Das Kind vereint Menschen der ganzen Welt

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International-Fränkische Krippe aus Fürth-Poppenreuth
Poppenretuher Krippe mit fränkischer und internationaler Besetzung. Foto: Bernd Holpert

Poppenreuther Krippe zeigt Figuren aus Franken sowie aus der Missionspartnerschaft

Eine typisch fränkische Krippe steht in der Poppenreuther Kirche St. Peter- und Paul im Altarraum. Typisch fränkisch? Ja und doch wieder nicht. Jedenfalls nicht nur. 

Hier begegnen sich Tradition und Weltoffenheit, Franken und die Eine- Welt, Reichtum und Armut, Geschichte und Moderne: 

An der Poppenreuther Krippe versammeln sich ein  Knoblauchsländer Bauer mit seiner Frau in Kirchgangstracht, neben Figuren aus den Partnergemeinden in Peru, Tansania und Papua-Neuguinea. Auch Personen, die in Vergangenheit und Gegenwart eine Rolle in der Gemeinde spielen sind hier vor dem Stall zu finden. So stehen der Markgraf von Ansbach, der Bischof von Bamberg und ein reicher Nürnberger Ratsherr – die drei Herrschaftsbereiche prägten die Poppenreuther Historie – neben einer Flüchtlingsfrau aus Syrien an der Krippe, eine Person aus dem aktuellen Gemeindeleben.

Alles begann mit Mottenfras und einem glücklichen Zufall. Zunächst standen nämlich Stofffiguren unter der Kanzel. Die Idee wurde geboren, Holzfiguren von Schnitzer Kurt Schubert aus Wilhermsdorf anfertigen zu lassen. Er hatte zuvor schon ein Krippengebäude nach dem Vorbild der Poppenreuther Pfarrscheune gebaut. 

Die ganze Welt in einer fränkische Krippe

Der Gedanke, dass sich die ganze Welt an der Krippe versammelt, wird von sechs Krippenfigurenunikaten transportiert: 2016 fand die Flüchtlingsfrau mit Hidschab und Koffer aus Syrien den Weg in die Weihnachtskrippe. „Sie passt gut zur Weihnachtsgeschichte. Auch Maria und Joseph suchten und fanden in Bethlehem eine Herberge. Später mussten sie, um dem Jesuskind das Überleben zu sichern, vor den Schergen des Königs Herodes nach Ägypten fliehen“, heißt es in einem Flyer der Kirchengemeinde, der die Krippe erklärt. „Da unser Kindergottesdienst eine Kindergruppe in Südamerika unterstützt, reiht sich unter die Krippenbesucher ein Indiomädchen aus den Anden, das in ihren Armen ein Lamajunges versorgt. “

Für die Figur des Mannes aus Papua-Neuguinea, in traditioneller Stammeskleidung machte sich Bildschnitzer Schubert eigens nach Neuendettelsau auf, um dort im Missionswerk Anregungen zu finden, wird weiter erzählt. 

Deutlich wird aber auch Wert auf den regionalen Charakter der Krippe gelegt. So kommen ein Knoblauchsländer Bauer in der Tracht des 18. Jahrhunderts mit Dreispitz und einer ro-

ten Weste bekleidet, sowie eine Bäuerin in Poppenreuther Tracht mit Kartoffelsack und ihrem Leiterwagen voller Gemüse zum Stall gefahren. Sie trägt einen schwarzen Rock und violettes Tuch, wie es bei Protestantinnen in Franken üblich war. Dazu trägt sie eine Bänderhaube, die mit ihrem bestickten Spiegel nach hinten über einem Haarknoten getragen wurde.

Den  Flyer haben Michael Wittmann und Jörg Sandreuther verfasst. Die Kirchenvorsteher haben sich besonders um die Krippe gekümmert, beziehungsweise kümmern sich noch. Denn sie wächst aktuell weiter, obwohl kurz vor Weihnachten im Jahr 2018 Kurt Schubert starb, als er gerade an einem Taubenschlag für die Krippe gearbeitet hatte. Den Schöpfer der Gruppe ehrt nun die Kirchengemeinde mit einer weiteren traditionellen Figur: Zur Erinnerung an den verstorbenen Figurenschnitzer ließ die Gemeinde einen „Leichenbitter“ mit den Zügen Kurt Schuberts anfertigen.

Auf die vorsichtige Anfrage bei seiner Witwe, ob sie eine solche Darstellung angesichts der Trauer angemessen fände, gab sie zur Antwort: „Das hätte Kurt gefallen“.

Welche Theologie die Krippe weitergibt

Auch theologisch macht diese Figur in einer Krippe Sinn. „In jeder Weihnachtskrippe ist die Vorstellung enthalten, dass das Holz der Krippe schon auf den Stamm des Kreuzes hinweist. Bereits die Geburt des Jesuskindes deutet die Erlösungstat des Gekreuzigten Christus am Kreuz von Golgatha voraus. Damit schließt sich der Kreis“, beschreiben die Poppenreuther den Sinn des Leichenbitters in ihrer Krippe. Bevor es üblich wurde den Tod und den Termin für die Beerdigung durch Traueranzeigen in der Tageszeitung bekannt zu machen, übernahmen Leichenbitter diese Aufgabe. Diese Tätigkeit war immer auch mit der Funktion des Hochzeitladers verbunden. Diese Figur steht an diesem Weihnachten erstmals in der Krippe.

„Somit wird in der Poppenreuther  Krippe Wirklichkeit, was der christliche Glaube erhofft: das Christuskind ruft und vereint Menschen der ganzen Welt“, ergänzt  Pfarrer Benedikt Bruder.