Chance für Ideen, die unmöglich schienen

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Adventstüten to go mit Bastelmaterialien für eine Krippe
Tüten mit Bastelideen für Kinder bot Eva Ernst von der St. Georgen-Kirchengemeinde in Bayreuth bereits seit dem Frühjahr an. In den Tüten zur Adventszeit gestaltet sie nun Materialien für eine Krippe. Fotos: Ernst

Kinderkirche bietet viele Impulse für Familien durch Adventstüten, Kurzandachten oder strahlende Fenster

Voller Leidenschaft sammelt Eva Ernst gerade Mandarinenkisten in Bayreuth. Ungefähr 50 von ihnen braucht sie dringend. Denn sie bilden das Grundgerüst für den Stall der selbst gebastelten Krippen. Diese können die Kinder ihrer Gemeinde – und darüber hinaus – basteln. In vier Tüten wird sie in der Adventszeit Bastelanleitungen und Materialien zum Abholen aushängen. Alles, was die Kinder dazu brauchen, sollen sie zum Mitnehmen bekommen, so die Diakonin. 

Eva Ernst kümmert sich in der Bayreuther St. Georgengemeinde um die Kinder- und Jugendarbeit. Ihren Wirkungskreis beschreibt sie als Brennpunktgemeinde. Da könne sie von den Eltern nicht erwarten, sich selbst um Korken, Zahnstocher oder Wattekugeln zu kümmern. Daraus bestehen die Figuren zumeist – umhüllt mit Stoff und Pappe. Lediglich Schere und Klebstoff, Stifte und Tuschkasten bräuchten die Kinder zu Hause. Die Adventszeit hindurch wird sie viermal etwa 50 Basteltüten an „ihre“ Wäscheleine hängen oder beim Internationalen Gottesdienst vor Ort bereitstellen. 

Schon seit Ostern war Eva Ernst aktiv. Bekamen die Erwachsenen und vor allem die Senioren eine Osterpredigt nach Hause geliefert, so müsste es doch auch etwas für die Jüngeren geben! Da gestaltete sie schon im Frühjahr ihre ersten Tüten. Sie hängte gut 30 von ihnen aus: „Mitte der Woche waren alle weg.“ Im Sommer fuhr sie ihr Angebot auf rund 20 herunter. Nun, nach einer kurzen Pause, geht es zum Advent gleich mit voller Kraft weiter. 

Auch Nachbargemeinden, die etwa für sie die Mandarinenkisten mit gesammelt haben, bekommen einige der fertigen Bastelsets. Oder ein örtlicher Obsthändler, der mithalf. 

Denn bestens vernetzt ist Eva Ernst. Und dies, obwohl sie ihre Stelle in der St. Georgengemeinde erst im Februar angetreten hat. Doch sie kommt aus der Festspielstadt. Sie vernetzte sich auch intensiv mit der kommunalen Jugendarbeit oder der Jugendsozialarbeit. Berührungsängste kennt sie nicht. Voller Elan wollte sie in St. Georgen nach dem Antritt der neuen Stelle die Kinder- und Jugendarbeit wieder in Schwung bringen. Doch kurz darauf kam ja gleich der erste Lockdown. „Wie sollte ich da Kinder erreichen, die ich gar nicht kannte?“

Bayernweite Vernetzung

Ideen dazu lieferte auch bayernweit Pfarrerin Susanne Haeßler. Sie vernetzt beim Amt für Gemeindedienst (AfG) Haupt- und Ehrenamtliche der Kindergottesdienstarbeit vor Ort. Dazu gestaltet sie etwa im Herbst digitale Pinnwände mit Ideen zu Advent und Weihnachten auf der Webseite https://www.kirche-mit-kindern.de. Durch Beratung am Telefon oder per Videokonferenz und durch Web-Seminare gibt sie zusammen mit dem Team Kinderkirche im AfG Unterstützung. „Komplett ausgebucht ist etwa unser Seminar ‚Erzählen mit dem Zollstock‘“, berichtet sie. Es liefert Ideen, um die Weihnachtsgeschichte mit Abstand und dennoch berührend zu erzählen. 

