Bier und Babysocken stiften Gemeinschaft

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Babysöckchen aus Floß für die Täuflinge mit persönlichem Gruß. Foto: Privat
Babysöckchen aus Floß für die Täuflinge mit persönlichem Gruß. Foto: Privat

Ehrenamtspreis der bayerischen Landeskirche prämiert sechs ehrenamtliche Initiativen

Besonders inspirierende Projekte mit Ehrenamtlichen hatte die Evangelisch-Lutherische Landeskirche in Bayern in diesem Jahr ausgezeichnet. Dabei engagieren sich aktuell  140.000 Frauen und Männer ehrenamtlich in den 1.536 evangelischen Kirchengemeinden in Bayern. Sechs Initiativen – aus jedem bayerischen Kirchenkreis eine – erhalten in diesem Jahr den Ehrenamtspreis der bayerischen Landeskirche. 

Das „Täubla“ im Kirchenkreis Bayreuth etwa ist eine Kneipe für junge Erwachsene in Naila. Dort fiel vor rund vier Jahren den Gemeinden auf, dass es für junge Erwachsene keine Möglichkeit für Treffen gab. Sie sollte niederschwellig sein, am neutralen Ort und selbst verwaltet. „Das klingt wie eine Kneipe“, meinte ein Teammitglied bei einem ersten Sondierungsgespräch. Gesagt, getan – ein leerstehender alter Gasthof war schnell gefunden. 

Die Renovierung bedeutete dann doch einen beachtlichen Aufwand, so Philipp Mauer, der von Anfang an mit dabei war. Die örtlichen evangelischen Gemeinden, Dekan Andreas Maar und Regionalbischöfin Dorothe Greiner unterstützen das Projekt genauso wie der Christliche Verein Junger Menschen (CVJM) und die Landeskirchliche Gemeinschaft. 

Sie gründeten zusammen den Verein „Hoffnung und Malz e.V.“ Er sollte verantwortliche Strukturen für das „Täubla“ schaffen. Einrichtungsgegenstände und sogar eine Küche erhielten die inzwischen rund hundert Engagierten des Vereins billig oder gar umsonst. Etwa 40 von ihnen engagieren sich regelmäßig Samstagabends im Thekendienst: Idealerweise sind vier Menschen vor Ort. Schließlich soll neben dem Bierchen Zeit sein für Gespräche. Bis zu 50 Menschen finden dort Platz. Gut gefüllt sei das „Täubla“ immer, so der Vereinsvorsitzende Mauer.

Neue Willkommenskultur

Ebenso gut ist die Nachfrage an den „Escape-Room“ in Diedorf bei Augsburg, bestätigt Christa Papke. Im Reformationsjahr hatte sie zusammen mit ihrem Ehemann und einigen Gleichgesinnten diese Idee für einen „Luther-Escape“ verwirklicht. Ein Team muss gemeinsam Rätsel und Aufgaben lösen, um den Reformator zu retten. Die Hütte mit dieser Ausgestaltung wanderte vom Augsburger Marktplatz in die Kirchengemeinde. Während der Corona-Zeit verwirklichte das Ehepaar Papke eine Idee zum Exodus. Diesmal mussten die Teilnehmenden ins Gelobte Land hineingelangen.

Immer wieder melden sie interessierte Kleingruppen. Sie vereinbaren einen Termin mit Christa Papke, die sie bei den Aufgaben begleitet. Interessant ist es für die Erzieherin, wie Mitglieder in neuen Gruppen aber auch in altbewährter Familienformation sich dabei unterstützen, um die Aufgaben zu lösen. Auch diese Idee ist hervorragend geeignet, um mit eher kirchenfernen Menschen ins Gespräch zu kommen. Oft kommen Menschen, die um die 40 sind, auf Christa Papke zu, die auch kirchenmusikalisch engagiert ist.

Kirchenvorsteherin Tanja Sauer aus Alesheim bei Nürnberg wiederum brachte mit ihrer Gemeinde Dutzende Geflüchtete aus der Ukraine im leerstehenden Pfarrhaus unter. Und das ganz ohne Pfarrer, denn die Stelle war und ist vakant. Ein Busfahrer aus der Gemeinde brachte zunächst 25 Geflüchtete nach Franken. Schnell mussten Möbel und Matratzen, Bettzeug und Lebensmittel zur Verfügung stehen. „Es gab noch nicht einmal Lampen an der Decke“, so Sauer. 

Das Wunder geschah: Innerhalb eines Wochenendes war das Pfarrhaus möbliert und empfangsbereit. Auch viele Privatpersonen nahmen Geflüchtete auf. So konnte der Bus noch einmal fahren und wieder Geflüchtete von der polnischen Grenze holen. Aktuell wohnt noch eine ukrainische Familie im Gemeindehaus.

Auch die Sprachkurse liefen von Ostern bis zu den Sommerferien mit Ehrenamtlichen – teils in drei Gruppen. Besonders zeitaufwendig waren aber die Behördengänge mit allerlei Anträgen, erinnert sich Sauer.

Mit dem „Willkommensgruß“, einem Paar selbst gestrickter Babysöckchen, besucht der evangelische Frauenbund Floß im Dekanat Weiden i.d. Opf. frisch Getaufte mit
ihren Familien. Gerade für neu Zugezogene kommen durch diesen Besuch erste Kontakte und Begegnungen zustande, hat Christa Riedel vom Vorstand des örtlichen Frauenbundes erfahren. Gleichzeitig laden die Besucherinnen vom Vorstandsteam des Frauenbundes die neuen Erdenbürger und ihre Familien zum Wichteltreff ein, der seit durchgängig 35 Jahren besteht. Durch diesen persönlichen Kontakt können sie die Familien auch ansonsten auf die Angebote der Kirchengemeinde aufmerksam machen. 

Theater und Posaunen

Ein weiteres ausgezeichnetes Projekt ist das Kirchentheater „Violett im Blauen Land“ der örtlichen Christuskirche Murnau bei München. Es spielt in 13 Szenen die Geschichte der Christuskirche und allgemein der Evangelischen Kirche nach. Seit Juni 2021 probte die Gruppe von einem knappen Dutzend Laienschauspielern sowie drei Musikern unter der Leitung des langjährigen Kirchenvorstehers Dieter Kirsch. Viele Mitglieder des Ensembles „waren früher stärker an die Kirche gebunden“, so Kirsch. Doch durch seine gezielte Ansprache gewannen sie ein Stück Heimat zurück. Zum Kirchenjubiläum ein Jahr später ließ es sich dann vier Mal vor vollen Bänken in der Murnauer Kirche aufführen.

Und der ebenfalls preiswürdige Posaunenchor Gerolzhofen im Kirchenkreis Ansbach-Würzburg veröffentlicht seit März 2020 regelmäßig einen musikalischen Sonntagsgruß. Der Posaunenchor spielt regelmäßig einen Choral ein, der mit jahreszeitlich passenden Impressionen bebildert ist und online gestellt wird. Dazu gibt es jedes Mal ein kleines Anschreiben. Der Gruß erscheint aktuell alle zwei Wochen.

Zusätzlich zum Preisgeld von je tausend Euro können sich die Preisträger über ein professionell erstelltes Video oder eine Teammaßnahme freuen. Die Verleihung findet am 3. Dezember statt.