Ein Gott, der nicht spart

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern

Andacht im Evangelischen Sonntagsblatt aus Bayern von Wolfgang Buck

Und am dritten Tage war eine Hochzeit in Kana in Galiläa, und die Mutter Jesu war da. Jesus aber und seine Jünger waren auch zur Hochzeit geladen. Und als der Wein ausging, spricht die Mutter Jesu zu ihm: Sie haben keinen Wein mehr. … Jesus spricht zu ihnen: Füllt die Wasserkrüge mit Wasser! Und sie füllten sie bis obenan. Und er spricht zu ihnen: Schöpft nun und bringt´s dem Speisemeister! Und sie brachten´s ihm. Als aber der Speisemeister den Wein kostete, ruft er den Bräutigam und spricht zu ihm: Jedermann gibt zuerst den guten Wein und, wenn sie betrunken werden, den geringeren; du aber hast den guten Wein bis jetzt zurückbehalten. Das ist das erste Zeichen, das Jesus tat, geschehen in Kana in Galiläa, und er offenbarte seine Herrlichkeit. Und seine Jünger glaubten an ihn.“

aus Johannes 2, 1–11

 Allzu oft hören und reden wir von einem Gott, der kontrolliert und zu Mäßigung aufruft, der penibel Buch führt über Gut und Böse. Und allzu selten von dem Gott, der sein Füllhorn verschwenderisch und großzügig ausschüttet. Der alles andere als sparsam umgeht mit Wind und Wetter, mit Farbe und Form, mit seiner ganzen Palette von Gerüchen, Aromen und Geschmäckern, der alle Sinne reizt und erregt. Die entsetzten Jünger in einer anderen Geschichte, als die Frau Salbe über Jesu Füße gießt: „Was für eine Verschwendung! Man hätte das alles verkaufen können und das Geld den Armen geben!“ Naja, und in diesem Sinne hätte natürlich auch so eine riesige Menge besten Weines Abnehmer gefunden, die gutes Geld dafür bezahlt hätten, und es hätte gute Zwecke gegeben und gute Gründe, gute Verwendung und genug Notleidende ebenfalls. 

Nichts da! Heute ist Hochzeit! Tanz und Ekstase, Verschwendung und Völlerei. Nichts für Geizhälse und Neidhammel. Volle Platten und Schüsseln auf die Tische! Schnelle Musik. Lautes Lachen und wilder Tanz, Flirt und hin- und her geworfene Neckereien, Komplimente, Aufforderungen. 

Maria sieht die Katastrophe kommen, zieht die Augenbrauen hoch und raunt: „Sie haben keinen Wein mehr.“ Sie weiß, was nötig ist für ein gelungenes Fest. Nämlich: Dass nicht gespart wird! Weder an Menge noch an Qualität. Die Einwände ihres Sohnes ignoriert sie. „Hört auf ihn, und was er sagt, das tut. Er macht schon, dass es passt.“ 

An Weihnachten haben wir gefeiert, dass Gott Mensch wird, dass er unser Leben mit uns teilt, Freude und Leid, dass ihm Menschliches nicht fremd ist. Genau das ist ja das wunderbare an diesem Gott. Hier nun teilt er unsere Freude und unser Bedürfnis nach Loslassen, ja sogar nach Rausch und Vergessen des Alltags. Wasser zu Wein. Er weiß, dass wir das manchmal brauchen. 

Im Wohnzimmer hängt unser Trauspruch: „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“ Und wenn ich die Jahrzehnte zurückblicke, fällt mir vieles ein, wo Wasser in Wein verwandelt wurde, Sorge in Freude, Bangen in Erlösung. Vieles, wo der schenkende Gott nicht gespart hat. Nicht nur bei uns beiden, sondern auch in Familie, Freundschaften oder im Beruf, im ganzen Leben. Soviel Wasser zu Wein! 

Darum lasst uns diese Geschichte nicht verwässern. Sicher, es fallen mir auch viele dunkle Lebensabschnitte ein. Stunden voller Verzweiflung oder Trauer. Stunden, in denen sich Wein in Essig verwandelt hat. Auch an Tränen und an Sorgen wurde nicht gespart. Darüber können wir gerne ein andermal reden. Aber nicht auf dieser wunderbar verschwenderischen Hochzeit zu Kana. 

Pfarrer Wolfgang Buck, Walsdorf