Die Freude an Entwicklungen

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Neue Dekanin Jutta Holzheuer
Jutta Holzheuer ist neue Dekanin im Dekanatsbezirk Rothenburg ob der Tauber. Hier vor dem historischen Dekanats- und Pfarrhaus in der Altstadt, neben der Kirche St. Jakob.Foto: Bek-Baier

Jutta Holzheuer ist neue Dekanin im Dekanatsbezirk Rothenburg ob der Tauber

„In diesen alten Kirchen gibt es so viel zu entdecken“, sagt Jutta Holzheuer, die neue Dekanin über die Rothenburger Kirchen. „Als ich nach meiner Ankunft hier eine musikalische Andacht besuchte und die Jakobskirche auf mich wirken ließ, war ich ergriffen“, erzählt sie. Denn wenn man diese alten Kirchen von innen genauer betrachtet, seien sie in ihren Aussagen sehr stimmig. „Wenn man zu einer Kirche gehört, schaut man sie sich anders an, als wenn man sie nur als Tourist besucht.“

Nicht als Tourist, aber als Teilnehmerin einer Fortbildung zur zertifizierten Pilgerführerin war sie vor ein paar Jahren in Rothenburg. Damals beeindruckte sie auch die Franziskanerkirche. Das Wildbad, in dem sie zwischenzeitlich ihren  Wohnsitz an der Tauber hat, kennt sie von Tagungen her, an denen sie in den vergangenen Jahren teilnahm. „Aber damals hatte ich noch keine Ahnung, dass ich einmal hierher als Dekanin kommen würde“, bekennt die heute 57-jährige. „Ich entdecke jetzt erst, seitdem ich hier bin, was für eine wunderbare Fügung es ist, nun hier sein zu dürfen.“ Ihr Dienst im Dekanat begann Anfang Februar, die Einführung wird am Sonntag, 20. Februar um 14 Uhr in St. Jakob in Rothenburg sein.

Vertraut mit Dekanatsarbeit

Wie kam sie dazu, sich auf die Dekansstelle in Rothenburg zu bewerben? „Bisher habe ich vorwiegend auf Dekanatsebene im Dekanat Kempten gearbeitet“, erklärt die Pfarrerin. Sie war betraut mit der Öffentlichkeitsarbeit, mit der Dekanatsentwicklung, war stellvertretende Dekanin und auch Mitglied im Dekanatsausschuss. „Ich weiß was da gemacht wird und es hat mich gereizt“, sagt sie. „Den überparochialen Blick über die Gemeinden zu haben und zu sehen, was in vielen Gemeinden an Unterschiedlichem geschieht, fand ich immer schon toll.“ Die Herausforderungen, vor denen die Kirche insgesamt nun stehe, fordere sie zudem heraus.

Sie war seit neunzehn Jahren nicht in der Gemeindearbeit beschäftigt und hat nur hie und da Gottesdienste vertreten, Beerdigungen, Hochzeiten und Taufen gehalten. „Ich habe gemerkt, dass das mir fehlt und ich gerne wieder auch Pfarrerin sein möchte.“  Da kam ihr die Ausschreibung der Stelle in Rothenburg entgegen, die aus einer halben Dekansstelle und einer halben Gemeindepfarrstelle besteht. „Neben der geografischen Lage in Franken war diese Vielfältigkeit der Stelle, auf der ich meine Erfahrungen einbringen kann, der Hauptgrund für den Wechsel.“

Anders als im Allgäu

„Der erste Eindruck des Dekanatsbezirks Rothenburg aus Kemptner Perspektive ist, es ist eine schöne überschaubare Fläche. Man ist relativ schnell dort, wo man hinwill.“ Eine erste Rundreise durch die Regionen des Dekanats habe ihr gezeigt, dass es sehr ländlich geprägt ist, dass aber die evangelischen Gemeinden stark vertreten sind. Komplett anders als sie es vom Allgäu her kennt. „Ich habe schon einige sehr sehr freundliche und nette Menschen getroffen, die mir erzählt haben, ,Wir Franken sind nicht so gesprächig!‘ Und ich glaube das stimmt nicht so!“ Denn sie ist nicht zum ersten Mal in Franken. Geboren wurde sie im oberfränkischen Hof, nach der Schulzeit in Lindau und Rain am Lech und dem Abitur in Günzburg, studierte sie in Neuendettelsau, Erlangen und Tübingen. Das Vikariat machte sie im Frankenwald und eine erste Stelle bekleidete sie in Bamberg.

„Die große Herausforderung, die als nächstes ansteht, ist die Umsetzung des Landesstellenplanes, der von der Landeskirche allen Dekanaten vorgegeben wird“, erläutert sie ihre wohl erste Aufgabe. „Die aktuelle Vorgabe von 1,25 Stellen, die im Dekanatsbezirk Rothenburg eingespart werden müssen, sei „vergleichsweise moderat.“ Aber es ginge ja weiter: Die nächsten Landesstellenpläne mit Kürzungsvorgaben würden im Abstand von nur wenigen Jahren zu erwarten sein. Das bedeutet für sie langfristig, dass noch stärker Pfarreien, also Zusammenschlüsse von einzelnen, meist kleinen Gemeinden, gegründet werden müssen. Um eine gewisse Größe für volle Pfarrstellen zu erreichen. 

