Kultur genießen – Gesellschaft verwandeln

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In der Johanniskirche unweit des Kongresszentrums betreute Annika Müller von der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit Baden die „Dominowelt“
In der Johanniskirche unweit des Kongresszentrums betreute Annika Müller von der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit Baden die „Dominowelt“. Foto: Borée

Suche nach Spuren der Vollversammlung im Leben der Stadt Karlsruhe

„Es hat sich doch gelohnt, dass wir uns aufgerafft haben“, hörte ich eine Frau hinter mir beim Konzert des „Methodist Youth Choir“ aus Indonesien. Die Sänger und Sängerinnen waren wirklich stimmgewaltig! Auf dem Karlsruher Marktplatz hatte die Badische Landeskirche eine Bühne aufgebaut, auf der sich viele internationale musikalische Gruppen für die Bevölkerung ein Stelldichein gaben. Samuel Koch sprach zusammen mit der Badischen Landesbischöfin HeikeKlinghart über „Verletzbarkeiten“.

Auch der zentrale Gottesdienst der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK) zum „Tag der Schöpfung“ am 1. September fand dort öffentlich statt. Die Plätze waren beinahe so gefüllt wie an Weihnachten – viele Zuhörende mussten stehen. Auch dieses Angebot, nicht nur die kulturellen Veranstaltungen nahmen sie gerne an.

Die eigentliche Vollversammlung des Weltkirchenrates fand im Wesentlichen am Kongresszentrum statt. Nur Delegierte und vorher angemeldete Beobachtende hatten Zutritt. Es gab intensive Einlasskontrollen – mit Untersuchung der Taschen und Körperscan. 

Ehrenamtlich Helfende aus Karlsruher Gemeinden und der Region konnten sich am Tag ihres Einsatzes auch auf diesem Gelände umsehen – und taten dies auch durchaus mit Interesse, wie einzelne Gespräche zeigten. Doch ansonsten stand das Treiben auf dem Kongressgelände sehr am Rande des Karlsruher Alltagslebens. Manche zufälligen Gesprächspartner in der Stadt fragten nach dem Zweck dieses Ereignisses. Und dies, obwohl die 11. Versammlung in Karlsruhe erst das dritte Mal in Europa tagte: nach der Gründung 1948 in Amsterdam und 1968 im schwedischen Uppsala.

Auch neben der Bühne auf dem Marktplatz ein eigenes „Kultur- und Begegnungsprogramm“ an verschiedenen Orten der Innenstadt für alle und im Allgemeinen mit freiem Eintritt. Die Programme lagen in der Stadt, aber auch am Bahnhof aus. Gerade am ersten Septemberwochenende war das Programm gut gefüllt. Für eine besondere Stimmung sorgten am Samstag eine Reihe von Jazz-Aufführungen auf dem Marktplatz. Daneben erregte der Fernsehgottesdienst aus Karlsruhe deutschlandweit Aufsehen.

Viele Delegierte der Vollversammlung waren am Wochenende zu Exkursionen bis hoch nach Frankfurt, aber auch ins Elsass oder in die Schweiz unterwegs. Denn auch Kirchen aus Frankreich oder der Schweiz gehörten zu den Gastgebern des Treffens. 

Gesellschaft verändern?

Unweit des Kongresszentrums engagierte sich etwa die Johanniskirche als „Zentrum für die Jugend“. Im Gottesdienstraum dieser Brennpunktgemeinde konnten junge Menschen Dominobahnen aufbauen. An manchen Tagen waren die 30.000 „fast verbaut“, so Jugendreferentin Stefanie Hügin. Und dann wieder „in Bewegung setzen“. Auch Annika Müller von der Evangelischen Kinder- und Jugendarbeit Baden engagierte sich. Daneben gab es einen Fotowettbewerb für junge Menschen zum Thema „Demokratie“, um diesen doch eher abstrakten Begriff ein Bild zu geben. Die Ergebnisse standen erst zum Ende der Vollversammlung an.

Einige der internationalen Kirchengäste nahmen auch an Arbeitsgruppen und Diskussionsforen zu gesellschaftspolitischen Fragestellungen wie den Möglichkeiten gerechter Wirtschaftsformen oder gegen die Klimakatastrophe. Allerdings waren diese Veranstaltungen – so weit feststellbar – leider weniger besucht. Es gab auch eine Demonstration von „Fridays for Future“, die vom Kongressgelände her aufbrach. Leider war es eher ein Grüppchen von höchstens hundert Teilnehmenden. Delegierte der Versammlung prägten die Aktion nicht. 

Viele Verlautbarungen der Vollversammlung engagierten sich gerade gegen den Klimawandel. Das sei schon seit Jahrzehnten ein Thema für den Weltkirchenrat gewesen. Da gibt es weltweit durchaus einige bemerkenswerte Initiativen. Andererseits waren Einwegbecher problemlos an vielen Kaffeeautomaten zu erhalten. Lässt sich wirklich eine tiefgreifende Antwort auf die Fülle der Herausforderungen finden? Es wäre zu wünschen – damit sich dies lohnt.

=> Sonstige Impressionen von der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen