Brückenbauen – „jetzt“!

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„Schaut hin“ war das Motto des 3. Ökumenischen Kirchentages, der digital aus Frankfurt übertragen wurde.Foto: ÖKT/Bongard
„Schaut hin“ war das Motto des 3. Ökumenischen Kirchentages, der digital aus Frankfurt übertragen wurde.Foto: ÖKT/Bongard

3. Ökumenischer Kirchentag in Frankfurt setzt sich mit gesellschaftlichen Themen auseinander

Beim 3. Ökumenischen Kirchentag in Frankfurt am Main haben Katholiken, Protestanten und Orthodoxe am Samstagabend ein Zeichen der Verbundenheit gesetzt und Gottesdienste mit Einladungen an die jeweils anderen Konfessionen zum Abendmahl gefeiert.

Dankbar zeigten sich zu Beginn des Treffens von Christen aller Konfessionen die Präsidentin und der Präsident des 3. Ökumenischen Kirchentages (ÖKT) dafür, dass sich ein steiniger Weg hin zum ÖKT gelohnt habe: „Schaut hin! Es ist geschafft: Wir sind in Frankfurt und feiern den 3. Ökumenischen Kirchentag digital und dezentral“, sagte Thomas Sternberg (katholisch). Und Bettina Limperg (evangelisch) ergänzte: „Wir wollten dieses Zeichen der Hoffnung setzen in einer Zeit, in der unser aller Leben von einem gefährlichen Virus bedroht ist, in der unsere Geduld so hart auf die Probe gestellt wird und in der viele Menschen vom Schicksal schwer getroffen wurden.“

Mit einem einstündigen Festakt würdigten die Veranstalter des Ökumenischen Kirchentags am Freitag  Abend die vielen Menschen aus Politik, Kultur und Kirchen, die den Kirchentag möglich gemacht hatten. 

Der Kirchentag hatte am Donnerstag, Christi Himmelfahrt (Seite 6) mit einem ökumenischen Gottesdienst begonnen. Hier gab es schon die ersten technischen Pannen, die anzeigten, dass ein vorwiegend digital übertragener Kirchentag seine Tücken hat. Moderatorin Ulrike Greim, Rundfunkbeauftragte der Ev. Kirche in Mitteldeutschland, Weimar, entschuldigte sich bei den Zuschauern und sprach davon, dass der Kirchentag angesichts der Pandemie mit „heißer Nadel“ gestrickt worden sei. Das wirkt peinlich. Muss man denn wirklich einen Kirchentag stricken, wenn man schon sieht, dass es heiß laufen kann? Und kann man nicht verschieben? Auch wenn in den vier Tagen nirgends richtige Kirchentagsstimmung aufkam, waren sich die Offiziellen einig: Ja, der Kirchentag musste in dieser Form sein! 

Nächster Höhepunkt war dann der Festabend vor dem Samstag, an dem die Schwerpunkte des Programms stattfanden – weitgehend ohne größere technische Schwierigkeiten. „Allen Widrigkeiten zum Trotz“, sagte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier in einer Videobotschaft zum Festakt, finde dieser 3. ÖKT statt, und das sei gut so. Denn ihn beschleiche „die bange Frage, ob es je wieder ein Zurück zur Normalität gibt. Ob die Pandemie dem Prozess der Säkularisierung zusätzlichen Schub verleiht, die Kirchen aus der Mitte der Gesellschaft drängt.“ Christinnen und Christen aber müssten unbedingt hörbar und sichtbar bleiben, „um gegen die zunehmenden Spaltungstendenzen in unserer Gesellschaft anzugehen. Ob es die Pandemie ist, der Kampf gegen den Klimawandel, die Frage der Zuwanderung – ich sehe mit Sorge, dass die Auseinandersetzungen in unserem Land mit immer größerer Erbitterung geführt werden“, sagte der Bundespräsident. Es brauche jetzt Menschen, die „Brücken bauen zu unseren Nachbarn anderen Glaubens, die das Gespräch suchen, die Vorurteilen und Feindbildern entschieden entgegentreten“. Damit nahm er auch Bezug auf die aktuellen antisemitischen Ausschreitungen in Deutschland.

