Sinn des Glaubens – Einführung in einer Dreiviertelstunde möglich?

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Susanne Borée Editorial in der Frühlingshoffnung

Editorial von Susanne Borée im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Welchen Sinn hat der Glaube? Die Wunder der Schöpfung oder unerklärliche Phänomene in der Welt – schreien sie nicht gerade nach dem Glauben an einen allmächtigen und helfenden Gott? Während immer mehr Kirchen leer bleiben, dafür die Austrittszahlen stark ansteigen und immer weniger junge Menschen christlich sozialisiert sind, begab sich der Physiker Harald Lesch sonntags zweimal für „Terra X“ auf Spurensuche.

Oder ist für Gott in der Welt kein Platz mehr – nachdem die Menschheit den Himmel und das All erobert hat sowie der Urknall als Beginn der Schöpfung entschlüsselt ist? War Gott also nicht früher frei nach Bonhoeffer ein „Lückenbüßer“, um die Schöpfung zu erklären – bevor die Menschheit die Naturgesetze aufklären konnte? Dennoch ist dort trotz einer endlosen Kette an Zufällen alles so fein abgestimmt, als ob es übergreifend geplant wäre.

Oder sind religiöse Erfahrungen eine Projektion unseres Gehirns? Im Selbstversuch ließ sich bei Harald Lesch während einer Meditation im Kernspintomographen eine veränderte und erweiterte Hirnaktivität nachweisen. Dass wir ein Organ dafür haben wie Augen zum Sehen des Lichts: Heißt das, dass Gott wie das Licht existiert?

Nicht wirklich neu sind viele seiner Gedankengänge dazu. Wenn er mir die Physik oder den Sternenhimmel erklärt hat, konnte ich mehr lernen sowie im Vergleich zum Schulstoff besser verstehen und behalten. Aber vieles in den „letzten Fragen“ bringt er zum Punkt. Auch hier arbeitet Terra X mit eingängigen Beispielen und Bildern sowie eindrücklicher Musik. „Glaube und Wissenschaft können nebeneinander existieren“, so Harald Lesch.

Schließlich wagt er sich bis zur Theodizee vor: Gott hat das Leid zugelassen, damit der Mensch sich in Freiheit für das Gute entscheiden kann. Letztlich ist der Glaube für Harald Lesch eine Entscheidungsfrage: Er setzt kreative Energien frei. Zur Bewahrung der Schöpfung in Zeiten der Klimakatastrophe etwa motiviert er uns mehr als Hypothesen vom Zufall. „Für mich ist die Entscheidung ohnehin klar“, so Lesch.

Und welchen Sinn sehen wir für unser Leben? Gibt es eine Antwort, die mehr beinhaltet als den Erhalt unserer Gene? Mehr, als Zufallsmustern eine Deutung zu geben? Erkenntnisgewinn oder Erfahrung von Gemeinschaft? Oder ist es die Kraft, die sich bei der Suche nach dem Sinn entfaltet?