Ohren auf! Festen Halt finden!

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zum Weihnachtsfest 2021

„Augen zu und durch!“ So ermutigen sich manche Leute selbst, wenn sie in einer Zwickmühle stecken, vor einer schwierigen Entscheidung stehen, harte Zeiten kommen sehen.  

Verständlich sind solche Durchhalte-Parolen. Dem Wort Gottes entsprechen sie nicht. Wer dem Evangelium begegnet, hört ganz andere Impulse: Ohren auf! Festen Halt finden! Warum? Weil wir uns nicht selbst überlassen sind. Jesus ist da. Er ist nicht als verwöhntes Vatersöhnchen in Gottes perfekter Welt geblieben. Er ist in unsere Welt gekommen. Das feiern wir in diesen Tagen. Die Umstände seines Kommens werden von den Evangelien bezeugt, in Krippenspielen beschrieben, in Weihnachtsliedern besungen, in Predigten ausgebreitet. 

Ein Wort spielt dabei eine zentrale Rolle: „Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie Immanuel nennen.“ Wer hat diese Vision erfunden? Der Regisseur eines Krippenspiels? Der unbekannte Autor der ersten Strophe „Gelobet seist du, Jesu Christ, dass du Mensch geboren bist von einer Jungfrau, das ist wahr; des freuet sich der Engel Schar. Kyrieleis.“ Ein Prediger der ersten missionarischen Generation? Nein, diese Verheißung ist viel älter; sie erklang vor ungefähr 2.700 Jahren zum ersten Mal.

Der Zusammenhang: Ein König steht vor schwierigen politischen Entscheidungen. Er heißt Ahas. Einer seiner Vorfahren hatte David geheißen. Dieser hatte eine ausgesprochen glückliche Hand in den Konflikten seiner Zeit gehabt. Was David angepackt hatte, war gelungen. Viele meinten: Wenn wir einen solchen Herrscher noch einmal bekämen – das wäre großartig. 

Wen wundert es, dass allmählich die Idee aufkam, Israels Messias müsse ungefähr wie David sein? Nun aber ist Ahas der amtierende König. Jesaja scheint ihn massiv genervt zu haben mit seinen prophetischen Rippenstößen: Du musst nach Gott fragen! Ahas will nach dem Motto handeln: „Augen zu und durch!“ – Jesaja schlägt jedoch ein anderes Programm vor: Ohren auf! Festen Halt finden! 

 „Und der Herr redete abermals zu Ahas und sprach: Fordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe! … Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David: Ist’s euch zu wenig, dass ihr Menschen müde macht? Müsst ihr auch meinen Gott müde machen? Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben: Siehe, eine Jungfrau ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie Immanuel nennen.“ 

Jesaja 7, 10–14 

Darf ich meine Ohren aufsperren und dieses Wort als Weihnachtsbotschaft an mich erkennen? Darf ich diese alte Verheißung in Jesus erfüllt sehen? Ich bin so frei. Ich brauche diesen Halt. Ich ergreife ihn. Ich darf. Die Weihnachtsbotschaft lädt mich ausdrücklich dazu ein. 

Pfarrer i.R. Heinz Bogner, Mistelgau

Gebet: Du bist gekommen, Jesus Christus,  und wir feiern dein Fest. Du bist da und beschenkst uns. Zu dir kommen wir mit unseren Sorgen,  unserer Hoffnung, unserem Dank. Bleib bei uns. Amen 

Lied 23: Gelobet seist du, Jesu Christ