Unser Leben ist ein Fest

261
Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zu einem großen Abendmahl

Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist alles bereit! Und sie fingen an alle nacheinander, sich zu entschuldigen. … Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde.  

  aus Lukas 14, 16–24

Im Internet finden sich originelle Schülerausreden. Seriös: „Sehr geehrte Frau X, abwesenheitsbedingt habe ich an Ihrem Unterricht heute nicht teilgenommen.“ Wahrscheinlich immer passend: „Sehr geehrter Herr X! Ich war gestern in der Pubertät.“ Amüsant, wohl im katholischen Religionsunterricht vorgebracht und laut Internet auch angenommen: „Tschuldigung, Herr X, ich hatte eine Marienerscheinung. Da hab ich natürlich angehalten und zugeschaut.“ Wie ich darauf komme? Auch die zum großen Gastmahl eingeladenen bringen verschiedene Ausreden vor. Während ich bei den Absagen des ersten oder zweiten mich frage, warum das Besehen von Acker und Ochsen zeitgleich mit dem Fest stattfinden muss, so kann ich immerhin die Jungvermählten verstehen und freue mich mit ihnen. Trotzdem gilt: Allen dreien entgeht etwas. Der Gastgeber sagt das große Fest nicht ab. Er lässt die Außenseiter der Gesellschaft einladen, um mit ihm zu feiern. Die würden sich ja nie entschuldigen. Die würden sich so etwas nie entgehen lassen, nehmen alles mit! Das kenne ich gut von der Arbeit mit Bedürftigen in meiner Gemeinde. Das ist zwar ein sehr schöner Moment, als der Knecht wieder losgeschickt wird – aber unterstützt Jesus mit diesem Gleichnis nicht ein Zwei-Klassen-Denken? Erst als die anderen nicht können, zu den Bedürftigen?

Ich denke, es geht Jesus um Prioritätensetzung: Was man sich entgehen lassen sollte und was nicht. Die, die da auf Landstraßen und an Zäunen hausen, würden sich nie so eine Gelegenheit entgehen lassen – während andere zu viele Ablenkungen und Geschafftelhuberei haben, an dem großen Fest teilzunehmen.

Ich kenn das selber. Während in der Kindheit und Jugend jedes Fest was ganz Besonderes war, auf das man sich immer sehr gefreut hat, so hat sich das im Erwachsenenalter verschoben. Feste sind ja auch irgendwie anstrengend. Ich muss einen Anzug anziehen, obwohl ich heut lieber Jogginganzug tragen würde. Vielleicht komm ich spät ins Bett und muss das dann tagelang ausbaden. Und während ich das früher nie getan hätte, habe ich mich bei einigen Festen schon entschuldigt und abgesagt.

Wenn ich dann aber zu Festen gegangen bin, habe ich es nie bereut. Ich kann mich gehen lassen, ich kann feiern, ich muss eben gerade eigentlich nichts. Ich bin eingeladen. Ein Fest ist purer Genuss!

Jesus sieht dieses Absagen eines Festes wohl beispielhaft für unser ganzes Leben: unser Leben ist ein Fest, von Gott geschenkt. Wir sollten das nicht verpassen durch zu
viel Ablenkungen und Geschafftel
huberei. Gott ist der Gastgeber und lädt uns ein. Bei Festen wird geweint, wenn Emotionen hochkommen und es wird getrauert über die, die nicht mitfeiern können. Und das beste irdische Fest kann natürlich nur ein Abglanz von dem sein, was uns einmal dann beim großen Gastmahl im Himmel erwarten wird.

Pfarrer Hannes Schott, Nürnberg, Kabarettist (Weißblaues Beffchen)