Einen fröhlichen Nehmer hat Gott lieb

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht zu Erntedank von Oberkirchenrat Klaus Stiegler, Regionalbischof im Kirchenkreis Regensburg

Ich meine aber dies: Wer da kärglich sät, der wird auch kärglich ernten; und wer da sät im Segen, der wird auch ernten im Segen … einen fröhlichen Geber hat Gott lieb. Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und noch reich seid zu jedem guten Werk … Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit. So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Lauterkeit, die durch uns wirkt Danksagung an Gott … Gott aber sei Dank für seine unaussprechliche Gabe!

aus 2. Kor. 9, 6–15

Kinder aus der Kita kommen mit einem Erntedankwagen. Der ist voll beladen mit Gemüse, Obst und einem Laib Brot. Der Posaunenchor spielt umgeben von Traktor und Pflug. Das Muhen der Kühe mischt sich in unser Singen. Nach dem Gottesdienst lädt die Landwirtsfamilie großzügig zu Kaffee und Zwetschgenkuchen ein. Die Kollekte geht an Brot für die Welt. Wir teilen unsere Ernte und unser Wohlergehen mit Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind, nicht selten jeden Tag um ihr Leben und Auskommen kämpfen müssen. 

Solche Erntedankgottesdienste auf dem Bauernhof berühren mich tief im Herzen. Fester Bestandteil ist auch, dass der Altbauer immer davon erzählt, was in diesem Jahr besonders Kraft gekostet hat, um besondere Herausforderungen zu bewältigen. 

Dazu gehören in diesem Jahr die unfassbaren Wasserfluten, die Menschen in den Tod gerissen, Existenzen gefährdet und die Ernte von Bauern und Weinbauern vernichtet haben. Unerbittlich wurde uns vor Augen geführt, wie zerbrechlich unser Leben und unsere Existenz in dieser Welt ist. Und genauso wurde wieder einmal deutlich, zu welcher Hilfe wir fähig sind.  

Erntedank ist ein wichtiges Innehalten zum Nachdenken über unser Leben. Was vermag ich mit meiner Kraft? Wo brauchen andere meine Hilfe? Wo sind Grenzen unserer menschlichen Möglichkeiten?

Für unseren Glauben beginnt alles damit, dass uns viel gegeben ist. Jeder und jedem. Der Apostel Paulus sagt es so: „Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch reichlich sei, damit ihr in allen Dingen allezeit volle Genüge habt.“ So fängt Gott mit uns an. Er ist ein Anfänger, der nicht knausert mit uns. „All Morgen ist ganz frisch und neu des Herren Gnad und große Treu …“ Auf ihn ist Verlass! „Der aber Samen gibt dem Sämann und Brot zur Speise, der wird auch euch Samen geben und ihn mehren und wachsen lassen die Früchte eurer Gerechtigkeit.“ 

Ja, einen fröhliche Geber hat Gott lieb. Allem voran aber eine fröhliche Nehmerin und einen fröhlichen Nehmer. Was Gott uns schenkt, wächst durch uns hinein in unser Zusammenleben. Mit unserem Reden, Arbeiten und Handeln ist Gott am Werk. „So werdet ihr reich sein in allen Dingen, zu geben in aller Lauterkeit.“ Also: Gehen wir hinein in diesen fröhlichen Wechsel von Nehmen und Geben, von Geben und Nehmen. Mitten im Leben. In den chaotischen Katastrophen und ebenso im unsagbaren Glück. 

Oberkirchenrat Klaus Stiegler, Regionalbischof im Kirchenkreis Regensburg

Gebet: Vater, wir leben von deinen Gaben. Segne das Haus, segne das Brot. Lass uns von dem, was wir haben, anderen geben, in Hunger und Not. Amen.

Lied 648: Wo ein Mensch Vertrauen gibt, nicht nur an sich selber denkt