… sind für kleine Kinder nichts.

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt über Orientierungshilfen für ein erwachsenes Leben

Wir reden euch aber zu, liebe Brüder und Schwestern: Weist die zurecht, die sich an keine Ordnung halten, ermutigt die Verzagten, steht den Schwachen bei, habt Geduld mit allen! Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte. Jagt vielmehr allezeit dem Guten nach, füreinander und für alle. Freut euch allezeit, betet ohne Unterlass, in allem sagt Dank; das ist der Wille Gottes, in Christus Jesus, für euch. Den Geist bringt nicht zum Erlöschen! Prophetische Rede verachtet nicht! Prüft aber alles, das Gute behaltet! Meidet das Böse in jeder Gestalt! Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch; Geist, Seele und Leib mögen euch unversehrt und untadelig erhalten bleiben bis zur Ankunft unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist, der euch ruft: Er wird es auch tun.

1. Thess. 5, 14–24 (Zürcher Bibel)

Messer, Gabel, Schere, Licht, sind für kleine Kinder nicht.“ Das war meine erste Assoziation zu unserem Abschnitt. Ein Merkvers aus meiner Kinderzeit, der helfen sollte, Gefahren zu vermeiden. Aber eigentlich sollte der Bub auf diesem Wege noch mehr lernen, nämlich zu unterscheiden zwischen angemessen und nicht angemessen, zwischen ungefährlich und gefährlich. „Messer, Gabel, Schere, Licht …“ markierten dabei praktische Gefahrenquellen – wenn man die nicht beachtete, standen Schmerzen oder gar Gefahren am Horizont. 

Paulus denkt hier weiter als bis „Messer, Gabel, Schere, Licht“. Er sucht nach Leitplanken, nach Ordnungshilfen für das Erwachsenenleben. Dafür nahm er Anleihen aus seiner Umwelt. Solche Listen kennen wir als römische Haustafeln, eine Art Pflichtenlehre gegen Götter, Eltern, Geschwister usw. Die urchristliche Ermahnung griff auf die Haustafeln zurück und gestaltete sie so um, dass es der biblisch-christlichen Sittlichkeitsauffassung jener Zeit entsprach („jagt allezeit dem Guten nach, füreinander und für alle“). Und dann ging es um Ehe und Familie, das Verhältnis der christlichen Sklaven zu ihren heidnischen Herrschaften, staatliche Obrigkeit. Und um das geistliche Miteinander in der Gemeinde.

Nun lohnt es genau hinzuschauen: Ziel war nicht, die Gemeinden in ein Korsett von Geboten und Verboten zu pressen, sondern das Leben so zu gestalten, dass es allen, den kleinen Christengemeinden wie den Menschen um sie herum, zu einem guten und friedlichen und gedeihlichen Leben half: das vielleicht wichtigste irdische Thema des Evangeliums. 

Uns von Gott angenommen zu wissen, schließt den behutsamen, liebevollen Umgang miteinander ein: „Treu ist er, der euch ruft: Er wird es auch tun.“ Paulus hat das überaus treffend verstanden – und uns heute steht es für den Alltag auch gut an.

„Messer, Gabel, Schere, Licht“ sind für meine Enkel keine Gefahrenherde mehr. Ihre Eltern lehren sie seit Anbeginn, richtig damit umzugehen, anstatt sie ihnen vorzuenthalten. Sie werden schon früh mit den Dingen des Alltags vertraut gemacht. Und so kann man das mit dem Beten, der Freude und der Dankbarkeit, der Vorsicht und Umsicht oder dem Vertrauen – auf Gott und auf Menschen – auch halten. Paulus lädt uns ein, geistliches Leben im Alltag einzuüben statt es mit Verboten belasten. Und Übungsfelder dafür gibt es reichlich in unseren Tagen.

Dekan Uland Spahlinger, Dinkelsbühl

Gebet eines Kindes:

Lieber Gott, mach die bösen Menschen gut und die guten etwas netter. Amen.

Lied 075:

Wo Menschen sich