Begeisternd aktiv in Corona-Zeiten

146
Mit der Ape beim Kindergottesdienst am Wasserspielplatz der Augsburger St. Pauls-Gemeinde. Familie beim Corona-gerechten „Weihnachtswunder“ in Veitshöchheim.Fotos: privat/Grunwald
Mit der Ape beim Kindergottesdienst am Wasserspielplatz der Augsburger St. Pauls-Gemeinde. Familie beim Corona-gerechten „Weihnachtswunder“ in Veitshöchheim.Fotos: privat/Grunwald

Zwölf Initiativen mit dem Ehrenamtspreis der bayerischen Landeskirche ausgezeichnet

Die Begeisterung springt über. Schließlich zog die Aktion weite Kreise. Wöchentlich erreichte der ANDACHTbeantworter in der Matthäus-Gemeinde im Kirchenkreis Bayreuth bis zu 130 Menschen, erklärt Peter Mattenklodt dem Sonntagsblatt. „Das hat sich auch von Corona gelöst“, ergänzt der Vertrauensmann im Kirchenvorstand. 

Speziell für Menschen, die lieber telefonieren als ein Youtube-Video anzuklicken, organisiert Mattenklodt seit dem April 2020 wöchentlich geistliche Impulse und kleine Andachten, die telefonisch abgehört werden können. Sie lassen sich nun auch im Internet abrufen, oder bei Messenger-Diensten abonnieren, was allein rund 50 Menschen erreicht. Bis zu 35 Menschen sprechen da die persönlichen Impulse ein. Peter Mattenklodt koordiniert sie und bereitet die Impulse vor dem Freischalten technisch auf. Darüber hinaus ermöglichte das ehrenamtliche Team einen Adventskalender zum Hören und besondere Impulse etwa zur Passionszeit.

Ausgezeichnetes Engagment

Dieses Engagement zeichnet die bayerische Landeskirche zusammen mit elf weiteren Gemeindeprojekten „in besonderer Zeit“ nun mit dem Ehrenamtspreis aus. Jedes preisgekrönte Projekt erhält da tausend Euro. Die Ansbacher St. Gumbertus-Stiftung stellt für vier Projekte die Preisgelder zu Verfügung.

Gefragt waren Ideen, die dem Lockdown auf neuen oder altbewährten Kanälen begegneten und bis Mai 2021 realisiert wurden. Es wurden jeweils zwei Projekte aus jedem der sechs Kirchenkreise in Bayern prämiert. Hier weitere Ideen:

Tägliche Andachten und Mehr

Einen besonders langen und regelmäßigen Atem bewies etwa auch Rainer Schülein aus dem Dekanat Wassertrüdingen. Seit Beginn der Corona-Zeit lud der engagierte Kirchenvorsteher mit einem kleinen Team auf Dekantasebene täglich Andachten zum Nachhören hoch. Wöchentlich besuchten bis zu 2.000 Interessierte diese Seite. Die allermeisten hören sich dann auch die Andachten an, erklärt Schülein dem Sonntagsblatt.

Damit nicht genug: Jeden Samstag ist er nun damit beschäftigt, Video-Gottesdienst zu schneiden, damit kann er am Sonntag online gehen. Auch die musikalische Begleitung leisten ehrenamtlich Helfende. Begonnen hatte diese Aktion zum Osterfest 2020. Seit Dezember 2020 sind diese Gottesdienste regelmäßig zu sehen – von 300 bis 800 Teilnehmenden. Auch nach den Öffnungen geht es weiter und soll noch in die Zukunft hineinreichen. 

Mit der Ape zu den Menschen

Direkt zu den Menschen auch in der tiefsten Corona-Zeit waren Mitglieder der Kirchengemeinde St. Paul in Augsburg unterwegs. In der Passionszeit 2021 organisierten sie jeden Freitagabend Andachten in ihrem Stadtteil. Sie fanden draußen an markanten Punkten wie etwa vor der Freiwilligen Feuerwehr statt. Ein kleiner Transporter, der Ape (siehe Foto), brachte die Ausrüstung für die Gottesdienste vor Ort. In gutem Abstand und unter den Hygienekriterien konnten sich teils gut hundert Teilnehmende dort versammeln, so Pfarrerin Sabine Dempewolf. Nach Pfingsten wiederholten sie das Format in sommerlicher Atmosphäre zum Thema „Wasser“. 

