„Um Himmels Willen“

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3.000 Bläserinnen und Bläser aus den 900 bayerischen Posaunenchören kamen in Nürnberg zum Evangelischen Landesposaunenchortag zusammen.
3.000 Bläserinnen und Bläser aus den 900 bayerischen Posaunenchören kamen in Nürnberg zum Evangelischen Landesposaunenchortag zusammen. Foto: Bei-Baier

Bayerischer Landesposaunenverband feierte in Nürnberg 101 Jahre Posaunenchöre

Der Verband der evangelischen Posaunenchöre (VEP) feierte mit dem Landesposaunentag sein 101-jähriges Bestehen. Bei gutem Wetter und mit bester Laune wurde es ein Fest der Musik – und vielleicht schon ein Vorgeschmack auf den Kirchentag, der im nächsten Jahr in Nürnberg stattfinden wird.

Musik erfüllt die Straßen und Plätze der Altstadt. Sozusagen an allen Ecken und Enden der Nürnberger Innenstadt spielen am Freitag Nachmittag evangelische Posaunenchöre aus ganz Bayern. Sie luden vom 8. bis 9. Juli die Nürnbergerinnen und Nürnberger und ihre Gäste zum Landesposaunentag ein.

Der Posaunenchor aus Vincenzenbronn unter Leitung von Martin Weber hat einen der schönsten Orte auf der Fleischbrücke bezogen. An einem Brozedenkmal – Menschen stützen die Weltkugel – hat sich der Posaunenchor Nikodemus aus Nürn-berg ein Plätzchen gesucht. Das Spiritual John Browns Body erklingt durch die Gassen. Unter Bezirksposaunenchorleiter Thomas Engelbrecht spielt vor der beeindruckenden Kulisse der aufragenden Türme der Lorenzkirche der Bezirksposaunenchor Nürnberg – „… und Freude“, wie sich die Spieler beeilen zu bemerken.

Sie packen – wie wohl in der ganzen Innenstadt – kurz nach fünf ihre Instrumente zusammen. Und kurz darauf strömen von Ost, West, Nord und Süd Menschen mit Instrumenten auf den großen Hauptmarkt, zwischen Schönem Brunnen und Frauenkirche. Just so, wie die Chöre aus allen Himmelsrichtungen Bayerns nach Nürnberg gekommen waren; passend zum Motto des Treffens „Um Himmels Willen.“ Es sollen insgesamt mehr als 3.000 Bläserinnen und Bläser sein, die sich zum Landesposaunentag an diesem Wochenende eingefunden haben.

Ein wunderbarer Klang

Gegen halb fünf füllt sich der Hauptmarkt. Es wird kurz geprobt. Für Laien ist es sowieso ein Wunder, wie es klappt, dass es dreitausend Musiker, die sich größtenteils nicht kennen und noch nie zusammen gespielt haben, schaffen, ein einheiltliches und wohlklingendes Klangbild zu erzeugen. Und wie sie es schaffen! Um 18 Uhr beginnt die große Eröffnung. Es ist wirklich eine große Feier, denn es gilt den 100. Geburtstag des Verbandes aus dem vergangenen Jahr nachzufeiern.

Nürnbergs Oberbürgermeister Marcus König nannte es „einen großen Befreiungsschlag“, dass man nach zwei Jahren Pandemie nun dieses Jubiläum endlich begehen könne. Nürnberg sei dankbar für die vielen Ehrenamtlichen, die das Fest ausrichten und die musizieren, „von der Burg bis zum Hauptmarkt und darüber hinaus.“ Es solle die Stadt schon ein stückweit vorbereiten auf das nächste Jahr, wenn Nürnberg Schauplatz für den Deutschen Evangelischen Kirchentag wird. 