Wir haben hier schon Pfarreien. Aber es gibt auch Stellen, die schon sehr lange vakant sind. „Die Nachwuchszahlen bei Pfarrerinnen und Pfarrern, Religionspädagoginnen und -pädagogen, Kirchenmusikerinnen und -musikern sind stark zurückgegangen. Das halte ich auch für eine große Herausforderung.“

Freude an Veränderung

„Das Dritte ist, wie können wir schaffen, dass bei alledem der Blick nicht nur auf das Minus geht, sondern man auch eine Motivation bekommt und eine Freude an Entwicklungen?“, formuliert sie ein Ziel. „Es ist ja nicht so, dass wir nichts mehr machen können. Die Frage ist, wie bekommen wir die Veränderungen so hin, dass sie uns Freude machen und wir ein funktionierendes Gemeindeleben haben.“  

Berufsbegleitend hatte die Pfarrerin  Kommunikationswirtin gelernt. Krisenmanagement, Komunikations- und Projektmanagement sind in dieser Ausbildung enthalten. In ihrem bisherigen Dekanat war sie an vielen Projekten, die mit Veränderungen zu tun hatten, beteiligt, hat sie begleitet oder gar geleitet. „Im Grunde macht man an dieser Stelle im Dekanat nichts anderes: Im Süden des Rothenburger Dekanats gibt es derzeit Pläne zu einem gemeinsammen Pfarramt, das mehrere  Pfarreien zusammen betreiben.“ 

Holzheuer möchte die Menschen im Dekanat mitnehmen und eine Sicherheit geben, damit sie wissen, dass sie ein Pfarramt haben, an das sie sich wenden können und eine Pfarrerin oder Pfarrer haben, die sie anrufen können. „Ich hoffe auch, dass wir geniale Ideen entwickeln, was wir eines Tages mit den vielen Kirchen machen, wenn sie einmal nicht mehr so bespielt werden können, wie heute.“ Sie möchte einen guten Plan entwickeln, ohne die schönen und wichtigen Gebäuden aufgeben zu müssen. „Es sind Schätze! Wie können wir diese Orte bewahren?“ 

Mit Gottvertrauen

Wie kann man solche Veränderungen den Gemeindegliedern vermitteln? „Gottvertrauen am Anfang ist schon mal kein schlechter Start!“, sagt Holzheuer und hofft auf die fromme Grundhaltung der Mittelfranken. „Kirche hat sich immer zu allen Zeiten verändert und musste durch Zeiten der Veränderungen vorangehen. Im Grunde machen wir jetzt auch nichts anderes!“  Es geht nicht nur darum, dass man das Pfarrhaus oder das Pfarramt aufgeben müsse, denn eine Pfarrerin oder Pfarrer bliebe den Gemeinden ja. 

„Es muss ein Gemeindeglied aber auch verstehen können, warum wird das jetzt gemacht. Deswegen lieben sie es vielleicht noch nicht, aber sie können dann nachvollziehen, wie es zu solchen Entscheidungen kommt“, so Holzheuer. Es ginge darum, zu vermitteln, dass die einzelnen kleinen Gemeinden zusammen mit anderen etwas Gutes entwickeln. So könnten zwei, drei Jugendliche, die es in einem Dorf gibt, durchaus mit den Jugendlichen der benachbarten Gemeinden eine schöne Freizeit erleben, die ein tolles Erlebnis ist und wo man auch über Glauben spricht und sich mit Beten auseinandersetzt.“  

In Zeiten, in denen die Menschen nicht mehr so ungehindert in Kirchen dürfen oder auch wegen der Ansteckungsgefahr wollen, sei „in Anlehnung an Martin Luthers Katechismus zu überlegen, ob man das häusliche geistliche Leben nicht wieder mehr unterstützen kann.“ Hausandachten, wie sie im Dekanat schon Woche für Woche verteilt werden, seien da ein guter Anfang. 

Die Menschen im Blick

„Ich verstehe mich als Teamplayer. Ich bin aber auch eine klare Person und habe eine klare Vorstellung von dem, was ich möchte und was ich nicht möchte und wie ich es möchte“, sagt sie befragt zu ihrem Umgang mit Menschen; vor allem Haupt- und Nebenamtlichen im Dekanat. „Ich werde das offen sagen   und hoffe gleichzeitig, dass das Gegenüber das genauso offen kommuniziert, wie es das sieht.“ Sie hofft auf Absprachen, auf die man sich verlassen kann. „Eine gute Führung hat immer die Möglichkeiten und die Interessen der Menschen im Blick, ist auf der Suche nach Fähigkeiten und Fertigkeiten und versucht, die Menschen auf ihren Wegen voranzubringen.“ 

„Ich bringe viele Erfahrungen und Ideen mit, aber ich werde mir auch Zeit gönnen, weil ich wissen muss, wie die Hasen hier im Dekanat laufen“, sagt Holzheuer zu den Erwartungen, die die Menschen jetzt an sie stellen.  Sie möchte daher sich Zeit für das Kennenlernen der Menschen im Dekanat nehmen und schätzt, dass dieser Prozess min-destens ein Jahr dauern wird. „Ich bin nun eigentlich erst mal am Gucken!“