akkordfolge C, F, G, Am, F. Die Moll runter und die Dur rauf – das sind die Klänge für viele Situationen des Lebens.  

Ein Halleluja nicht nur zu den Hoch-Zeiten unseres Lebens. Ein „gebrochenes Halleluja“ wie L. Cohen es benennt. Ja, unser Leben ist immer auch ein gebrochenes. Auch König David hat Brüche in seinem Leben. Und: Ja, das Gebrochene ist der Ort der Erkenntnis. „Es ist ein Riss in Allem. So kommt das Licht hinein” – so verdichtet Leonard Cohen das in poetische Worte. Der
Riss als der Ort der Erleuchtung. Darauf ein „gebrochenes Halleluja“ –
mit der Moll runter und der Dur rauf!

Christine Ursel ist Religionspädagogin

und arbeitet als Fortbildungsreferentin im Diakonie.Kolleg. 

im Diakonischen Werk Bayern.

Lied 615: Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt