Durchbruch durch die Wolken

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Inge Wollschläger, Evangelisches Sonntagsblatt aus Bayern
Inge Wollschläger, Mitglied der Redaktionskonferenz im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern, Hintergrundbild von Erich Kraus.

Editorial von Inge Wollschläger im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Ich bin in den Winterferien in den Süden geflogen. Das war sehr aufregend für mich, weil es das erste Mal nach über 20 Jahren war, dass ich wieder in einem Flugzeug saß. Und es war auch das erste Mal, dass ich von der klirrender Kälte in warme Gefilde flog. 

Fliegen wird in diesem Leben sicherlich nicht mehr zu meinen Lieblingsbeschäftigungen zählen. Zwar weiß ich, dass Fliegen eine statistisch sichere Fortbewegung ist. Aber nur, bis es dann ruckelt und schaukelt … 

Gleichzeitig gibt es aber immer einen Punkt, an dem ich ganz still und freudig werde. Das ist der Augenblick, wenn wir aus einem grauen Himmel mit vielen Wolken durch eine nächste Schicht Wattewölkchen fliegen. Und im nächsten Augenblick  scheint die Sonne und der Himmel ist blau. Das ist ein bisschen wie Magie. Und ich kann kaum glauben, dass der Himmel ja eigentlich immer blau ist. Und dass nur – von unten betrachtet – die Wolken die Sicht darauf versperren. 

Wenn sich Wolken vor unsere Gedanken und Gefühle legen, können wir auch oft nicht glauben, dass wir mehr sind als all das Graue. Wir halten uns so oft für eine „bedeckte Gemütslage“. Dabei ist dahinter immer und immer wieder alles Helle, die Sonne und der strahlend blaue Himmel. 

In der Augustinerkirche in Würzburg steht der kurze Satz, der dem heiligen Augustinus zugesprochen wird. „Ich will, dass du bist!“

Daran dachte ich im hellen Sonnenschein im Flieger. „Ich will, dass du die Sonne und den blauen Himmel immer in dir erkennst“, so schienen die Worte für mich weiterzugehen. „Ich will, dass du weißt, dass du so viel mehr bist, als trübe Gedanken und graue Wolken, die sich vor dein Gemüt schieben. Mach dich nicht klein. Entfalte dich!“

An diesem Flugtag in den Süden galten diese Worte mir. „Ich will, dass du bist. Du bist gewollt und willkommen.“

In 8.000 Metern über dem Meeresspiegel fand ich das sehr ermunternd und tröstlich: Der blaue Himmel, die strahlende Sonne. Es schien wie eine Liebeserklärung in diesem Augenblick an mich zu sein. 

Und auch wenn ich mehr bin als meine Gedanken, war ich sehr froh, etwas zu haben, über das ich ein wenig grübeln konnte. So registrierte ich die Luftturbulenzen und das Schaukeln des Fliegers nur am Rande.