Von unkompliziert und ruhig bis zu super

410
Dekan Hans Stiegler, Vizepräsident der Synode und die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski beim Auftaktgottesdienst.Foto: Biernoth
Dekan Hans Stiegler, Vizepräsident der Synode und die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski beim Auftaktgottesdienst.Foto: Biernoth

Erste digitale Landessynode 

„Es läuft super!“, sagte die Präsidentin der bayerischen Landessynode, Annekathrin Preidel, als Zwischenbericht zum Verlauf der ersten digitalen Synode. Die Tagung findet diesmal durchweg digital statt:

Das Präsidium moderiert aus dem Landeskirchenamt in München, die Mitglieder des Kirchenparlaments der rund 2,3 Millionen Evangelischen in Bayern nehmen per Videoschalten teil. „Es läuft alles ganz unkompliziert und ruhig“, beschrieb Preidel weiter den digitalen Ablauf der Synode. „Wir haben das Gefühl, wir haben schon immer so zusammengearbeitet.“ Allerdings würden die Gespräche und der direkte Kontakt zu den anderen Synodalen vor allem am Rande der Synode auf den Gängen und beim Kaffee fehlen. Aber man sei kirchenleitend nicht lahm gelegt, sondern man agiere wie gewohnt und sei handlungsfähig, trotz der Einschränkungen.

„Corona hat viele negative Nebenwirkungen. Ich merke aber, wie sich in unserer Kirche Türen öffnen und wir Möglichkeiten wahrnehmen, von denen ich begeistert bin. Es ist ein Experimentierfeld, das Spaß macht und zum Erfolg führt“, sagte Preidel bei der virtuellen Pressekonferenz am Montag nach Start der Synode.

Die Ansbach-Würzburger Regionalbischöfin Gisela Bornowski hatte zum Auftakt der Landessynode trotz der aktuell vielen Herausforderungen für die Kirche zu Zuversicht und Hoffnung aufgerufen. 

„Große Hypothek“

„Natürlich reißt das Jahr 2020 einen tiefen Einschnitt in die kirchliche Finanzlage“, erläuterte Oberkirchenrat Nikolaus Blum, kommissarischer Finanzchef der Kirche vor den Journalisten.  Die Kirchensteuererträge sind um rund zwölf Prozent zurückgegangen – fast 100 Millionen Euro. Parallel dazu sind auch die Finanzerträge zurückgegangen. Das hinge direkt mit den Einschnitten an den Finanzmärkten in diesem Jahr zusammen.

Diese hätten sich zwar wieder erholt, die Verluste seien aber noch nicht ganz ausgeglichen. „Das ist eine große Hypothek für die kommenden Jahre. Wir bilden uns nicht ein, dass wir das kurzfristig ausgleichen können.“ Man rechne zwar mit einer Verbesserung der Situation. „Wir planen für das nächste Jahr einen Haushalt, der noch einen Fehlbetrag von gut 30 Millionen ausweist.“ Der solle über die nächsten drei Jahre wieder erwirtschaftet werden. Man hoffe so bis 2023 einen insgesamt ausgeglichenen Haushalt zu ereichen. 

„Wir haben als Landeskirchenrat eine mittelfristige Finanzperspektive bis 2030 entwickelt, die eine leichte nominelle Steigerung des Haushaltes  bedeutet. Rein faktisch  bedeute das hochgerechnet auf das kommende Jahrzehnt etwa 19 Prozent“, so Blum. „Das wird eine riesen Herausforderung werden!“ Aber man könnte im Blick auf die sonst gesicherte finanzielle Situation der Kirche mit „Ruhe und Augenmaß“ herangehen.   

Finanzausschussvorsitzender Joachim Pietzcker baute eventuellen Sorgen von Kirchengemeinden vor: Kirchengemeinden nehmen nicht an den Vorsteuerungen der allgemeinen Kirchenkasse teil, sondern haben über ein Finanzausgleichsgesetz eine eigene Logik ihrer Zuweisungen. „Diese Logik wird nicht verändert, sie läuft im Jahre 2023 aus.“ Eine Arbeitsgruppe plant wie in der Zukunft die direkten Zuweisungen an die Kirchengemeinden und Dekanatsbezirke gestaltet werden soll, eben nach 2023.

