Türmomente im Leben

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Adventliche Andacht zum Psalm 24 von Elisabeth Hann von Weyhern, Regionalbischöfin im Kirchenkreis Nürnberg

Wie oft geht man völlig gedankenlos durch Türen. Einfach so oder mit einem Schlüssel oder an einer Pforte vorbei. Psalm 24 erzählt einen besonderen „Türmoment“. Zuerst ertönt eine Aufforderung: 

„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“ 

Statt aber die Tür sofort zu öffnen, kommt die Gegenfrage: 

„Wer ist der König der Ehre?“ 

Die Antwort darauf lautet: 

„Es ist der Herr stark und mächtig, der Herr, mächtig im Streit“. 

Daraufhin erneut: 

„Machet die Tore weit und die Türen in der Welt hoch, dass der König der Ehre einziehe!“ 

Und wieder die Frage: 

„Wer ist der König der Ehre?“, 

gefolgt vom Bekenntnis: 

„Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre!“

Aus Psalm 24

Eine tolle Szene! Man kann sich sofort in beide Seiten hineinversetzen. Jeder von uns war schon mal vor oder hinter einer Tür gestanden.Und manchmal ist das überraschend schwierig.Wenn man etwa vor der Tür eines Krankenzimmers steht und jemanden besuchen will. Wie wird es wohl sein? Freut sich mein Gegenüber, dass ich komme? Bin ich der Situation gewachsen? 

Oder wenn man zum ersten Mal neu durch eine Tür muss, etwa am ersten Schultag oder im neuen Job. Wie sind die da wohl so? Wie soll ich mich verhalten?

Aber auch hinter der Tür kann es sich unterschiedlich anfühlen. Wer kommt da? Soll ich öffnen? Vielleicht will ich nicht, dass man mich im Krankenbett sieht. Vielleicht will ich gar keine neue Kollegin.

Und dann gibt es ja noch diese anderen „Türmomente“. Wenn man eine Entscheidung treffen muss und innerlich durch eine Tür durchmuss. Oder es klopfen Informationen bei mir an. Womöglich will ich die gar nicht hören, weil sie schlimm sind und meine Welt durcheinanderbringen. Trotzdem muss ich mich damit auseinandersetzen.

Es gibt so unendlich viele „Türmomente“ im Leben. Und allen ist eines gemeinsam: man überschreitet in ihnen eine Schwelle und die Situation ändert sich. Sobald man durch die Tür ist, lässt man das „außen“ hinter sich und muss sich mit dem „innen“ auseinandersetzen. 

Der Psalm beschreibt vielleicht eine Situation aus einem Gottesdienst. Der „Türmoment“ wird darin zu einer Bekenntnissituation. Wer ist der König der Ehre? Es ist der Herr Zebaoth; er ist der König der Ehre! Auch ein Bekenntnis ist eine Schwelle, die man überschreitet.

Das neue Kirchenjahr beginnt am 1. Advent mit diesem Psalm und gibt ihm das als Überschrift. Mit dem nach Psalm 24 entstandenen Lied „Macht hoch die Tür“ wird der Impuls noch verstärkt. Da heißt es in Vers 5: „Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist. Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein.“

Das finde ich gerade jetzt wichtig! Auch, wenn es Vielen von uns aktuell schwerfällt: Stimmen wir nicht in die Kakophonie um uns herum ein! Ich wünsche mir, dass wir immer wieder aufs Anklopfen Gottes hören und unsere Herzenstüren offenhalten – trotz allem oder gerade erst recht! Geben wir Gott die Chance, in unseren Herzen und Leben anzukommen. 

Elisabeth Hann von Weyhern, Regionalbischöfin Kirchenkreis Nürnberg

Gebet: Du liebender Gott, hilf uns genau hinzuhören, wer an unsere Tür klopft. Lass uns für dich und die Menschen um uns herum weit offen sein.Schenke uns Hoffnung und fülle unsere Herzen mit Deiner Liebe. 

Amen.

rotabene
An dieser Stelle schreiben verschiedene Autoren für das Evangelische Sonntagsblatt.