Auch im Scheitern von Gott angenommen

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über Gehorsam und Scheitern

Als gehorsame Kinder gebt euch nicht den Begierden hin, in denen ihr früher in eurer Unwissenheit lebtet; sondern wie der, der euch berufen hat, heilig ist, sollt auch ihr heilig sein in eurem ganzen Wandel. Denn es steht geschrieben (3. Mose 19, 2) „Ihr sollt heilig sein, denn ich bin heilig“. Und da ihr den als Vater anruft, der ohne Ansehen der Person einen jeden richtet nach seinem Werk, so führt euer Leben in Gottesfurcht, solange ihr hier in der Fremde weilt; denn ihr wisst, dass ihr nicht mit vergänglichem Silber oder Gold erlöst seid von eurem nichtigen Wandel nach der Väter Weise, sondern mit dem teuren Blut Christi als eines unschuldigen und unbefleckten Lammes.

1. Petr. 1, 14–19

Ich mag ja Instagram – ich verbringe da viel Zeit und manches inspiriert mich. Manches aber ertrag ich nur schwer, nämlich wenn ich sehe, was andere immer alles schaffen: kreative Arbeit, Selbststudium, tägliche Termine, lässig mit Kaffee in der Hand – alles dokumentiert in Fotos. Wie schaffen das alle anderen? Und wieso schaffe ich das alles nicht? Unter dem Hashtag „mehrrealitätauf­instagram“ versuchen dann manche zu zeigen, wie es bei ihnen „in der Realität“ ausschaut. Aber auch das frustriert. 

Und der Blick in die Bibel macht den Anspruch an mein Leben nicht gerade einfacher: Sei heilig! Im 1. Petrusbrief wird klar: Um heilig zu sein, muss ich ganz schön was leisten. Nüchtern sein, Neid ablegen. Nicht übel nachreden, barmherzig und demütig sein – um nur ein paar Eckdaten zu nennen.

Wie gut, dass es die „Fastenzeit“ gibt – vielleicht komme ich hier dem heiligen Lebensanspruch des 1. Petrusbriefes näher. Also: kein Alkohol, kein Neid, keine Schokolade. Das mag sieben Wochen gutgehen, spätestens am Ostersonntag schlemme ich dafür. Bin ich echt so verloren in den Ansprüchen an mich? 

Bei Instagram will ich allzu optimierten Lebensentwürfen „nicht mehr folgen“. Mir geht’s so besser. Aber was mache ich mit dem 1. Petrusbrief? Ich kann ja nicht diesen biblischen Text einfach ignorieren, weil mir Teile seines Inhalts nicht passen. Ja, der Autor des 1. Petrusbriefes macht einem nichts vor: Der heilige Wandel ist für ihn der zu wählende Lebensweg. Aber, was ich dankbar lese, ist: „denn ihr wisst, dass ihr […] erlöst seid“ (1, 18) Wie eine Überschrift steht dieses Versprechen neben der Aufforderung zum heiligen Leben. 

Und das Scheitern ist schon mit eingeplant: In der Zusicherung, dass die Erlösung unvergänglich mit dem „Blut Christi“ (1, 19) jedem einzelnen sicher ist. Das heißt beim Fastenbrechen am Ostersonntag nach sieben Wochen heiligem Streben ist der Moment meiner größten Schwäche zugleich der Moment meiner größten Erlösung. 

Und trotzdem muss ich mit Ansprüchen an mein Leben, die ich nicht schaffe, irgendwie klarkommen. Da sichert mir Gott zu, dass mein Scheitern in seinen Augen in Ordnung ist. Aber für einen selbst ist es trotzdem oft noch schwer. Aber ich kann sie sammeln, die Ansprüche, die ich nicht erreichen kann und sie Gott hinlegen. Weg von meinen Schultern zu seinen Füßen. 

Pfarrerin Dr. Rebecca Scherf, Amberg