Ein Signal aus vier Tönen, die in der obersten Stimme immer gleich sind, aber sich trotzdem unterschiedlich anhörten, zeigte die Vielfalt und war das musikalische Logo des Posaunentages, das sich von der Eröffnung bis zum großen Abschlussgottesdienst am Sonntag durchzog. Komponiert hat es Dieter Wendel. Es sollte die Himmelsrichtungen symbolisieren aus denen die Musikerinnen und Musiker zusammengekommen waren. Und so bildeten sich dann schließlich auch beim Sonntagsgottesdienst vier große Chöre. Es vermischte sich mit dem Lied „In Christus gilt nicht Ost noch West“.

Aus allen Richtungen

Der Evangelische Posaunendienst in Deutschland (EPID) ist ein Dachverband von 28 Werken und Verbänden und 6.000 Posauenchören aus der ganzen Bundesrepuplik. Davon gibt es etwa 900 Chöre in Bayern. Dadurch werden 110.000 Bläserinnen und Bläser in einem Ver-band vereint. „Das ist der größte Lai-enMusikalische-Verband in Deutschland“, sagte Frank Möwes, der seit zwei Monaten Leitender Obmann des EPID ist, in seinem Grußwort auf dem Hauptmarkt. Der Mainburger Pfarrer – und somit selbst bayerischer Posaunenbläser – begrüßte auch Bläserinnen und Bläser aus Ost, West, Nord und Süd, die als Gäste nach Bayern kamen. So stand auch das Motto-Lied „Um Himmels willen!“ von Rüdiger Glufke und Christian Schmid im Mittelpunkt des Landesposaunentages. Franken, Schwaben und Altbayern, der Landesposaunenwart aus Flensburg, Hamburger Musikerinnen und Musiker sowie mindestens ein Schweizer Blechbläsern spielten es gemeinsam.

Der Verband, so Möwes weiter, würde zum einen von Hauptamtlichen in der Geschäftsstelle in Nürnberg mit Herz und Engagement gestaltet. Und zweitens würden die Bläserinnen und Bläser, die Freunde daran haben, ehrenamtlich Musik miteinander zu machen ihn mit Leben füllen. „Wir engagieren uns noch zusätzlich ,Um Himmels Willen‘“, sagte Möwes. „Damit ist jeder Ton ein Signal gegen Egoismus und Rücksichtslosigkeit, gegen Gleichgültigkeit, gegen Profilneurose, gegen Krieg und Gewalt.“ Christinnen und Christen müssten die Forderung nach einer menschlichen Welt hochhalten. „Wir als Posaunenchöre wollen um Himmels Willen, die Menschen berühren für eine menschliche Welt. Wir spielen für Frieden, Mitgefühl und Zusammenhalt.“

Eine große Geburtstagsfeier

Am Samstag gab es diakonische Einsätze, Workshops, ein Jungbläserfest und viele Konzerte in Kirchen. Der Höhepunkt war an diesem Tag die „Geburtstagsparty“, bei der wieder auf vielen Plätzen und auch der Burg mitreißende Bläsermusik zu hören war. Musikerinnen und Musiker von Mühldorf am Inn bis ins Donaurieß und von Fürstenfeldbruck bis Wunsiedel gaben Standkonzerte. Manche Gruppen zogen gar musizierend durch die Straßen.

Zur Serenade am Samstagabend packten wieder alle gut 3.000 Teilnehmer ihre Instrumente auf dem Hauptmarkt aus, ebenso am Sonntag zum großen Festgottesdienst, mit dem auch das 101-jährige Bestehen des Verbands Evangelischer Posaunenchöre (VEP) begangen wurde. Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm predigte. Musik sei ein Hinweis auf die Kräfte der Versöhnung, die nicht auf Gewalt angewiesen sind. „Die Musik schafft Gemeinschaft, die zur Brücke zwischen den Fronten werden kann“, so Bedford-Strohm. Chorkonzerte mit Chören aus der Ukraine seien Ausdruck der Solidarität mit den Menschen dort, die so viel Leid erfahren würden. Aber Bedford-Strohm sagte auch, als die Israeliten mit ihren Posaunen um Jericho gezogen seien, seien die Mauern der Stadt eingefallen. „So einfach wird es nicht sein, den Krieg zu beenden.“