Die Pandemie habe bislang gezeigt, dass engagierte Christinnen und Christen ein ganz persönli-
ches Veto sprechen und leben könnten gegen menschenverachtende Selbstermächtigung. Nicht zuletzt erinnerten sie daran, „dass das menschliche Leben unverfügbar ist, dass Krankheit und Tod dazu gehören und unsere Gesellschaft Schaden nimmt, wenn wir sie an den Rand zu drängen versuchen, so Steinmeier. Ich danke denen, die, ob als Seelsorger oder Gemeindeglieder, in der Pandemie den Kranken, den Sterbenden und den Hinterbliebenen zur Seite gestanden haben.“

Dicke Bretter und Dialog

Ein Höhepunkt auf dem ÖKT war die Podiumsdiskussion der Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Luisa Neubauer, Klimaaktivistin von Fridays for Future, Hamburg. Die Herausforderungen der Pandemie, der Digitalisierung und des Klimawandels beträfen alle Menschen und stellten die bisherige Lebens- und Wirtschaftsweise auf eine harte Probe, sagte Merkel. „Es handelt sich um wirklich dicke Bretter, die wir bohren müssen“. Für diese „Menschheitsaufgabe“ brauche es einen Dialog aller Generationen. Der Ökumenische Kirchentag sei dafür der richtige Ort. Gerade die kleinen Beiträge vor Ort sind es, so die Kanzlerin, die zu der Lösung großer Aufgaben beitragen. Sie würdigte den Einsatz von vielen einzelnen Kirchengemeinden in Fragen des Klimaschutzes. Natürlich müsse mehr getan werden. 

Merkel betonte, dass das Bundesverfassungsgericht klar gestellt habe, dass der Gesetzgeber eine Pflicht hat, drohende Einschränkungen kommender Generationen zu begrenzen. Die Bundesregierung habe daher strengere Ziele festgesetzt. Alle, Industrie- wie Schwellen- und Entwicklungsländer, müssten weltweit die Treibhausemissionen reduzieren und die Lasten müssten gerecht verteilt werden. Rasches Handeln sei ebenso im Blick auf die Artenvielfalt geboten. Sie sei global gefährdet. Sie forderte eine Trendwende für einen globalen Artenschutz. „Der Landwirtschaft kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.“

Klimaaktivistin Luisa Neubauer  hatte diese Verfassungsbeschwerde mit Mitstreitern gegen die Regierung eingebracht. Die Bundesregierung habe über Jahre die Klimakatastrophe voran gebracht, klagte sie an. Sie sprach von einem Vertrauensbruch der Regierung der Bevölkerung gegenüber. Sie begrüßte die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes. Nun spiele die Zukunft eine offiziell legitimierte Rolle in der Debatte. Nun herrsche eine neue und andere Art von Ehrlichkeit und Transparenz. Es ginge um Taten im hier und jetzt. Emissionsreduktionen müssten jetzt umgesetzt werden.  

Vielen Erwartungen lagen auf den konfessionellen Gottesdiensten  am Samstagabend. Gegen Kritik aus dem Vatikan wurde eine „ökumenisch sensible“ Form von Eucharistie und Abendmahl gefunden und durchgeführt. Beeindruckend dabei, das Schuldbekenntnis des Katholischen Stadtdekans und die konsequente gegenseitige Einladung (lesen Sie dazu Seite 6).

Zum Abschluss der rund hun-dert digitalen Veranstaltungen des 3. ÖKT und der knapp 400 gemeldeten dezentralen Angebote zogen Veranstalter und gastgebende Stadt ein positives Resümee. Trotz der technischen Probleme konnten während der Durchführung etwa 160.000 Besucher auf der Website verzeichnet werden. (Lesen Sie auch die Seiten 4, 6,7).