„Theologie der Hoffnung“ der Welt zugewandt

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Editorial im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Chefredakteur Martin Beck-Baier

Als ich 1985 begann Theologie zu studieren, zog mich das neu erschienene Buch „Gott in der Schöpfung – Ökologische Schöpfungslehre“ des Theologieprofessors Jürgen Moltmann in den Bann. „Was bedeutet der Glaube an Gott den Schöpfer und diese Welt als seine Schöpfung angesichts der fortschreitenden industriellen Ausbeutung und der nicht wieder gutzuma-chenden Zerstörung der Natur?“, war seine Frage. Das war genau die Frage, die meine Generation damals – neben der Abrüstungsdebatte und dem Frieden für die Welt – bewegte. 

Als ich knapp zehn Jahre später im zweiten kirchlichen Examen in Ansbach in der mündlichen Prüfung nach für mich prägende evangelische Theologen gefragt wurde, nannte ich natürlich unter anderem Moltmann mit seiner ökologischen Schöpfungslehre. „Ja, das ist ja gar nicht mehr aktuell und ganz überholt“, musste ich mir vom Prüfer sagen lassen.

Nun ist Jürgen Moltmann 95 geworden und Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm ist – Gott sei dank – anderer Meinung als der landeskirchliche Prüfer. Bedford-Strohm würdigt Moltmann als prägend und weltweit anerkannt wegweisenden Theologen. 

Moltmanns „Theologie der Hoffnung“

Moltmanns Theologie sei eine „Theologie der Hoffnung“, die das Persönliche und das Politische miteinander verbindet, sagte der Bischof. Moltmann könne über das Sterben und das Leben nach dem Tod ebenso substanziell und berührend schreiben wie über Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung. Gemeinsam mit seiner verstorbenen Frau, Elisabeth Moltmann-Wendel, habe er vielen jungen Theologinnen und Theologen „das Tor zur Welt geöffnet“. In alledem sei Moltmann „immer zuerst Mensch geblieben“. 

Moltmann wurde 1926 in Hamburg geboren. Er lehrte von 1967 bis zur Emeritierung 1994 Systematische Theologie und Sozialethik an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen. Weitere bekannte Werke sind „Der gekreuzigte Gott“ (1972) und „Kirche in der Kraft des Geistes“ (1975). 2017 wurde er mit dem „Tutzinger Löwen“ der Evangelischen Akademie ausgezeichnet, der für Toleranz und Weltoffenheit verliehen wird. 

Ich jedenfalls finde seine ökologische Schöpfungslehre, in einer Zeit in der wir uns große Sorgen um den Klimawandel machen, aktueller als je zuvor.