Wer kann den Hunger stillen?

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Jesus aber ging hinauf auf einen Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern. Da hob Jesus seine Augen auf und sieht, dass viel Volk zu ihm kommt. Spricht zu ihm einer seiner Jünger: Es ist ein Knabe hier, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das für so viele? Jesus aber sprach: Lasst die Leute sich lagern. Da lagerten sich etwa fünftausend Männer. Jesus aber nahm die Brote, dankte und gab sie denen, die sich gelagert hatten; desgleichen auch von den Fischen, so viel sie wollten. Als sie aber satt waren, sammelten sie und füllten zwölf Körbe mit Brocken von den fünf Gerstenbroten, die denen übrig blieben, die gespeist worden waren. Als nun die Menschen das Zeichen sahen, das Jesus tat, sprachen sie: Das ist wahrlich der Prophet, der in die Welt kommen soll. Da Jesus nun merkte, dass sie kommen würden und ihn ergreifen, um ihn zum König zu machen, entwich er wieder auf den Berg, er allein.

aus Johannes 6,1–15

Im Supermarkt erlebte ich gestern folgende Szene: „Mama, ich will ein Eis“, tönte es von unten. Ein kleiner Bub, etwa vier Jahre alt, schaute erwartungsvoll zu seiner Mutter auf. Die Mutter befand sich in leichtem Einkaufsstress und sagte: „Du hattest doch gestern erst ein Eis, heute gibt es keins“. „Ich will aber eins“, krächzte es aus dem Mund des enttäuschten Kindes. „Vielleicht morgen“, vertröstete die Mutter. 

Ob der kleine Bub vor dem Mittagessen vielleicht kein Eis essen sollte oder ob es aus Sparsamkeit war, weiß ich nicht. Jedenfalls hatte der Junge Lust auf ein Eis. Er bekam es nicht. Eine Erfahrung, die zu erleben durchaus mal guttun kann. Aber wenn es sein muss, weil der Euro im Portemonnaie fehlt, dann ist die Krise bei den Kleinsten angekommen. Experten in Sachen Wirtschaft und Klima warnen im Zusammenhang mit dem Krieg in der Ukraine vor schweren Zeiten. Hungersnöte und Energiekrisen sind zu erwarten. Täglich werden in den Nachrichten Unheilsbotschaften dazu gemeldet.  

„Wenn doch einer käme, der helfen könnte“, so hofften die Menschen aller Zeiten. Wer kann den Hunger, auch den Hunger nach Frieden, nach Gerechtigkeit, nach Verständigung stillen? Gott beantwortet diese Fragen ganz handgreiflich in den Speisungswundern der Bibel, etwa durch Versorgung mit Wachteln und Manna in der Wüste oder durch Führen in das gelobte Land, wo Milch und Honig fließen. Fünf Gerstenbrote und zwei Fische reichen für Jesus aus, um 5.000 Männer zu speisen. Der Evangelist Johannes macht seinen Lesern mit dieser Heilsbotschaft Mut: Wer zu Jesus gehört, dessen Hunger wird gestillt. Ganz praktisch durch Spenden und Unterstützung in den Gemeinden, bei den Tafeln und in sozialen Einrichtungen, aber auch geistlich durch die Antworten auf die Fragen des Lebens.

Endlich ist da einer, der helfen kann. Jesus soll König werden. Die bei ihm sind, wollen ihn dazu machen. Jesus weiß, dass er auf eine andere Weise König ist. Deshalb entzieht er sich der Menge und bleibt erst mal allein auf einem Berg. Seine Bestimmung ist es, auf Golgatha zum König der ganzen Welt zu werden. Die fünf Brote und zwei Fische sind durch die Zahl Sieben Hinweis auf die Heiligkeit Gottes und auf sein Heiliges Mahl. Hierbei kommt Jesus als der wahre König zu jedem, der Brot und Wein im Glauben empfängt. Hier gibt es Gnade und Trost und Heil für die verletzte Seele. Das ist Nahrung für die Ewigkeit.

Pfarrerin Susanne Memminger, Bayreuth

Lied 579: Kommt, wir teilen das Brot