Geh mit Gott, aber geh!

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern über anstrengende Gäste

Und Naaman kehrte zurück zu dem Mann Gottes samt seinem ganzen Gefolge. Und als er hinkam, trat er vor ihn und sprach: Siehe, nun weiß ich, dass kein Gott ist in allen Landen außer in Israel; so nimm nun eine Segensgabe von deinem Knecht. Elia sprach zu ihm: Zieh hin mit Frieden! aus.

2. Könige 5, 9–15+19a

„Geh mit Gott, aber geh!“ – das denken wir manchmal, wenn ein anstrengender Gast endlich wieder unser Haus verlässt und sich auf dem Heimweg macht. „Geh mit Gott, aber … geh!!!!!“, denkt sich Paul. Uff, endlich ist er weg, die Nervensäge. Klar, schön wars schon, der gemeinsam verbrachte Nachmittag. Schön wars schon, die geteilten Geschichten und Anekdoten von früher, aus Kinder- und Jugendtagen. Aber: es war zugleich auch extrem anstrengend, dieser Nachmittag. Immer wieder hat er angefangen mit seinen Wehwehchen und den Zipperlein. Es zwickt hier, es juckt da. Hier tuts weh, und dort. Eheprobleme, Schwierigkeiten mit den pubertierenden Kindern. Im Job läufts auch nicht rund. 

Immer wieder das Gleiche. Schließlich ist man ja selbst in einer ähnlichen Lage. Keiner wird jünger und jeder hat seine oder ihre eigenen Probleme, die kleinen und auch die großen. Doch jetzt geht er, endlich. „Geh mit Gott, aber geh!“.

Was hier so sprichwörtlich daher kommt, formuliert der Prophet Elisa so: „Zieh hin mit Frieden!“ Naaman war zu ihm gekommen, um sich Rat zu holen. Um wieder heil zu werden. Um die Schatten seiner Vergangenheit hinter sich lassen zu können. Naaman, der Feldhauptmann des Königs von Syrien, besucht Elia, den großen Propheten, und hofft auf Heilung, auf Heilwerden an Leib und Seele. Elia schickt ihn zuerst weg, hin zum Jordan. Als Naaman zurückkommt, dann – so stelle ich es mir vor – reden sie; darüber, wie alles weitergehen könnte. Sie reden den ganzen Abend. Schenken sich etwas Leckeres zu trinken ein, vielleicht einen Wein. Bis der Abend zu Ende und es Zeit ist aufzubrechen. „Zieh hin mit Frieden!“, gibt Elia dem Naaman mit auf den Weg.

„Geh mit Gott, aber geh!“ Uff, das war ein anstrengender Nachmittag und Abend. Vor allem ein bestimmter Satz hatte es in sich, den der Besuch gesagt hat: „Wie soll das nur weitergehen mit mir?“ Ehekrise, Probleme im Job, anstrengende pubertierende Jugendliche zuhause, angehende Depression. Die beiden reden, Paul und sein Besuch. Sie reden über Gott und die Welt. Darüber, wie das alles weitergehen könnte. Ob ein Jobwechsel gut wäre, oder eine Eheberatung, oder eine Therapie. Sie reden, trinken etwas Gutes, ein Bierchen und noch einen Espresso.

„Geh mit Gott, aber geh!“ – das kann man ja auch anders hören oder sagen. Nach dem Motto „Geh deinen Weg, mit allen Höhen und Tiefen, aber geh und bleibe nicht stehen. Trau dich, weiterzugehen, weiterzumachen. Ich helfe dir. Ich bin dein Vertrauter. Ich stehe zu dir und stehe das mit dir durch. Und Gott geht auch mit.“ Paul hat das seinem Besuch signalisiert. Elia hat das Naaman spüren lassen. Jemand öffnet sich, erzählt frei von der Leber von einer belastenden Situation. Zwei Menschen kommen sich nahe. Und Gott ist da mitten dabei. Dann ist Heilung, Heilsein, möglich. „Zieh hin mit Frieden!“

Pfarrerin Stephanie Mages, Nürnberg Worzeldorf,

landeskirchliche Beauftragte für Kirche und Sport

Gebet: Du schenkst uns Zeit miteinander. Du schenkst uns neue Perspektiven. Du gehst mit uns unseren Lebensweg und wir dürfen uns deine Kinder nennen, Schwestern und Brüder. Amen.

Lied 258: Zieht in Frieden eure Pfade