Austausch von Erinnerung und neues Profil für die Zukunft

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Editorial von Chefredakteur Martin Bek-Baier im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Kürzlich wurde das 25-jährige Ordinationsjubiläum von knapp 50 bayerischen Pfarrerinen und Pfarrern gefeiert. Ich war dabei. Eigentlich waren 109 Kolleginnen und Kollegen eingeladen, aber manche fanden keine Zeit – zu viel fordert der Pfarrdienst in der Gemeinde, als dass man für sich Zeit frei machen wollte. Und andere dachten wohl, es sei kein Grund zu feiern.

Die, die kamen, erlebten einen feierlichen und schönen, aber auch einen zum Nachdenken anregenden Gottesdienst. Oberkirchenrat Christian Kopp predigte von der erneuerungswilligen Kirche. Oberkirchenrat Stefan Reimers, Personalchef der Landeskirche, prognostizierte auf der anschließenden Feier, dass es Erneuerung geben muss. Denn, so Reimers, in zehn Jahren wird die Anzahl der Pfarrerinnen und Pfarrer in Bayern nur noch die Hälfte der derzeitigen Anzahl betragen. Und der Rückgang wird noch dramatischer werden. 

Auf der Feier wurden viele Erinnerungen ausgetauscht. Sinn und Unsinn in der Ausbildung im Studium und im Predigerseminar kamen zur Sprache, wie so manche Prüfungserinnerung. Es war eine Zeit, als in der Kirche noch Mancher glaubte mit der Ressource  Mensch, sprich Pfarrernachwuchs, großzügig, also leichtfertig umgehen zu können. Angesichts eines vermeintlichen „Pfarrerberges“ wurden Kolleginnen und Kollegen nicht übernommen, obwohl sie nach unserer Meinung gute Pfarrerinnen oder Pfarrer abgegeben hätten. 

Dabei pfiffen es die Spatzen damals schon von den Kirchendächern und tun sie es auch jetzt noch: Es gibt immer weniger Pfarrerinnen und Pfarrern, bei steigender Anforderung an diesen Berufsstand. Und was nicht alles von ihnen gefordert wird. Es begreift sich so mancher Kirchenvorstand eher als Aufsichtsratsvorsitzender einer aktienorientierten Firma, als als Partner im Ringen um die besten Wege für die Gemeinden und die Kirche als Ganzes. 

Wir stehen im Kirchenjahr kurz vor Himmelfahrt und Pfingsten. An Himmelfahrt hat Jesus Christus die Erde verlassen. Er hat den Jüngern den Geist gelassen, der die Gemeinde, die Kirche, an Pfingsten gründete. Doch leider ist es bei diesem einen Geist nicht immer geblieben. Und so schieden und scheiden sich seitdem viel zu oft die Geister in der Kirche, wenn es um den rechten Weg geht. Jedoch: Es geht künftig – ja jetzt schon – nur noch miteinander in einem Geist.