Außerdem erstrahlt der Kirchturm von St. Paul abends in den liturgischen Farben, die „dran“ sind. Hier haben Ehrenamtliche LED-Leuchten installiert. Beim Wechsel der liturgischen Jahreszeit geschieht die Anpassung durch Fernschaltung. 

Weihnachtswunder und Osterweg-Stationen

Andere preisgekrönte Projekte widmeten sich verstärkt den großen Festen. „Mittendrin im Weihnachtswunder“ lud die Christuskirche Veitshöchheim bei Würzburg zu einem abwechslungsreichen Stationenweg rund um die Kirche ein. Schon im Januar stellte das Sonntagsblatt dies Projekt vor. Die Besucher erhielten ihre Eintrittszeiten corona-konform um mehrere Minuten versetzt und mussten an mehreren Stationen eine Herberge im überfüllten Bethlehem finden. Das allein erforderte eine umfangreiche Koordination, zumal sich die Engagierten auch in dieser Zeit nicht treffen konnten, so Diakonin Claudia Grunwald. Trotzdem wird auch ihre Begeisterung rund um dieses Projekt trotz aller Mühen noch heute bei ihrem Bericht erfahrbar.

Zu Ostern entwickelten Engagierte der Kirchengemeinde St. Peter und Paul in Fürth-Poppenreuth einen Stationenweg. 14 Tage lang war da ein selbst aufgenommenes Hörspiel über die beiden Kirchenmäuse Peter und Paula zu hören. 

Die weiteren preisgekrönten Projekte:

Das ehrenamtliche Team der Evangelischen Öffentlichen Bücherei Bad Reichenhall brachte durch eigene Liefer- und Mediendienste Literatur und Medien, Lese- und Basteltüten, Überraschungsgeschenke zu Weihnachten oder literarische Trostbriefe zu den Menschen.

Bei den „Einkaufshelden“ der SinN-Stiftung“ in Nürnberg um  Sabine Arnold übernahmen russischsprachige Jugendliche für Ältere, Kranke oder Menschen mit sozialen Einschränkungen Besorgungen. Unterstützungsbedürftige Menschen mit Migrationsgeschichte hatten so junge Ansprechpersonen in ihrer Muttersprache.

Die „Selbstversorgerhütte Schneelöcherhütte“ der Kirchengemeinde Waltenhofen im Kirchenkreis Augsburg hielt ein ehrenamtliches Hygieneteam am Laufen. Es bot corona-gerechte Reinigungen zwischen den Belegungen. So konnte die „Hütte“ vielen Menschen in Lockdown-Zeiten zur Oase werden.

Engagierte der Kirchengemeinde Weilheim bei München wiederum sammelten Laptops und Rechner für Schüler und Schülerinnen und rüsteten sie so auf, dass sie für den digitalen Unterricht nutzbar waren.

 Und das Technikteam zur Unterstützung der Fernsehausstrahlung von Gottesdiensten im Dekanat Naila im Kirchenkreis Bayreuth zeichnet Gottesdienste aus Gemeinden des Kirchenkreises auf und bereitet sie für die Ausstrahlung im lokalen Fernsehen und auf YouTube auf. 

Weiter kooperierten Engagierte der Christuskirche in Bad Füssing im Kirchenkreis Regensburg mit der Lokalpresse. Diese druckt seither wöchentlich Impulse der Evangelischen Kirchengemeinden ab, wodurch vor allem auch die vielen älteren Menschen erreicht werden. In der Kirchengemeinde Floß bei Regensburg bauten Engagierte ein digitales Format der Kirchenmusik für junge Bläser und Bläserinnen auf. 

Peter Mattenklodt aus Bamberg freut sich schon sehr darauf, sich mit den anderen Ideenträgern bei der Preisverleihung auszutauschen. Dies ist am 4. Dezember in Heidenheim durch die Präsidentin der Landessynode, Annekathrin Preidel, und die Regionalbischöfin Gisela Bornowski vom Kirchenkreis Ansbach-Würzburg mit den Fachbeirat Ehrenamt vorgesehen.

=> Mehr Informationen auf der Ehrenamts-Seite des Amtes für Gemeindedienst: www.ehrenamt-evangelisch-engagiert.de