Was ist verheißen?

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt zum Israelsonntag

Im dritten Monat nach dem Auszug der Israeliten aus Ägyptenland, an diesem Tag kamen sie in die Wüste Sinai. Sie brachen auf von Refidim und kamen in die Wüste Sinai, und Israel lagerte sich dort in der Wüste gegenüber dem Berge. Und Mose stieg hinauf zu Gott. Und der Herr rief ihm vom Berge zu und sprach: So sollst du sagen zu dem Hause Jakob und den Israeliten verkündigen: Ihr habt gesehen, was ich an den Ägyptern getan habe und wie ich euch getragen habe auf Adlerflügeln und euch zu mir gebracht. Werdet ihr nun meiner Stimme gehorchen und meinen Bund halten, so sollt ihr mein Eigentum sein vor allen Völkern; denn die ganze Erde ist mein. 

Exodus 19,1-5

In den letzten Wochen haben viele Konfirmandinnen und Konfirmanden ihr „Ja, mit Gottes Hilfe“ gesprochen. Mit der Konfirmation verbindet sich die Mündigkeit im Glauben, sie ist für viele Jugendliche und ihre Familien das Fest des Erwachsenwerdens. 

Einen Moment des Erwachsenwerdens und des Neubeginns erlebt das Volk Israel nach seiner Rettung aus Ägypten. Am Sinai ist der Zeitpunkt gekommen, ein „Ja“ oder „Nein“ zu Gottes Verheißungen und Geboten zu sprechen. 

Gott hatte schon zuvor gehandelt, aber das Volk war noch zu sehr mit seiner Not beschäftigt. Nun darf es ausruhen, um dann eine Entscheidung treffen zu können. Mose ist der Bote Gottes, der um das „Ja“ des Volkes wirbt und ringt.

Zuvor schon hatte das Volk in der Wüste gemurrt und sich nach der „Rundumversorgung“ in Ägypten gesehnt. Mich erinnert das sehr an das Verhalten Jugendlicher. Auf der einen Seite wollen sie als Erwachsene behandelt werden, auf der anderen Seite sind sie doch gerne einmal wieder Kind, wenn es unbequem wird und Entscheidungen getroffen werden müßten.

Es hat niemand gesagt, dass Erwachsensein und Mündigkeit immer schöne Dinge sind, die man einfach genießen kann.  Gott ist seinem Volk gegenüber ehrlich, er nennt den Kontext, in dem Freiheit und Verantwortung in einem guten Verhältnis zueinander stehen können. Aufmerksamkeit und Treue gegenüber Gott, damit kann man gut leben, wenn auch nicht immer einfach.

Die Jugendzeit für das Volk Israel ist vorüber, jetzt wird gefragt: Mit Gott oder ohne Gott, wie wollen sie in die Zukunft aufbrechen? Wollen sie hören, was Gott zu sagen hat?

Gott nennt das Volk „das Haus Jakob“ und „Israeliten“. Hier ist eine Spannung benannt, in der das Volk Israel und jeder Mensch bis heute lebt, die Spannung von Herkommen und Entscheidung. Beim „Haus Jakob“ geht es um die schlichte Nachkommenschaft, beim Namen „Israeliten“ um Gottes Verheißung – und damit um die Frage nach der Haltung des Menschen Gott gegenüber.

Gott erinnert uns heute wie sein Volk Israel vor über 3.000 Jahren an sein Tun, um für eine gemeinsame Zukunft zu werben. Wo wir die Erinnerung wachhalten, da wird auch die Verheißung bleiben.

Dekan Peter Bauer, Wunsiedel

Gebet:

Großer Gott, du liebst vor unserer Entscheidung. Wir staunen mit allen, die vor uns glaubten, über deine Treue und deine Geduld. Hilf uns, deine Liebe zu erkennen und ihr zu folgen, auch dort, wo sie uns aus unserer Komfortzone führt.Amen.

Lied 602:

Vergiss nicht zu danken