Das Wort vom Kreuz – Eine Torheit?

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Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt über die Schwäche Gottes

Denn das Wort vom Kreuz ist eine Torheit denen, die verloren werden; uns aber, die wir selig werden, ist’s eine Gotteskraft …

Denn weil die Welt, umgeben von der Weisheit Gottes, Gott durch ihre Weisheit nicht erkannte, gefiel es Gott wohl, durch die Torheit der Predigt selig zu machen, die daran glauben. 

Denn die Juden fordern Zeichen, und die Griechen fragen nach Weisheit, wir aber predigen den gekreuzigten Christus, den Juden ein Ärgernis und den Griechen eine Torheit; denen aber, die berufen sind, Juden und Griechen, predigen wir Christus als Gottes Kraft und Gottes Weisheit. Denn die Torheit Gottes ist weiser, als die Menschen sind, und die Schwachheit Gottes ist stärker, als die Menschen sind. 

1. Korinther 1, 18–25

Eine der ältesten Darstellungen von Jesus am Kreuz ist eine Karikatur. In der ehemaligen Wachstube der kaiserlichen Garde auf dem Palatin in Rom entdeckten Archäologen eine grobe Ritzzeichnung. Sie zeigt einen Mann, der am Kreuz hängt. Der Mann hat einen Eselskopf. Vor ihm kniet ein römischer Legionär. Darunter steht der bissige Kommentar: „Alexamenos betet seinen Gott an.“ Wir wissen nichts über diesen Alexamenos – nur dass er zu Beginn des 3. Jahrhunderts römischer Legionär gewesen sein muss und dass seine Kameraden ihn aufgrund seines Glaubens an Jesus Christus verspottet haben.

Ob ihn dieser Spott persönlich getroffen hat? Oder ob er einfach an ihm abgeperlt ist? Die Karikatur des Gekreuzigten mit dem Eselskopf jedenfalls bringt alles damalige Unverständnis gegenüber dem christlichen Glauben auf den Punkt. Ein gekreuzigter Gott! Was für eine Eselei! Es leuchtet nicht ein, wieso ein allmächtiger Gott so etwas mit sich machen lässt. Er müsste doch seine Stärke beweisen. Oder, wie der Gott der griechischen Philosophen, erhaben über den Dingen schweben, unberührbar und unbegreiflich, ein ewiges Prinzip, ewiger Geist. Ein Gott, der Mensch wird, berührbar, verletzlich, sanftmütig, solidarisch mit seinen Geschöpfen, war damals und ist bis heute für viele nicht vorstellbar. 

Eben deshalb haben sich die frühen Christen auch gescheut, Christus am Kreuz dazustellen. Heute hingegen ist das Kreuz so omnipräsent, dass viele es nur noch als ein irgendwie religiöses Ornament oder gar modisches Accessoire wahrnehmen.

Das „Wort vom Kreuz“ hingegen bezeugt den gekreuzigten Christus als „Gottes Kraft und Gottes Weisheit“. Er hat den Tod überwunden und durch seine Auferstehung alles und alle mit in ein neues Leben gezogen. Er ist der Bruder, der solidarisch an unserer Seite bleibt, ja sogar mit und für uns in den Tod geht. Er begegnet uns in jedem Menschen, der leidet.

Wenn wir das auch heute unbeirrt bezeugen, werden wir dafür wohl zunehmend wieder Spott und Unverständnis in Kauf nehmen müssen – hoffentlich aber getragen vom Vertrauen auf die Kraft und Weisheit Gottes.

Pfarrerin Christiane Maag, Coburg

Gebet: Jesus Christus, gekreuzigter und auferstandener Herr, mach uns zu glaubwürdigen Zeugen deines Evangeliums. Gebrauche unsere Taten und Worte zum Bau deines Reiches. Amen.

Lied 91: Herr stärke mich, dein Leiden zu bedenken