Zwischen Vergangenheit und Zukunft

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Zur besonderen Feierstunde, 100 Jahre Kirchenkreis Ansbach-Würzburg, sang der Windsbacher Knabenchor im Theatersaal der Evangelischen Bildungsstätte Wildbad Rothenburg. Foto: Bek-Baier
Zur besonderen Feierstunde, 100 Jahre Kirchenkreis Ansbach-Würzburg, sang der Windsbacher Knabenchor im Theatersaal der Evangelischen Bildungsstätte Wildbad Rothenburg. Foto: Bek-Baier

Kirchenkreis Ansbach-Würzburg feierte beim Sommerempfang in Rothenburg 100 Jahre

Beim Sommerempfang der Regionalbischöfin Gisela Bornowski wurde an einhundert Jahre Kirchenkreis Ansbach-Würzburg gedacht und auch Ausblicke in die Zukunft gegeben. Zur besonderen Feierstunde sang der Windsbacher Knabenchor im Theatersaal der Evangelischen Bildungsstätte Wildbad Rothenburg. 

Rothenburg ob der Tauber/Ansbach/Würzburg. Kirchenarchiv-oberrat Daniel Schönwald gab zu Beginn des Sommerempfangs im Wildbad Rothenburg einen knappen Einblick in die gut 100jährige Geschichte des Kirchenkreises Ansbach-Würzburg. 1921 gegründet, wie fast alle anderen Kirchenkreise der bayerischen Landeskirche auch, gab es bereits in den 1930er Jahren tiefschneidende Veränderungen. Es wurde der Kirchenkreis Nürnberg neu gegründet und dessen Gebiet dem bisherigen Kirchenkreis entnommen. Von den damals verbliebenen Dekanaten sind danach nochmals zwei verschwunden, die Dekanate Insingen und Burghaslach. Derzeit besteht der Kirchenkreis aus 19 Dekanaten. „Ich denke, da wird in Zukunft noch Bewegung hineinkommen“, spielte Schönwald auf die bevorstehenden Transformationsprozesse in der Landeskirche an. Er verwies auf die Ausstellung des Kirchenkreises, die zu sehen war.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm hielt einen Festvortrag über „Führen und Leiten in geistlicher Dimension.“ Er stellte zehn Punkte auf, die geistliches Leiten ausmachen. Wichtig sei die Authentizität einer Führungsperson, sie müsse zu dem stehen, was sie sagt. Inhaltliche Klarheit müsse den Mitarbeitenden zeigen, dass die leitende Person hinter den Grundaussagen des Evangeliums stehe. Ebenso müsse die Person fähig zur Selbstkritik sein. Das ziehe sich quer durch die Bibel.

Weitere wichtige Punkte waren Empathie, Kooperation, offener Diskurs, Wertschätzung und sich selbst wertschätzen. Der wichtigste Punkt sei, so der Bischof, „Führen heißt aus der Gnade leben lernen“. Eine führende Person sollte um die Vergebung wissen, allein aus dem Glauben nicht aus den Werken seien wir angenommen und frei. Der Unterschied vom geistlichen Leiten zur weltlichen Leitung sei die Quelle, aus der es sich speist: „Die Botschaft des Evangeliums, die wir leben, sollte sichtbar werden.“

Zukunftsprojekte

Damit der Kirchenkreis bei seiner Jubelfeier auch Aktualität und Farbe zeigen konnte, wurden Zukunftsprojekte exemplarisch und anschaulich vorgestellt. In Schweinfurt entsteht ein neuer Stadtteil: Bellevue. Dort gibt es kein Kirchengebäude und kein Gemeindehaus. Wie kann Kirche dort dennoch präsent sein? Getreu dem Motto „Kirche darf nicht warten, bis jemand zu ihr kommt“ wird dort mit einer Projektstelle versucht, mit „menschenfreundlichem Kontakt Kirche zu leben, wo es keine Kirche gibt“, sagte Diakon Johannes Michalik. Er macht sich auf, herauszufinden, was die Menschen eigentlich von der Kirche wollen und will es zusammen mit ihnen umsetzen. 

