Mit den Augen lächeln

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Dr. Würschtl alias Charlotte Liebelt im Einsatz.
Dr. Würschtl alias Charlotte Liebelt im Einsatz. Foto: Sebastian Höhn/KlinikClowns e. V.

KlinikClowns: Nicht nur zum Fasching auf Visite, aber ideenreich durch die Corona-Zeit

„Wir sind das ganze Jahr über lustig“ – längst nicht nur zur Faschingszeit. Das ist „Dr. Würschtl“ (Foto), alias Charlotte Liepelt wichtig. Seit gut zwei Jahrzehnten ist sie bei den KlinikClowns mit dabei. Egal, ob im Winter, vor Ostern oder im Novembernebel – keine Jahreszeit hält sie davon ab, sich die rote Nase aufzusetzen. Auch der Corona-Zeit setzte sie viele Ideen entgegen. 

Regelmäßig seit 24 Jahren sind mehr als 60 KlinikClowns gerade in Seniorenheimen oder Kinderkliniken auf Visite. Ihre Fähigkeit zu unmittelbarer Begegnung und Ansprache verbreitet heilsame Lebensfreude. Meist sind sie ein oder zwei Tage die Woche vor Ort unterwegs. 

Natürlich kann auch „Dr. Würschtl“ in diesen Zeiten den Senioren in den Heimen oder den Kindern in den Kliniken nicht so mehr nahetreten, „aber wir haben ein so großes Spektrum“. Auch in großen Gruppenräumen oder draußen kann sie ihre ganze Kraft entfalten, wie sie dem Sonntagsblatt erzählen.

Nur mit den Augen zu lächeln, das war für Felix Neuenhoff eine besondere Herausforderung. Mit Maske „geht viel Mimik verloren“: Aber seine Geschichten bleiben. Er ist als „Dr. Heinzz Pipo“ in einer Landshuter Kinderklinik unterwegs und als „Horst Adler“ in Münchner Seniorenheimen. Mit grauem Filzhut, Handwerkerhose, karierter Weste und Hemd zeigt er sich als Aushilfs-Musiker im Hofbräuhaus. „Zur Sicherheit ist er dort schon da“, falls ein Auftritt winkt. 

Beim Einsatz im Seniorenheim wiederum legt er sich gern mit dem Kronleuchter an – jedenfalls im Zimmer einer 103-jährigen Dame, die dies zu bieten hat. „Aber Horst, da kann jetzt wenigstens nicht dein Hut im Leuchter hängen bleiben“ so erinnerte sie ihn, als er während des strengsten Lockdowns mal zum Telefonhörer griff. Schließlich hatte er doch „ein besonderes Verhältnis“ zu ihr. Sonst setzt er auf direkte Visiten.

Auch während des strengen Lockdowns im vergangenen Winter konnte er auf Balkonen oder im Hof präsent sein. Insgesamt bemühten sich die Heime die Visiten von „Horst Adler“ und seiner Kollegin aufrecht zu erhalten. Sie setzten dann auf Musikereignisse mit Gitarre & Co. Aber nicht auf „konzertante“ Musik, sondern auch hier auf eine Begegnung mit den Senioren auf Augenhöhe und mit Blickkontakt. Bekannte Volkslieder oder Schlager veränderten sie mit neuen Anspielungen.

Charlotte Liepelt lernte mit einer „16 Meter langen Hochsee-Angel“ umzugehen – nicht um etwas an den Haken zu bekommen, sondern um den Kindern kleine Luftballons durch die gekippten Fenster zu schicken. Leitern oder ein Schwimmreifen mit Flamingos gehörten zu ihren Außeneinsätzen – während sich die Kinder an den Fenstern die Nase plattdrückten. „Eine große Sehnsucht“ spürte Liepelt da. „Gerade die Senioren haben abgebaut, da überall Anregungen von außen fehlten“, beobachtete sie. Es war ein besonderes Erlebnis, die „Wirksamkeit der eigenen Arbeit so anschaulich präsentiert zu bekommen“.  

