„Mach Ernst und ändere dich!“

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern zum Beginn der Adventszeit von Mission EineWelt

„Schreib an den Engel der Gemeinde in Laodizea: ›So spricht der, der das Amen ist, der treue und wahrhaftige Zeuge, der Anfang von Gottes Schöpfung: Ich kenne deine Taten. Du bist weder kalt noch heiß. Ach, wärst du doch kalt oder heiß! Doch du bist lauwarm, weder heiß noch kalt. Darum will ich dich aus meinem Mund ausspucken. Du sagst: Ich bin reich, habe alles im Überfluss und mir fehlt es an nichts. Dabei weißt du gar nicht, wie unglücklich du eigentlich bist, bedauernswert, arm, blind und nackt. … Alle, die ich liebe, weise ich zurecht und erziehe sie streng. Mach also Ernst und ändere dich. Hör doch! Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten. Ich werde mit ihm das Mahl einnehmen und er mit mir. 

aus Offenbarung 3, 14–20 (BasisBibel)

Ist das nicht ein paradiesischer Zustand, wenn man von sich sagen kann, „ich habe alles im Überfluss und mir fehlt es an nichts“? Ist das nicht das, wovon wir träumen und was wir uns wünschen? Gibt es etwas Schöneres, gerade in der vor uns liegenden Adventszeit, als sich zufrieden mit der gut gefüllten Plätzchendose auf dem Sofa einzurollen, besinnlich die Kerzen anzuzünden und sich zu sagen, „alles gut, mir fehlt es an nichts“? 

Wie störend und eigentlich sogar verstörend wirkt dieses „Nein!“ von Johannes aus dem Buch der Offenbarung. Nein, in diesen Zeiten ist das gar nicht gut! Es macht Dich zu bequem und zu entspannt. Du verlierst darüber den Blick auf das, was heute wirklich wichtig ist. Du hast es Dir auf Deinem Sofa zu gemütlich eingerichtet und übersiehst dabei völlig, wie es Deinen Mitmenschen geht, die eben nicht im Überfluss leben. Schlimmer noch, es macht Dich „bedauernswert, arm, blind und nackt“. Und das, so rufen uns diese Worte hitzig zu, das können wir uns gerade nicht leisten! „Du sollst klar sehen können!“ Nein, kein lichterglanzverschleierter Blick ist jetzt angebracht, sondern „mach also Ernst und ändere dich.“ 

Wie spannend, denn ein ähnlich intensives apokalyptisches Gefühl steckt nicht wenigen Menschen angesichts der vielen Krisen heute ebenso in den Knochen. In Zeiten des Krieges im Osten Europas, angesichts von Millionen Flüchtlingen, von Dürresommer und Fluterfahrungen, von weltweitem Hunger sowie dem Drohszenario einer Klimakatastrophe, beschleicht viele ein apokalyptisches Grundgefühl. So viele Krisen auf einmal, wie soll man damit umgehen? Wer könnte nicht verstehen, dass manch einer gerne all diesen Krisen die Tür vor der Nase zuschlagen möchte? Bleibt draußen, ich will Euch nicht sehen! 

Die Adventszeit in diesem Jahr mutet uns diese Spannung zu: Zwischen der Sehnsucht nach dem Heil-Sein und der Zerrissenheit der Welt. Aber Gott sei Dank schimmert die Hoffnung durch die spaltbreit geöffnete Tür. Sie kommt von dem, der draußen vor der Tür steht und anklopft: Jesus Christus. An Weihnachten feiern wir, dass er in unsere krisengeschüttelte Welt kommt, damals und heute. Er tritt in unser angstgeplagtes Leben. Und das ist unsere Hoffnung: Mit Jesus Christus an unserer Seite sind wir nicht überfordert. Wir können eine klare Haltung einnehmen und mutige Entscheidungen treffen. Denn bei allem, was wir tun, sind wir nicht allein. Mit jeder Kerze, die wir am Adventskranz anzünden, strahlt der Hoffnungsschimmer heller. Advent, das heißt Ermutigung durch Gottes Ankunft. Advent, das heißt hoffnungsstark zu bleiben.

Dr. Gabriele Hoerschelmann und Hanns Hoerschelmann,

Direktorenehepaar von Mission EineWelt