Auch mit dem Gedanken „hin zu den Menschen“ arbeitet die Evangelische Jugendarbeit im Dekanat Würzburg. Diakon Timo Richter will Konfirmandenarbeit im ländlichen Raum zusammen mit vier Landgemeinden ein gemeinsames Konfirmandenkonzept anbieten. Es beinhaltet ganze Konfirmandentage, ein Konficamp und Freizeiten sowie spirituelle Begegnungsräume, wie Jugendgottesdienste. 

Positive Zukunftsvision

Die Zukunft spielte weiterhin eine große Rolle auf der Hundertjahrfeier. In einem Anspiel stellten Pfarrerin Isabel Hartmann und Professor Dr. Reiner Knieling zusammen mit Regionalbischöfin Gisela Bornowski die Zukunft der Kirche in 50 Jahren dar. Bornowski begab sich auf eine imaginäre Zeitreise und traf dort im Jahr 2072 Hartmann und Knieling. 

Kurz und gut, es wird eine wunderbare Zeit sein, so die Zukunftsvision. Digitalisierung und Roboter übernehmen einen Großteil der Arbeit der Menschen und so bleibt jede Menge Freizeit, in der man sich umeinander und um besonders Bedürftige kümmern kann. Sozial Schwache werden entweder ehrenamtlich umsorgt oder von gut bezahlten Fachkräften betreut. Eine Bewegung hat die Menschen erfasst, die das Miteinander der Kulturen und Religionen fördert und es sogar lebt. Auch wenn die Konfessionen kaum noch eine Rolle spielen – „ach ja, die gabs mal“ – nimmt das Christentum, so die Zukunftsvisionäre, eine große Rolle in der Gesellschaft ein. „Wir reden viel, wir meditieren miteinander, machen kreative Aktionen und führen schöpferische Dialoge – je nachdem wie uns die Kraft, oder die Energie führt.“ 

Die „göttliche Dimension“

Hoppla, Kraft, Energie? Diese Begriffe beherrschten die Zukunftsvision. In einem Nebensatz fiel die Bemerkung, dass manche schon auch noch in die Kirche gehen – ja, wenn sie eben dort ihre Kraft schöpfen. Und Gott? „Menschen von innerhalb und außerhalb der Kirche kommen zusammen und rechnen alle mit der göttlichen Dimension – ein Vertrauen in die größere Kraft!“ 

Um die Kirche sei es also in 50 Jahren gut gestellt. Man kommt in Gruppen zusammen und wartet nicht mehr auf den Besuch des Pfarrers oder der Pfarrerin. Ob es letztere noch braucht, wurde nicht klar. Aber eines wurde betont: Die Kirchenleitung gibt es noch. Na gottseidank. Ohne gäbe es auch in der Zukunft natürlich nur Tohuwabohu. 

Drastische Veränderungen

Dermaßen bestätigt kam die Regionalbischöfin zuversichtlich wieder zurück in die Gegenwart. Auch wenn der Landeskirche und dem Kirchenkreis in der Gegenwart schmerzliche „Transformationsprozesse“ blühen, sollte an diesem Abend der zuversichtliche Blick sein Recht bekommen. „Gott wird für sein Volk sorgen“, so Bornowski, „wir werden diese Herausforderungen bestehen.“ Da sei sie ganz gewiss, so abschließend die Regionalbischöfin, die die zahlreichen Gäste aus Kirche, Politik und Gesellschaft in den Abend zu Essen und Gespräch mit einem Segen entließ. 

Den Abend gestaltete der Windsbacher Knabenchor musikalisch unter seinem scheidenden musikalischen Leiter Martin Lehmann. Durch das Programm führte der Chefredakteur des Evangelischen Pressedienstes Daniel Staffen-Quandt.