Der Auftrag

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über die Aussendung der Jünger

Die Sache Jesu braucht Begeisterte. Aber die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, wohin Jesus sie beschieden hatte. Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum geht hin und machet zu Jüngern alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen hab. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.

Matthäus 28, 16–20

„Da ist Matthäi am Letzten“ – Dann, wenn nichts mehr geht, wenn jemand pleite,  todkrank oder sonst irgendwie am Ende ist,  wird dieser Satz manchmal  verwendet. Dabei bilden gerade die letzten Worte des Matthäusevangeliums  nicht den Schlusspunkt einer bewegten und bewegenden Geschichte. Sie markieren vielmehr den Beginn einer Lebens- und Segensgeschichte. Jesu Worte waren Motivation  und Anlass für seine Jünger damals, die befreiende und frohmachende Botschaft des Evangeliums weiterzutragen. 

Zwischen Vertrauen und Zweifel vollzog sich der neue Anfang. Auf ihrem Weg durch Anfeindung, Anfechtung und Verfolgung wurden die Worte des auferstandenen Herrn Jesus Christus zum Antrieb für ihr Zeugnis in der Welt. Immer haben im Lauf der Kirchengeschichte Menschen diesen Auftrag für sich gehört und umgesetzt. 

Von der Verkündigung des Evangeliums lebt die christliche Kirche. Es ist ihr Grundauftrag.  Wenn Kirche, diesen Auftrag nicht mehr wahrnimmt, hat sie ihre Daseinsberechtigung verloren. Es besteht die Gefahr, dass Randfragen in den Mittelpunkt rücken und der entscheidende Auftrag, Jesus Christus als Heil der Welt zu bezeugen und Menschen für ihn zu gewinnen, an den Rand rückt. 

Ein ehemaliger Fußball-Bundestrainer sagte von seinen Spielern: „Sie müssen brennen!“ Er wusste, nur so ist der Sieg zu erringen.  „Sie müssen brennen,  für Jesus brennen!“ – Gilt das nicht in besonderer Weise für Menschen, die den Namen von Jesus Christus tragen? Ins Bild einer Tür möchte ich drei Kernsätze aus dem Bibelabschnitt fassen: Jesus offenbart seine umfassende Macht. Jesus beauftragt die Seinen zu Evangelisation, Mission und Taufe. Jesus sagt seine bleibende Gegenwart zu.

Eine Tür hängt normalerweise in zwei Angeln. So hat sie Halt und kann sich bewegen. Der Auftrag von Jesus ist die Tür zu den Menschen. Sie wird gehalten durch die Offenbarung seiner allumfassenden Macht und durch die Gewissheit seiner Gegenwart. Die Macht Jesu zeigt sich in schenkender Liebe, in Barmherzigkeit, Wahrheit und Hingabe. Das Evangelium macht Mut, uns zu ihm als dem Herrn über alle Mächte und Kräfte zu bekennen. Jesus gibt in der Vollmacht des himmlischen Vaters seinen Auftrag. Weil die Angeln der Tür so stark sind, kann eine solch schwere Türe eingehängt werden. Jesus will keine Sympathisanten, sondern Nachfolger.        

Michael Wehrwein, Dekan i.R., Lohr a.Main

Gebet: Herr, Jesus Christus, danke für Deinen Macht und Kraft, danke für Deinen Auftrag, danke für die Zusage Deiner Begleitung in allen Situationen. Amen

Lied 262: Sonne der Gerechtigkeit