„Positive Energie“ schaffen

Die Auftritte tun allen gut – auch dem Pflegepersonal, das ja selbst komplett an der Belastungsgrenze ist. Genauso ihr selbst. Ihre Einsätze haben ihr geholfen, „dass ich mich selbst als Person entwickelt habe.“ Auch außerhalb ihrer Einsatzorte, im ganz normalen Alltag, sucht Charlotte Liepelt nach dem schönen Augenblick, um sich ihm „staunend wie zum ersten Mal zu nähern“.

Die „positive Energie“ durchströmt „Dr. Würschtl“ auch, wenn sie mal selbst nicht so gut drauf ist. Schließlich kann sie sich auf ihr „Handwerkszeug“ verlassen. Mit ihrem Kostüm und der roten Nase zieht sie dieses an.  Selbst in ihrem Alltag, etwa beim Einkauf, probiert sie es aus, nur mit den Augen zu lächeln. Die Fallhöhe sei größer geworden, immer mehr Menschen wundern sich über gute Stimmung.

Doch was hält beim Clown, bei der Clownin zu Hause Leib und Seele zusammen? Dazu veröffentlichte der Verein gerade jetzt im Herbst ein Kochbuch mit genussvollen Lieblingsrezepten. Wie gewinnen sie ihre „Superkraft“ und woraus bestehen ihre roten Nasen? Das lässt sich nun zu selbst zusammenrühren.

Tränen verwandeln

Vor dieser roten Nase „muss niemand sein Gesicht wahren, nichts erklären, sondern wir sind einfach da“, so Felix Neuenhoff. Schon da zeigt sich, wie wenig die KlinkClowns oberflächliche Spaßmacher sind. Statt eines Lachens gilt es auch Tränen auszuhalten: Wenn etwa der Ehemann einer Bewohnerin gerade verstorben ist, sei sein Besuch wie ein „Schwamm“ um den Kummer „aufzusaugen“. 

Selbst auf der Kinderstation kann das plötzlich aufbrechen, wobei er dann gar nicht mal den Grund für die Tränen kennt. Auch für die Eltern löse sich durch seine Auftritte dann ein Knoten, gerade wenn das Kind nur auf sie achte. Und weiter: „Das müssen wir ausstrahlen.“ Dann heißt es jedoch ein feines Gespür dafür haben, was gerade angesagt ist: Bleiben und aushalten, der Situation eine neue Drehung geben oder gehen? 

Die KlinikClowns nehmen ja nicht andere „auf den Arm“, sondern „in den Arm“, so drückt es Charlotte Liepelt aus. Früher konnten sie den Menschen näherkommen, sie auch berühren „miteinander atmen“, ihren Lebensrhythmus aufeinander fokussieren, meint Neuenhoff. Dann löste sich vielleicht eine Erstarrung, eine Reaktion ließ sich erspüren.

„Unser Grundprinzip ist es, den positiven Augenblick zu sehen“, ergänzt Charlotte Liepelt. Und nicht den positiven Test. Denn ohne ein negatives Testergebnis kommen sie gar nicht ins Seniorenheim hinein. 

Da war sie dann auch mal positiv – allerdings durch einen fehlerhaften Test, denn der PCR-Test bestätigte das Ergebnis nicht. Aber da mussten die Senioren vergeblich auf sie warten, bis dies geklärt war. 

Doch bei den aktuellen Regelungen „ist nicht so viel weggefallen“ wie bei den vorherigen Wellen – sie ließen sich mit einem Lächeln in den Augen durchtauchen. Susanne Borée

Spendenmöglichkeit für die KlinikClowns: IBAN: DE94 7016 9614 0000 0459 00, BIC: GENODEF1FSR, Freisinger Bank eG oder online https://klinikclowns.de. Dort ist auch das Kochbuch der KlinikClowns „Genussvoll“ mit 80 Seiten für 14,95 Euro bestellbar, ISBN 978-3-00-070605-9.