Nicht nur in Bayreuth, auch in vielen weiteren Gemeinden lassen sich diese Ideen an die örtlichen Gegebenheiten anpassen. Pfarrerin Susanne Spinnler aus Kirchrüsselbach im Dekanat Gräfenberg plant mit ihrem Kollegen David Vogt Tüten zum Mitnehmen. Für die zwei Altersgruppen der Drei- bis Fünfjährigen und der Sechs- bis Neunjährigen will sie je etwa 15 Tüten gestalten. Schon zu Ostern hatte sie etwas Ähnliches durchgeführt, jedoch nur für Kindergartenkinder. 

Diesmal geht es um Tiere auf dem Weg zur Krippe. Es gibt selbst geschriebene Geschichten und Bastelanleitungen – sowie ein fortlaufendes Rätsel mit Gewinnen. Die Kinder können ihre Kunstwerke wieder in die Kirche bringen, die so gemeinsam erblüht. Spinnler stellt die Ideen auf der ELKB-Cloud zur Verfügung und mit ihren Kontakten auf dem Kinderkirchen-Padlet https://www.kirche-mit-kindern.de/.

Auch dort ist Eva Ernst vernetzt. „Corona gibt uns die Chance, Ideen umzusetzen, die vorher nicht möglich waren.“ Die Tütenaktion erscheint ihr auch für kirchenfernere Kinder deutlich niedrigschwelliger als die Einladung zum Kindergot-tesdienst. Trotzdem gestaltete sie im Sommer ebenfalls auf einer Wiese hinter dem Friedhof Familiengottesdienst. „60 bis 70 Personen kamen. Es war eine große Sehnsucht nach dem vorhanden, was Kirche zu geben hat.“ Zum Heiligabend plant sie etwa einen Familiengottesdienst auf dem Pausenhof der Grundschule.

Andachten im Pfarrgarten

Genauso organisiert Pfarrerin Iris Kreile aus Klingenberg am Main mit ihrem Team kurze adventliche Kindergottesdienste im Pfarrgarten. Sie finden um 11 Uhr und am 4. Advent um 17 Uhr statt. Ein Adventskranz wandert mit ins Freie, das Klavier ans geöffnete Fenster. Oder es erklingt Gitarrenmusik. Zum 1. Advent geht es um die Barbarazweige. Der Kirschbaum im Pfarrgarten bietet da seine Zweige an. Bis Heiligabend können die Familien sie zu Hause zum Blühen bringen. Für den 24. Dezember plant sie mit ihrem Team gerade mehrere Stationen mit Spielszenen im Freien. 

Strahlende Adventsfenster

Adventsfenster sollen in Pappenheim aufleuchten. Dieses Jahr können sie nicht gemeinsam eröffnet werden, aber für adventliche Spaziergänge erstrahlen. Petra Münch-Popp, die Frau des Dekans und im Vorstand des Kindergottesdienstverbandes, sucht gerade Menschen, die ihre Fenster erleuchten. „Außerdem planen wir mit dem Kigo-Team eine Adventsaktion für Kinder in der Kirche.“ Sie findet an den ersten beiden Adventsonntagen in der Ev. Stadtkirche und danach in der katholischen Kirche statt.

Nicht nur in den genannten Gemeinden, sondern bayernweit gewinnen Ideen für die Adventszeit Raum. Vernetzt sind die digitalen Kindergottesdienste, auf die Haeßler hinweist. Bei Youtube unter kirchemitkindern-digital.de läuft sonntags ab 10 Uhr ein Kindergottesdienst online. An Heiligabend gibt es ab 14 Uhr einen Familiengottesdienst aus Offenhausen bei Hersbruck.

„Die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation ist von unserer Landessynode im Frühjahr 2019 als ein Schwerpunkt im PUK-Prozess benannt worden“, ergänzt Haeßler. Ihr ist es wichtig, in Zeiten der Pandemie Familien nicht aus dem Blick zu verlieren. „Kinder brauchen genauso Ermutigung, Segen und Geschichten der Bibel, die stärken, wie Erwachsene!“