Ein großes Thema, über das die Synodalen auf der digitalen Synode im Rahmen des landeskirchlichen Haushalts abstimmten, war das Millionenprojekt Evangelischer Campus Nürnberg (ECN). Der Nürnberger Regionalbischof Stefan Ark Nitsche hat es am Montag der bayerischen Landessynode vorgestellt. Die Immobilie in der Nähe des Nürnberger Rathenauplatzes soll für 177,8 Millionen Euro zu einem gemeinsamen Campus umgebaut werden. Die Landeskirche hatte die ehemalige Oberpostdirektion im Jahr 2017 als Ertragsimmobilie für 49 Millionen gekauft. Nun soll sie Dienstimmobilie und Renditeobjekt zugleich werden. 

Ob das ECN das richtige Signal in die Gesellschaft sei oder sich die Kirche hier mit einem „überdimensionierten Gebäude“ präsentiere, fragte in der Debatte der Rektor des Neuendettelsauer Diakonie-Unternehmens Diakoneo, Mathias Hartmann. Andere Synodale zeigten sich skeptisch bezüglich finanzieller Planungen und Renditezusagen. Die Synodale Berthild Sachs (Schwabach) regte an, Erfahrungen aus dem Nürnberger Groß-Projekt sollten den Dekanaten und Gemeinden in der Fläche zugutekommen. Auch dort müsse in Zukunft „kreativer“ mit Immobilien umgegangen werden. 

„Mit dieser Immobilie setzen wir Puk um“, verteidigte Preidel das Projekt vor den Journalisten und zog die Verbindung zum kirchlichen Entwicklungsprojekt „Profil und Konzentration“. „Wir legen unser Geld in ihr an und nutzen sie gleichzeitig als Dienstimmobilie.“ Man habe ein innovatives österreichisches Architektenbüro gewinnen können, deren Entwurf vieles zeige was PuK ausmacht. Einmal einen Raum für Bildung zu schaffen, ein wesentliches Thema von PuK. Es würden einmalige Schnittstellen ermöglicht. Einerseits würden dort 2000 junge Menschen studieren und neben der Hochschule im Amt für Jugendarbeit und Gemeindedienst ihrer Arbeit nachgehen. „Da ergeben sich dann Synergien“, so Preidel.

Kampf gegen Missbrauch

Ein weiteres Thema auf der Synode ist das Präventionsgesetz. Einen wichtiger Schritt im Kampf gegen sexualisierte Gewalt und Missbrauch, nannte Oberkirchenrat Blum dieses Gesetz, über das die Synodalen zu beraten und abzustimmen hatten (das Ergebnis stand ebenfalls erst nach Redaktionsschluss fest). Es wird damit eine einheitliche Rechtsbasis zwischen der bayerischen Landeskirche und den anderen Gliedkirchen der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD) geschaffen. Deren Gewaltschutz- Richtlinie wird damit umgesetzt und im Landesrecht aufgenommen. Aber auch eine einheitliche Rechtsbasis in Kirche und Diakonie wird damit sicher gestellt.

Blum bezeichnete das Gesetz aber als nur einen Baustein im Kampf gegen sexualisierte Gewalt und Missbrauch neben anderen. Mit diesem Präventionsgesetz geht einher, dass kirchliche und diakonische Einrichtiungen verpflichtet werden, Schutzkonzepte aufzustellen. „Wir müssen das Thema Prävention ernst nehmen und wollen in Zukunft verhindern, dass es zu solchen Fällen kommt“, so Blum. Abschließend sagte er: „Das ist ein wesentlicher Auftrag unserer Kirche!“ Die Kirche hatte zu den Vorarbeiten zu diesem Gesetzt Betroffene mit einbezogen. Sie konnten Hinweise mit einfließen lassen, wie die Kirche die Schutzkonzepte sinnvoll und wirksam gestalten kann.